Liebe Leserinnen und Leser,
103 Euro – so viel kostet die VW-Vorzugsaktie am Montagnachmittag, und damit fast exakt so viel wie zum Jahreswechsel. Keine Bewegung, könnte man meinen. Doch hinter dieser Stagnation verbirgt sich eine Nachricht, die aufhorchen lässt: Der Wolfsburger Konzern plant laut Manager Magazin ein neues Sparprogramm mit einem Volumen von rund 60 Milliarden Euro – Werksschließungen inklusive. Während VW um seine Zukunft ringt, kämpft der DAX erneut an der psychologisch wichtigen 25.000-Punkte-Marke, und Siemens verliert an einem einzigen Tag über sechs Prozent, weil Anleger plötzlich fürchten, dass Künstliche Intelligenz die industrielle Software-Welt auf den Kopf stellen könnte. Drei Geschichten, die zeigen: Die Märkte suchen nach Orientierung – und finden vorerst keine klaren Antworten.
VW plant radikales Sparprogramm: 20 Prozent weniger Kosten bis 2028
Das Manager Magazin berichtet unter Berufung auf interne Quellen, dass Volkswagen die Kosten bis Ende 2028 um 20 Prozent senken will. Konzernchef Oliver Blume und Finanzvorstand Arno Antlitz sollen die Pläne bereits im Januar den 120 obersten Führungskräften präsentiert haben. Die Gründe: schleppende Verkäufe in China, US-Zölle und ein schwieriges Wettbewerbsumfeld. Werksschließungen und ein weiterer Stellenabbau über die bereits angekündigten 35.000 Jobs hinaus könnten nicht ausgeschlossen werden.
VW selbst reagiert zurückhaltend. Man habe bereits Einsparungen in zweistelliger Milliarden-Euro-Höhe erreicht und könne damit „geopolitische Gegenläufer“ abfedern, heißt es. Einen Zwischenstand will Blume am 10. März bei der Jahrespressekonferenz geben. Der Betriebsrat widerspricht vehement: Betriebsratschefin Daniela Cavallo betont, mit dem Dezember-Kompromiss von 2024 seien Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen bis 2030 ausdrücklich ausgeschlossen worden. „Mit uns wird es keine Werksschließungen geben“, stellt sie klar.
Für Anleger bleibt die Lage angespannt. Die VW-Aktie bewegt sich kaum – doch die Unsicherheit darüber, wie radikal der Konzern tatsächlich umsteuern muss, dürfte in den kommenden Wochen weiter für Volatilität sorgen.
Siemens unter Druck: KI-Disruption erschüttert Industriesoftware
Von 275,75 Euro am Donnerstag auf 236,95 Euro am Montagnachmittag – die Siemens-Aktie hat innerhalb weniger Tage massiv an Wert verloren und markierte den tiefsten Stand seit Mitte Dezember. Der Grund: Anleger befürchten zunehmend, dass hochentwickelte KI-Tools die industrielle Software bedrohen könnten. Konkret geht es um Software zur Erstellung digitaler Zwillinge – virtuelle Nachbildungen physischer Objekte. Analysten warnen, dass die Praxis, alle Lösungen von einem einzigen Anbieter wie Siemens oder Dassault Systèmes zu kaufen, immer weniger vertretbar wird, da KI es Unternehmen nun ermöglicht, ihre Software mit „offenen“ Systemen zu kombinieren.
In Paris sackten die Papiere von Dassault Systèmes sogar um 8,8 Prozent auf den niedrigsten Stand seit August 2017 ab. Die Sorge: KI könnte nicht nur einzelne Funktionen automatisieren, sondern ganze Geschäftsmodelle infrage stellen. Marktanalyst Jochen Stanzl von der Consorsbank bringt es auf den Punkt: „Anleger haben ihr Geld in den vergangenen Wochen aus KI-Aktien in Blue Chips und etablierte Unternehmen umgeschichtet, in der Hoffnung, dort eine vergleichsweise sichere Anlage gefunden zu haben. Die Kursverluste bei Logistik- und Finanzaktien in der letzten Woche zeigten jedoch, dass selbst eingesessene Unternehmen im Zweifel nicht vor KI-Disruption gefeit sind.“
Für deutsche Anleger bedeutet das: Selbst Industriegiganten wie Siemens sind nicht mehr automatisch sichere Häfen. Die Frage, welche Geschäftsmodelle KI-resistent sind, wird zur zentralen Bewertungsfrage der kommenden Jahre.
DAX scheitert erneut an 25.000 Punkten – und die Geduld schwindet
Der DAX startete mit einem Plus von 0,3 Prozent bei 24.988,61 Punkten in die Woche und überschritt zwischenzeitlich sogar die 25.000er-Marke. Doch die Freude währte nicht lange: Letztlich schloss der Leitindex 0,46 Prozent tiefer bei 24.800,91 Punkten. Hauptbelastung war Siemens mit seinem massiven Kursverlust. Der MDAX mit den mittelgroßen deutschen Werten schloss hingegen 0,21 Prozent im Plus bei 31.364,56 Zählern.
