Liebe Traderinnen und Trader,
Rheinmetall läuft an diesem Mittwoch gegen den Strom. Während heiße US-Inflationsdaten die Wall Street abwärts drücken, halten sich einzelne deutsche Standardwerte bemerkenswert gut. Bei Rheinmetall treffen zwei Unternehmensnachrichten auf einen Chart, der seit dem Januar-Hoch fast die Hälfte verloren hat.
Dazu kommt ein konkreter Krypto-Termin abseits von Bitcoin, der nächste Woche Solana bewegen dürfte. Und bei GE Vernova, Siemens Energy und IonQ zeigt sich, wen das neue Zinsumfeld zuerst trifft.
Rheinmetall: Zwei Nachrichten, ein Widerstand bei 1.000 Euro
Die Nachrichtenlage bei Rheinmetall ist besser als der Chart, und genau daraus entsteht das Setup. Rheinmetall notiert im laufenden Handel bei rund 982 Euro, ein Plus von 3 Prozent zum Vortag. Das Tageshoch lag bei 991,20 Euro, knapp unter der runden Marke von 1.000 Euro. Auslöser ist eine Kooperation mit Nel ASA, zu der bislang keine Konditionen vorliegen.
Deutlich greifbarer ist der zweite Baustein: Rheinmetall hat am 9. Oktober den Zuschlag für die rumänische Werft Damen Shipyards Mangalia erhalten, für 138,03 Millionen Euro netto. Zuvor waren vier Auktionen zum Schätzwert von 184 Millionen Euro gescheitert, der Liquidationswert lag bei 84 Millionen Euro.
Der Kauf folgt einer klaren operativen Logik. Rumänien hatte am 29. Mai mit Rheinmetall Naval Systems einen Vertrag über 920 Millionen Euro für vier Schiffe bis 2030 geschlossen, finanziert im europäischen SAFE-Programm. Mit der Werft sichert sich Rheinmetall also die Fertigungsbasis für einen bereits unterschriebenen Auftrag.
Das Risiko liegt im Gerichtssaal: Der unterlegene Bieter Damen hat Berufung eingelegt, verhandelt wird am 4. November. Damen hatte im September 2025 selbst vier Schiffe für 457 Millionen Euro angeboten und fordert nach dem Aus der Fregatte F126 zudem 4,7 Milliarden Euro von Deutschland.
Für Trader zählt der Chart mehr als der Rechtsstreit. Rheinmetall liegt seit Jahresbeginn 37 Prozent im Minus, auf zwölf Monate sind es 46 Prozent. Das 52-Wochen-Hoch von 1.965 Euro stammt vom 19. Januar, das Tief von 902,50 Euro vom 25. Juni.
Die Aktie hat sich seit Juni also knapp über dem Tief gehalten, ohne je nachhaltig über 1.000 Euro zu kommen. Ein Tagesschluss über 1.000 Euro wäre das erste echte Kaufsignal seit Monaten; unterhalb von 950 Euro, dem Tagestief vom Mittwoch, kippt das Bild wieder Richtung 902,50 Euro.
Während Rheinmetall an der 1.000-Euro-Marke scheitert, fließen in Europa über 800 Milliarden Euro in neue Schlüsselindustrien, von Verteidigung über Hightech bis zu Energie und Infrastruktur. Welche Unternehmen davon am stärksten profitieren, beleuchtet Analyst Volkmar Michler in seinem kostenlosen PDF-Sonderreport: Profiteure der europäischen Sicherheitsoffensive im Report nachlesen
SpaceX: Drosselungsvorwurf, Sabotage und ein Spektrum-Kauf
Bei SpaceX bewegt derzeit die Politik den Kurs, nicht die Technik. Die Ukraine wirft SpaceX vor, das militärische Starlink-Paket StarShield gedrosselt zu haben.
Präsidentenberater Beskrestnow meldete am heutigen Mittwoch den Abbruch mehrerer Kampfeinsätze; Drohnenmissionen seien gescheitert. Parallel häufen sich Sabotageakte: Nahe Sofia wurden am 9. Oktober elf von 17 Starlink-Antennen in Brand gesetzt, südlich von Warschau brannte bereits am 23. September ein Terminal.
