Vulcan Energy meldet ein finanzielles Großprojekt in Deutschland – und trotzdem fällt die Aktie auf ein neues Jahrestief. Der Widerspruch zwischen operativem Fortschritt und Börsenrealität prägt den Quartalsbericht zum 30. Juni 2026.

Das Unternehmen treibt sein Lithium- und Geothermieprojekt „Lionheart“ im Oberrheingraben mit hohem Tempo voran. Parallel dazu bewegt sich die Aktie bei 1,60 Euro und damit nur knapp über ihrem 52-Wochen-Tief von 1,55 Euro. Der Titel notiert derzeit fast 60 Prozent unter seinem Jahreshoch von 3,98 Euro.

Finanzierung steht, Kapital fließt

Vulcan Energy hat im zweiten Quartal ein Finanzierungspaket über 2,2 Milliarden Euro final abgeschlossen. Ein Konsortium aus 13 Kreditgebern sowie mehrere Exportkreditagenturen stellen das Kapital bereit. Es kann nun, abhängig von laufenden Projektbedingungen, abgerufen werden.

Die Investitionen ins Projekt haben sich deutlich beschleunigt. Im zweiten Quartal gab Vulcan 92 Millionen Euro für die Entwicklung aus. Damit steigt das Investitionsvolumen für das erste Halbjahr 2026 auf 168 Millionen Euro.

Zum Quartalsende verfügte das Unternehmen über eine Gesamtliquidität von 273,9 Millionen Euro. Darin enthalten sind 193,9 Millionen Euro an Bar- und Zahlungsmitteläquivalenten sowie 80 Millionen Euro in kurzfristig verfügbaren Termineinlagen.

Bohrprogramm und Bau schreiten voran

Operativ macht Vulcan sichtbare Fortschritte. Das Unternehmen hat die sechste Produktions- und Reinjektionsbohrung im Rahmen des Lionheart-Entwicklungsplans fertiggestellt. Lithiumgehalt und Temperatur entsprachen dabei den technischen Erwartungen.

Noch vor Quartalsende startete die Bohrung der siebten Anlage planmäßig. Zeitgleich begannen die Bauarbeiten am 30-Megawatt-Geothermiekraftwerk in Landau – zunächst Fundamentarbeiten und Betonbau für die Kraftwerksinfrastruktur.

In Frankfurt läuft der Bau der zentralen Lithiumanlage weiter. Zusätzlich sicherte sich Vulcan eine fünfjährige Befreiung von Förderabgaben durch das Land Rheinland-Pfalz. Das soll die Wirtschaftlichkeit des Projekts in den ersten Betriebsjahren verbessern.

Charttechnik zeigt überverkaufte Aktie

Trotz gesicherter Finanzierung und stetigem operativem Fortschritt bleibt der Kurs unter Druck. Der 14-Tage-RSI liegt bei 29,7 – ein Wert, der auf eine überverkaufte Aktie hindeutet.

Zusätzlich verfielen am 28. Juli 134.225 nicht börsennotierte Performance Rights (VULAC), weil bestimmte Vesting-Bedingungen nicht erfüllt wurden. Ein weiteres Signal, dass operative Meilensteine und Kapitalmarktbewertung derzeit auseinanderlaufen.

Vulcan bleibt vorerst ein Unternehmen ohne Lithium-Umsätze. Der kommerzielle Produktionsstart ist für 2028 geplant. Für die zweite Jahreshälfte 2026 stehen die Anlieferung von Prozessanlagen und der weitere Ausbau des Bohrfeldes im Mittelpunkt.