Liebe Leserinnen und Leser,
6 Milliarden Euro – diese Zahl schickte die VW-Aktie am Donnerstag auf eine Kursrallye, die so nicht erwartet wurde. Während der DAX dank einer überraschenden Trump-Kehrtwende im Grönland-Streit ohnehin schon zulegte, sorgte Volkswagen mit vorläufigen Cashflow-Zahlen für zusätzliche Euphorie. Doch nicht alle deutschen Unternehmen hatten Grund zum Feiern: Carl Zeiss Meditec brach nach einer Gewinnwarnung regelrecht ein, und auf der anderen Seite des Atlantiks zeigte Procter & Gamble, dass selbst Konsumgiganten mit stagnierendem Wachstum kämpfen. Ein Tag der Kontraste also – und ein Reminder daran, dass Quartalszahlen manchmal wichtiger sind als geopolitische Schlagzeilen.
VW überrascht mit Cashflow-Turbo – Markt atmet auf
Eigentlich hätte es ein Tag wie jeder andere werden können für Volkswagen. Doch dann kam die Meldung: Der Netto-Cashflow des Konzernbereichs Automobile belief sich 2025 auf rund 6 Milliarden Euro – deutlich über der eigenen Prognose und den Markterwartungen. Die Aktie schoss daraufhin um 6,5 Prozent nach oben und führte den DAX an, der insgesamt um 1,2 Prozent zulegte.
Was macht diese Zahl so bedeutsam? Cashflow ist das Lebenselixier eines Autokonzerns – er zeigt, wie viel Geld tatsächlich in der Kasse landet, unabhängig von buchhalterischen Spielereien. Und gerade VW stand zuletzt unter Druck: Restrukturierungen, Sparprogramme und die schwierige Transformation zur E-Mobilität hatten Anleger nervös gemacht. Die Cashflow-Überraschung signalisiert nun: Die Maßnahmen greifen, das Unternehmen generiert trotz aller Herausforderungen solide Mittelzuflüsse.
Auch die VW-Tochter Traton lieferte vorläufige Zahlen, die im Rahmen der Erwartungen lagen – trotz eines Absatzrückgangs von 9 Prozent. Dass die Porsche Holding mit einem Plus von 4,3 Prozent mitzog, zeigt: Der gesamte Volkswagen-Kosmos profitierte von der positiven Stimmung. Für deutsche Anleger ist das ein ermutigendes Zeichen, dass die heimische Autoindustrie trotz struktureller Probleme noch Überraschungen parat hat.
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Procter & Gamble stagniert – Konsumflaute in den USA spürbar
Während in Europa die Stimmung aufhellte, sorgte Procter & Gamble in den USA für Ernüchterung. Der Konsumgüterriese meldete für das zweite Geschäftsquartal einen Umsatz von 22,2 Milliarden Dollar – organisch bedeutete das Stagnation, während Analysten ein leichtes Plus erwartet hatten. Die Aktie gab vorbörslich nach, auch wenn das bereinigte Ergebnis je Aktie mit 1,88 Dollar leicht über den Prognosen lag.
Was belastete? Vor allem die Bereiche Babypflege, Damenhygiene und Haushaltswaren litten unter schwacher Nachfrage. Finanzchef Andre Schulten verwies auf schwierige Vergleichswerte: Im Vorjahr hatten US-Konsumenten wegen eines Hafenstreiks Vorräte angelegt, zudem belastete der Teil-Shutdown der Regierung und die vorübergehende Aussetzung der Lebensmittelhilfe. Für die kommenden Monate zeigte sich Schulten optimistischer – doch die Zahlen offenbaren ein grundsätzliches Problem: Selbst etablierte Marken wie Pampers oder Gillette haben es schwer, wenn Verbraucher den Gürtel enger schnallen.
Interessant: Während Kosmetik und Healthcare leicht zulegten, blieben die Volumina insgesamt unter Druck. Das zeigt, dass Konsumenten zwar bei Selbstpflege nicht sparen, aber bei Alltagsprodukten genauer hinschauen. Für Anleger ein Warnsignal, dass die US-Konsumstimmung fragiler ist, als es die jüngsten Aktienkursgewinne vermuten lassen.
Carl Zeiss Meditec im Sturzflug – China bleibt das Strukturproblem
Der dramatischste Kursrutsch des Tages ereignete sich bei Carl Zeiss Meditec: Die Aktie brach um 16,6 Prozent ein und fiel auf ein Fünf-Jahres-Tief. Der Grund: Das Medizintechnikunternehmen startete deutlich schwächer ins neue Geschäftsjahr als erwartet und kappte die Prognose. Die Umsätze im ersten Quartal sanken um 4,8 Prozent auf 467 Millionen Euro, das EBITA brach um 77 Prozent auf nur noch 8 Millionen Euro ein.