Zwei mutmaßliche Täter wurden am Dienstag in Nürtingen festgenommen; Polens Regierung vermutet russische Geheimdienste. Polen zahlt laut Außenminister Sikorski rund 44 Millionen Euro jährlich für das Starlink der Ukraine.
Die SpaceX-Aktie reagiert verhalten und liegt bei rund 138 Euro, etwa 1,3 Prozent unter dem Vortag. Auf 30 Tage steht sie noch knapp 8 Prozent im Plus, bleibt aber weit unter dem Juni-Hoch von 194,46 Euro. Dazu kommt ein strategischer Schritt: SpaceX kauft von Grain Management landesweites Mobilfunkspektrum im 800-Megahertz-Band für Starlink Mobile in den USA.
Die Rechnung dafür ist schwer. Allein im zweiten Quartal 2026 hat SpaceX 18,4 Milliarden Dollar investiert, nach 10,1 Milliarden Dollar im ersten Quartal. Zusätzlich plant SpaceX 40 Milliarden Dollar Schulden für KI.
Unter dem Strich stand im zweiten Quartal ein berichteter Nettoverlust von 541 Millionen Dollar. Europäische Satellitenwerte legten am Mittwoch als Gegenreaktion auf die Ukraine-Entscheidung zu. Wer SpaceX hält, handelt derzeit weniger Raketen als politische Schlagzeilen.
Über 5,2 Prozent Rendite: GE Vernova, Siemens Energy und IonQ unter Druck
Die US-Inflation hat die Zinsfrage zurück auf den Tisch gelegt, und die Rechnung zahlen die teuren Wachstumswerte. Die US-Verbraucherpreise stiegen im September um 3,7 Prozent zum Vorjahr, die Kernrate um 2,6 Prozent, beides einen Zehntelpunkt über Erwartung.
Treiber war Benzin mit plus 9,1 Prozent im Monat. Die Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinserhöhung am 28. Oktober sprang von gut 20 auf rund 50 Prozent. Die Rendite zehnjähriger US-Anleihen liegt über 5,2 Prozent, der Euro fiel mit rund 1,11 Dollar auf das tiefste Niveau seit anderthalb Jahren.
Gold verlor 1,7 Prozent auf unter 4.100 Dollar, Silber über 4 Prozent. Auch Deutschland liefert Inflationsdruck: Die Großhandelspreise stiegen im September um 8,7 Prozent zum Vorjahr, der höchste Wert seit Anfang 2023.
Die Verlierer sitzen bei kapitalintensiven Wachstumswerten. GE Vernova fiel um 6,4 Prozent auf rund 940 Dollar, nachdem Susquehanna das Kursziel von 1.300 auf 1.270 Dollar gesenkt hatte. JPMorgan hatte Anfang Oktober bereits von 1.330 auf 1.150 Dollar gekürzt, beide Häuser bleiben positiv eingestuft.
Der Quartalsbericht von GE Vernova am 28. Oktober fällt damit auf den Tag der Fed-Entscheidung. Siemens Energy gab im Sog 5,4 Prozent auf 135,28 Euro nach.
IonQ verliert über 8 Prozent auf rund 28,50 Euro, nachdem Heights Kapital Management 2 Milliarden Dollar einschießt. Heights erhält 20,5 Millionen Aktien zu 40 Dollar plus vorfinanzierte Optionsscheine für weitere 29,5 Millionen Aktien.
Zusätzlich erhält Heights siebenjährige Optionsscheine auf 100 Millionen Aktien zu 69,46 Dollar. Dass die IonQ-Aktie trotz 15 Prozent Aufschlag beim Platzierungspreis fällt, zeigt: Der Markt rechnet die Verwässerung zuerst.