Der geschlossene US-Markt aufgrund des Feiertags „Washington’s Birthday“ sorgte für dünnen Handel und fehlende Impulse. Analyst Matthew Britzman von Hargreaves Lansdown sieht darin eine willkommene Erleichterung: „Nach den Sorgen wegen KI in der Vorwoche, die heftige Schwankungen mit sich brachten, ist der ruhige Montag eine Atempause.“
Doch die Ruhe täuscht. Die 25.000-Punkte-Marke wird zur psychologischen Hürde. Am 13. Januar hatte der DAX bei 25.507,79 Punkten ein Allzeithoch markiert – seitdem pendelt er darunter. Solange keine klaren Impulse kommen, dürfte der Index weiter in dieser Spanne gefangen bleiben. Aus Europa kamen am Montag schwache Industriedaten: Die Produktion im Euroraum fiel im Dezember um 1,4 Prozent.
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Lufthansa vor DAX-Comeback – Zalando zittert
Die Lufthansa-Aktie steht laut Index-Experten von Deutsche Bank und JPMorgan kurz vor einer Rückkehr in den DAX. Seinen Platz räumen müsste voraussichtlich Zalando. Allerdings hat der jüngste Kursverfall der Lufthansa-Aktie, ausgelöst durch Streiks, die Indexaufnahme wieder unsicherer gemacht. Die kommenden Wochen bis zur nächsten Index-Überprüfung am 4. März werden entscheidend.
Neben Zalando sind auch Scout24 und Porsche Holding gefährdet, sollte Lufthansa tatsächlich aufsteigen. Die Marktkapitalisierung der drei Wackelkandidaten liegt nah beieinander. Für Fondsmanager, die Indizes real nachbilden, bedeutet das: Umschichtungen stehen bevor – und die könnten die Kurse zusätzlich bewegen.
Positiv für Lufthansa: Das Unternehmen hat am Montag bekannt gegeben, dass ab 15. April 25 von 28 Business-Sitzen in der neuen Boeing 787 gebucht werden können. Bislang waren von der US-Aufsichtsbehörde FAA nur vier Sessel freigegeben. Die Zertifizierung der eigens entworfenen Allegris-Kabinenausstattung hatte sich jahrelang hingezogen – nun kommt Bewegung in die Sache. Die Lufthansa-Aktie legte via XETRA zeitweise um 1,56 Prozent auf 9,25 Euro zu.
Rüstungsaktien profitieren von geopolitischen Spannungen
Während VW spart und Siemens unter KI-Ängsten leidet, gibt es auch Gewinner des Tages: Rüstungswerte. Rheinmetall legte zeitweise um 0,93 Prozent auf 1.624,00 Euro zu, RENK um 0,94 Prozent auf 58,08 Euro und TKMS sogar um 3,81 Prozent auf 96,80 Euro. Hintergrund sind anhaltende geopolitische Spannungen und Russlands jüngster Vorschlag einer internationalen Übergangsverwaltung für die Ukraine unter UN-Ägide – ein weiterer Versuch, die Legitimität der ukrainischen Regierung infrage zu stellen.
Analysten von Warburg Research haben das Kursziel für HENSOLDT vor den anstehenden Jahreszahlen von 86 auf 91 Euro angehoben und die Einstufung von „Hold“ auf „Buy“ hochgestuft. Die HENSOLDT-Aktie verlor dennoch zeitweise 0,62 Prozent auf 80,30 Euro. Zudem hat HENSOLDT eine strategische Partnerschaft mit Schwarz Digits, der IT-Sparte der Schwarz Gruppe, geschlossen, um Cloud-fähige Lösungen für den Verteidigungssektor zu entwickeln.
RENK investiert derweil massiv in die USA: Bis 2030 sollen insgesamt 150 Millionen US-Dollar in Michigan fließen, davon 70 Millionen in Sachanlagen und 80 Millionen in Forschung und Entwicklung. Bis zu 270 neue Arbeitsplätze sollen entstehen. Für Anleger zeigt das: Die Rüstungsbranche bleibt ein struktureller Wachstumsmarkt – unabhängig von konjunkturellen Schwankungen.
Was diese Woche noch wichtig wird
In den kommenden Tagen stehen wichtige Termine an: Am Mittwoch veröffentlicht die US-Notenbank Fed die Sitzungsprotokolle vom Januar, die mehr Aufschluss über die künftige Zinspolitik geben könnten. Am Freitag folgen die PCE-Inflationsdaten für Dezember – das bevorzugte Inflationsmaß der Fed. Zudem berichten im Wochenverlauf weitere 65 Unternehmen aus dem Stoxx-600 ihre Quartalszahlen.
Für deutsche Anleger bleibt die Gemengelage herausfordernd: Der DAX kämpft mit der 25.000-Punkte-Marke, Industriegiganten wie Siemens geraten durch KI-Ängste unter Druck, und VW plant ein radikales Sparprogramm. Gleichzeitig zeigen Rüstungswerte Stärke, und die Hoffnung auf weitere Zinssenkungen der Fed bleibt intakt. Es ist eine Phase der Neuorientierung – und die erfordert Geduld.
Beste Grüße und eine erfolgreiche Handelswoche,
Andreas Sommer


