Ein Konzern sichert sich eine Milliardenfinanzierung für sein Prestigeprojekt. Die Aktie reagiert trotzdem mit einem Kursrutsch von über 20 Prozent im Monat. Bei Vulcan Energy klafft die Lücke zwischen Projektfortschritt und Börsenrealität so weit auseinander wie selten zuvor.

Die Aktie schloss am Mittwoch bei 1,92 Euro. Auf Monatssicht verlor das Papier 23,41 Prozent, seit Jahresbeginn liegt das Minus bei 26,28 Prozent. Zum Vergleich: Im Oktober 2025 hatte die Aktie noch bei 3,98 Euro notiert. Aktuell liegt der Kurs damit gut 51 Prozent unter diesem Hoch.

Finanzierung für Lithium-Werk steht

Ende Mai meldete Vulcan Energy den sogenannten Financial Close für sein „Lionheart“-Projekt. Die Finanzierung über 2,2 Milliarden Euro war bereits im Dezember 2025 gesichert worden, nun ist sie formal abgeschlossen. Das Geld fließt in eine Lithiumanlage im Oberrheingraben.

Die Anlage soll jährlich 24.000 Tonnen Lithiumhydroxid-Monohydrat produzieren. Das reicht rechnerisch für rund 500.000 Elektroauto-Batterien pro Jahr. Zusätzlich plant Vulcan Energy, aus der Anlage jährlich 275 Gigawattstunden Ökostrom und 560 Gigawattstunden Wärme für die Region zu gewinnen — über eine geplante Laufzeit von 30 Jahren.

Der Markt honorierte diesen Meilenstein kaum. Die Aktie blieb trotz der Nachricht unter Druck.

Lithiumpreise steigen, Aktie bleibt schwach

Besonders auffällig: Die Kursschwäche passt nicht zum Rohstoffmarkt. Lithiumcarbonat verteuerte sich am Mittwoch in China um 2,24 Prozent. Am Donnerstagmittag legte der Preis bereits den vierten Tag in Folge zu, diesmal um 1,26 Prozent.

Steigende Rohstoffpreise sprechen eigentlich für Lithium-Entwickler wie Vulcan Energy. Die Aktie folgt dieser Logik derzeit nicht. Das Papier notiert 10,94 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 2,16 Euro und 25,97 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 2,60 Euro.

Der relative Stärkeindex (RSI) über 14 Tage liegt bei 41,4. Die Aktie gilt damit nicht als überverkauft, zeigt aber auch keine Anzeichen einer Erholung. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität bleibt mit 57,53 Prozent hoch — ein Wert, der für die spekulative Natur von Lithium-Entwicklungsprojekten typisch ist.

Immerhin: Mit 1,92 Euro liegt der Kurs noch 8,64 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 1,77 Euro, das Vulcan Energy Ende März markiert hatte.

Der nächste Termin fällt auf den 30. Juli. Dann legt Vulcan Energy seinen Quartalsbericht vor — mit Details zum Baufortschritt und zum Einsatz der Lionheart-Finanzierung. Der Bericht dürfte zeigen, ob operative Fortschritte die Kursschwäche noch drehen können.