Wachstumskurs Spieleindustrie: Was ist der digitale Wandel?

Spieleindustrie
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Wie der game Verband der deutschen Games-Branche kürzlich berichtete, verzeichnete die deutsche Spielindustrie 2019 ein deutliches Wachstum. Was steckt hier dahinter und wie kann man davon profitieren?

Ein Markt im digitalen Wandel

Basierend auf Marktdaten durch GfK und App Annie konnte die Spielbranche in Deutschland im vergangenen Jahr ihren Umsatz um sechs Prozent steigern und damit erstmalig die 6-Milliarden-Euro-Marke überschreiten. Der Industriezweig befindet sich aktuell in einem umfangreichen Wandel. Durch den Fortschritt der Digitalisierung zieht sowohl die Bereitstellung als auch der Bezug von Games auf das digitale Medium im Internet um. Hersteller und Verbraucher profitieren von dieser Entwicklung, sodass sich der Umsatz durch Online-Dienste 2019 als eindeutiger Wachstumstreiber herausstellte.

Die Games-Branche bekommt die Digitalisierung auf diverse Arten zu spüren. Schon lange findet der Erwerb von Videospielen durch Endverbraucher kaum noch über traditionelle Datenträger im Ladengeschäft statt, denn der Vertrieb der digitalen Unterhaltungsmedien wurde inzwischen fast ausschließlich auf das Internet umgelegt. Laut Einschätzungen des Marktforschungsunternehmens der Gaming-Branche Newzoo sollen im Jahr 2018 bereits 91 Prozent aller Umsätze für Videospiele auf digitalem Weg erfolgt sein. Damit einhergehend findet die Freizeitbeschäftigung längst nicht mehr lediglich an der Konsole und am Gaming-PC statt, auch am Mobilgerät sowie über den Webbrowser greifen die Deutschen heute auf Spiele zu. Durch die zunehmenden Chancen und geringeren Einstiegsbarrieren für neue Spieler und Anbieter ist der Markt diversifizierter denn je.

Spieler haben die Möglichkeit, über zahlreiche Plattformen und unterschiedliche Servicemodelle auf ihre Lieblingsunterhaltung zuzugreifen. Über diverse Game-Stores wie Steam vom Spielentwickler Valve und BattleNet vom Entwickler und Publisher Blizzard können Spieler auf eine umfangreiche Bibliothek an Spielen zugreifen und diese kaufen und herunterladen. Ein neuer Trend zeigt auf die Anbieter von Cloud-Gaming-Lösungen wie Google Stadia, die Videospiele über einen Stream online bereitstellen, ohne dass es einen Download bedarf. Auch im Bereich des Glücksspiels lässt sich der Trend zur digitalen Bereitstellung eines umfangreichen Spielangebots erkennen. Im Online Casino wird eine breite Palette an Casinospielen zur Verfügung gestellt, die sich direkt im Browser und mobil spielen lassen Neben einer Vielzahl an Spielautomaten haben Spieler hier auch die Gelegenheit, über einen Livestream mit einem echten Croupier Tischspiele wie Blackjack und Roulette zu spielen. Mit dem digitalen Wandel hielt damit auch die Casinowelt Einzug in das Internet. Diese starke Digitalisierung der Spiele schlägt sich auch im Wachstum der Games-Branche erkennbar nieder.

Online-Dienste sind Wachstumstreiber

Für das Wachstum der Games-Branche ausschlaggebend waren in erster Linie die Umsätze, die durch Online-Dienste sowie In-Game-Käufe generiert wurden. Wie durch die Marktstudie bekannt, wurden für Gebühren für diverse Online-Services für Spiele insgesamt 461 Millionen Euro umgesetzt. Dies entspricht im Vergleich zum Vorjahr einer Umsatzsteigerung um 30 Prozent, was das Segment zum absoluten Wachstumstreiber der gesamten Branche macht. Derartige Online-Dienste umfassen diverse Abonnementsmodelle, für die Spieler eine monatliche Gebühr bezahlen. Unter anderem PlayStation Plus und Xbox Live Gold, die Nutzern Zugriff auf eine Online-Multiplayer-Plattform ermöglichen, eine Auswahl an Spielen kostenfrei zur Verfügung stellen und diverse Rabatte und Aktionen auf Spielpreise anbieten, gehören zu derartigen Services. Angebote wie Xbox Game Pass von Microsoft sowie Uplay+ von Ubisoft bieten eine ganze Bibliothek an Spielen, über die mit einer monatlichen Mitgliedschaft frei verfügt werden kann. Zuletzt gehören Cloud-Gaming-Plattformen zum Segment der Online-Dienste, die aktuell die Games-Branche aufrütteln. Google brachte Ende 2019 ihre Plattform Google Stadia heraus, Microsoft arbeitet ebenfalls an einem eigenen Cloud-Service und auch Nvidia, Marktführer im Bereich Grafikprozessoren und Chipsätze für PCs und Konsolen, befindet sich mit seiner Cloud-Gaming-Plattform GeForce Now aktuell in der Testphase. Der Trend zeigt damit weiterhin in Richtung der Online-Dienste.

Gaming-Branche
Gaming-Branche

Ebenfalls wirkte sich der gesteigerte Umsatz durch In-Game-Käufe auf das Wachstum der deutschen Spielindustrie aus. Von 1,95 Milliarden Euro im Vorjahr stiegen die Umsätze 2019 durch Käufe innerhalb von Spielen um 16 Prozent auf 2,25 Milliarden Euro an. Bei diesen sogenannten Mikrotransaktionen handelt es sich in der Branche inzwischen um eine tragende Einnahmesäule und einen Treiber der Rentabilität. Während Games häufig zum kostenfreien Spielen angeboten werden, haben Spieler die Möglichkeit, über meist niedrige Kaufbeträge innerhalb des Spiels, gewisse Vorteile und ästhetische Veränderungen zu erwerben. Das Geschäftsmodell wird grundsätzlich akzeptiert, da der Spieler selbst darüber entscheidet, wie viel Zeit und Geld er in das Spiel investieren möchte. Mithilfe derartiger Transaktionen in Kombination mit Abonnementsmodellen generieren Hersteller wiederkehrende Einnahmen. Der Finanzvorstand von Activision Blizzard, der Marktführer der US-amerikanischen Games-Branche mit einer Marktkapitalisierung in Höhe von über 50 Milliarden Euro, beziffert den Umzug von Spieleinnahmen ins Internet auf ein Plus von zehn US-Dollar pro Transaktion.

Die Games-Branche in Deutschland ist am Wachsen und konnte 2019 einen neuen Rekordumsatz erreichen. Wachstumstreiber des Industriezweigs sind Online-Dienste, die aktuell in der Branche für Umdenken sorgen. Mit der fortschreitenden Digitalisierung sowie den aktuellen Entwicklungen und Trends lassen sich langfristig hohe Wachstumsraten für die Branche vermuten.

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