Das eigentliche Problem sitzt in China. Dort sorgen ausschreibungsbedingte Verluste bei Intraokularlinsen und zunehmender lokaler Wettbewerb für massiven Preisdruck. Analysten von MWB bezeichneten China als „Hauptstrukturproblem“ des Unternehmens – und das dürfte sich so schnell nicht ändern. Für deutsche Anleger ist das ein Lehrstück darüber, wie abhängig selbst Qualitätsunternehmen von einzelnen Märkten sein können. Carl Zeiss Meditec hatte lange von der wachsenden chinesischen Mittelschicht profitiert; jetzt schlägt die Medaille zurück.
Die Gewinnwarnung zeigt auch: Im Medizintechniksektor reicht es nicht mehr, nur gute Produkte zu haben. Wer in Schwellenländern nicht gegen lokale Anbieter bestehen kann, verliert Marktanteile – und damit Profitabilität. Die Aktie wird wohl erst dann wieder interessant, wenn das Management überzeugende Antworten auf die China-Problematik liefert.
Trump lenkt ein – und die Märkte atmen durch
Der Hintergrund für die allgemein gute Börsenstimmung am Donnerstag lag in der überraschenden Deeskalation im Grönland-Konflikt. US-Präsident Donald Trump hatte zuvor mit Strafzöllen auf europäische Importe gedroht, nachdem mehrere NATO-Staaten Soldaten nach Grönland entsandt hatten. Doch in Davos vollzog er eine Kehrtwende: Nach einem Treffen mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte verkündete er ein „Rahmenabkommen“ – ohne Details zu nennen, aber mit der klaren Botschaft, dass die Zolldrohungen vom Tisch sind.
Die Märkte reagierten erleichtert. Der DAX stieg um 1,2 Prozent, der Euro-Stoxx-50 um 1,3 Prozent. Besonders Exportwerte wie Autotitel profitierten, die zuletzt unter den Zoll-Ängsten gelitten hatten. Auch die Anleiherenditen beruhigten sich, nachdem sie zuletzt für Stress gesorgt hatten. Gold, das in den Vortagen auf Rekordhochs geklettert war, legte eine Pause ein.
Für Anleger bleibt die Episode dennoch ein Warnsignal: Trumps Politik ist unberechenbar, und was heute deeskaliert wird, kann morgen wieder hochkochen. Die Volatilität, die solche Schlagzeilen auslösen, wird uns wohl das ganze Jahr begleiten. Wer auf europäische Exportwerte setzt, sollte dieses Risiko im Hinterkopf behalten.
Rüstungswerte unter Druck – Börsengang zieht Liquidität ab
Während die meisten Sektoren von der Entspannung profitierten, gerieten Rüstungsaktien unter Druck. Rheinmetall fiel um 3,4 Prozent, Hensoldt um 4 Prozent, RENK um 2,1 Prozent. Der Grund ist zweifach: Zum einen reduzierte die Grönland-Deeskalation die Risikoprämie, die Rüstungstitel zuletzt gestützt hatte. Zum anderen entzieht der bevorstehende Börsengang der tschechischen Czechoslovak Group (CSG) in Amsterdam dem Sektor Liquidität – Investoren verkaufen etablierte Positionen, um Kapital für den IPO freizumachen.
Die CSG, die bereits am Freitag an der Euronext Amsterdam starten soll, wird als potenzieller Konkurrent zu Rheinmetall wahrgenommen. Das Orderbuch war Berichten zufolge binnen Minuten gedeckt – ein Zeichen für das anhaltende Interesse an Rüstungsinvestments, auch wenn die kurzfristige Marktdynamik belastet. Für deutsche Anleger bedeutet das: Rüstungswerte bleiben volatil, getrieben von geopolitischen Schlagzeilen und Branchenbewegungen. Wer hier investiert ist, braucht starke Nerven.
Was die Woche noch bringt
Die Berichtssaison nimmt weiter Fahrt auf. In den USA stehen heute Abend noch Intel und Alcoa auf dem Programm – Intel-Aktien waren bereits am Vortag um 12 Prozent gestiegen, die Erwartungen sind entsprechend hoch. Zudem wird der PCE-Preisindex für November veröffentlicht, das bevorzugte Inflationsmaß der US-Notenbank. Sollte die Inflation hartnäckiger ausfallen als erwartet, könnte das die Zinshoffnungen dämpfen und die Märkte belasten.
In Europa bleibt die Frage, wie nachhaltig die Trump-Entspannung ist. Die Details des Grönland-Abkommens sind weiterhin unklar, und Dänemarks Außenminister betonte erneut die Bedeutung dänischer Souveränität. Solange hier keine Klarheit herrscht, bleibt das Thema ein potenzieller Belastungsfaktor.
Eines zeigt der heutige Tag deutlich: Quartalszahlen und operative Überraschungen können kurzfristig wichtiger sein als große geopolitische Dramen. VW bewies, dass solide Cashflows Kurse treiben – während Carl Zeiss Meditec zeigte, wie schnell Strukturprobleme bestrafen werden. Für Anleger heißt das: Die Fundamentaldaten bleiben entscheidend, auch wenn die Schlagzeilen anderes suggerieren.
Einen erfolgreichen Handelstag wünscht Ihnen
Andreas Sommer