Solana: Alpenglow am 21. Oktober trifft auf die Zone 100 bis 105 Dollar
Solana hat einen festen Termin im Kalender, und der Kurs steht genau an der entscheidenden Unterstützung. Solana aktiviert am Mittwoch, 21. Oktober, um 16:50 Uhr MESZ das Konsens-Upgrade Alpenglow auf dem Hauptnetz.
Die Finalität einer Transaktion soll von rund 12,8 Sekunden auf etwa 150 Millisekunden sinken, weil Validatoren künftig außerhalb der Kette abstimmen. Gebühren und die Ausführungsumgebung bleiben unverändert.
Der Kurs liegt bei rund 104 Dollar, umgerechnet etwa 93 Euro, ein Minus von 2,7 Prozent zum Vortag. Damit testet SOL genau die Unterstützung zwischen 100 und 105 Dollar; der Widerstand liegt bei 125 Dollar, darüber öffnet sich der Weg zu 150 Dollar. Seit Jahresbeginn steht SOL 17 Prozent im Minus, das Tief von 60,13 Dollar stammt vom 6. Juni.
Gegenwind kommt aus einem Streit um die Treasury-Firma SkyAI. Großaktionär Bastion Trading wirft SkyAI vor, binnen eines Monats rund 70 Prozent seiner Solana-Bestände verkauft zu haben, von über 2 Millionen auf etwa 600.000 SOL. Bastion fordert eine Nachbesserung des Übernahmeangebots von 3,00 auf mindestens 3,50 Dollar je Aktie.
Bitcoin notiert bei rund 81.600 Dollar, umgerechnet etwa 73.400 Euro, nach einem Minus von 1,8 Prozent; die Unterstützung bei 81.000 bis 81.300 Dollar hält bislang. Bei Ether häufen sich Warnsignale: Die Börsenbestände stiegen auf ein Monatshoch von 14,93 Millionen ETH, mehrere Wale zahlten jeweils rund 25 Millionen Dollar bei Gemini und Kraken ein.
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Zweite Reihe: PNE, Kion und Telekoms Meta-Brille
In der zweiten Reihe entscheidet nicht die Prognose selbst, sondern was der Markt vorher eingepreist hatte. PNE bricht um 18,5 Prozent ein, nachdem der Windparkentwickler das operative Ergebnisziel auf 60 bis 75 Millionen Euro gekappt hat, zuvor waren 90 bis 120 Millionen Euro angepeilt.
Kion dagegen legt trotz gesenkter Jahresprognose 3,8 Prozent zu, der Markt hatte offenbar Schlimmeres eingepreist. Die Deutsche Telekom verkauft seit Dienstag die KI-Brille Meta Ray-Ban Display für 899 Euro ohne Vertrag; die Telekom-Aktie hält sich bei rund 25,30 Euro stabil. Meta selbst gibt nach dem 52-Wochen-Hoch vom Dienstag am Mittwoch rund 2,5 Prozent ab.
Für Hardware-Wallet-Nutzer wichtig: Ledger stoppt den Verkauf in sechs südostasiatischen Ländern und Hongkong, weil manipulierte Geräte mit Spionage-Implantat im Umlauf sind. Der Schaden wird auf 72 bis 86 Millionen Dollar geschätzt. Trezor kündigt zum 1. Januar 2027 die Verträge betroffener Wiederverkäufer.
Marschroute
Rheinmetall: 1.000 Euro ist der Trigger nach oben, 950 Euro die Stop-Zone, 902,50 Euro das Jahrestief. Solana: Ob die Zone von 100 bis 105 Dollar vor Alpenglow am 21. Oktober hält, entscheidet, ob 125 Dollar erreichbar wird.
Bitcoin: Unter 81.000 Dollar wird es hektisch, bei Ether mahnen die steigenden Börsenbestände zur Vorsicht. Termine: Fed und GE Vernova am 28. Oktober, Damen-Berufung am 4. November. Der Euro um 1,11 Dollar bleibt der Taktgeber für alles, was in Dollar bilanziert.
Gute Trades,
Ihr Andreas Sommer
Stand heute, 14. Oktober: Rheinmetall – Kaufen, halten oder verkaufen?
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