Liebe Traderinnen und Trader,
9,15 Prozent plus in einer einzigen Sitzung – das ist der stärkste Tagesgewinn, den SAP seit Langem gesehen hat. Und er kommt ausgerechnet einen Tag, nachdem die Aktie ein neues 52-Wochen-Tief markiert hatte. Solche Ausschläge kurz vor einem Notenbank-Termin sind kein Zufall, sie sind ein Stimmungsbarometer. Am Mittwoch entscheidet die Fed erstmals unter ihrem neuen Chef Kevin Warsh über die Zinsen, und die Reaktionen in Tech-Aktien wie in Kryptowährungen zeigen bereits jetzt, wie angespannt der Markt in diese Sitzung geht. Wer diese Woche handelt, sollte drei Dinge auf dem Schirm haben: die Gegenbewegung bei SAP, die Rotation von Bitcoin in Richtung Ethereum und Solana – und eine Handvoll Nebenwerte, bei denen Nachrichtenlage und Kursreaktion komplett auseinanderlaufen.
SAP kontert die Chip-Schwäche – doch die Erholung hat einen Vorbehalt
Der Sprung auf 140,80 Euro am Freitag ist mehr als eine technische Gegenbewegung. Er verschafft der Cloud-Software-Seite des Tech-Sektors relative Stärke, während Analysten für den Halbleiterbereich zunehmend vorsichtig werden. SAP bringt damit wieder 164,84 Milliarden Euro Marktkapitalisierung auf die Waage – und beweist, dass Softwarewerte anders auf das aktuelle Umfeld reagieren als Chip-Titel.
Genau hier setzt eine aktuelle Einschätzung des Bernecker-Instituts an: Das Korrekturrisiko im Tech-Sektor wird auf 25 bis 40 Prozent taxiert, die Konsolidierung dürfte sich über mehrere Monate hinziehen. Der DAX steht nach dem starken SAP-Tag über 25.000 Punkten, 2,49 Prozent im Plus seit Jahresanfang – der MDAX hat mit 3,9 Prozent sogar noch mehr Boden gutgemacht. Die Botschaft für Anleger: Breite schlägt Konzentration. Wer trotzdem auf Einzelwetten setzt, sollte laut dieser Einschätzung eher Richtung Autoindustrie schauen – Porsche gilt dort im Zuge des industriellen Umbaus als „spannendste Wette“, während der SDAX als Sammelbecken für risikofreudigere Positionen dient.
Während SAP die Chip-Schwäche kontert und Porsche im industriellen Umbau als „spannendste Wette“ gilt, zeigt sich: Deutsche Schwergewichte behaupten sich auch in volatilen Marktphasen erstaunlich gut. Ein kostenloser Report stellt drei deutsche Unternehmen aus Immobilien, Maschinenbau und Premium-Automobilsegment vor, die aktuell besonderes Renditepotenzial bieten sollen. Kostenlosen Report „3 deutsche Giganten“ sichern
Ethereum zieht an Bitcoin vorbei – ausgerechnet vor Warshs erster Sitzung
Während Bitcoin bei rund 64.700 Dollar in einer engen Spanne verharrt und damit weit unter seinem 52-Wochen-Hoch von 126.080 Dollar bleibt, hat Ethereum in den vergangenen 30 Tagen 22,26 Prozent zugelegt und steht bei rund 1.913 Dollar. Das ist die eigentliche Story der Woche im Kryptobereich: eine Rotation aus Bitcoin heraus in Altcoins, und das ausgerechnet vor der ersten Fed-Sitzung unter Kevin Warsh.
Solana fällt aus diesem Muster heraus und zeigt Schwäche – der Kurs notiert bei rund 75 Dollar, mit einem Boden bei 63 bis 65 Dollar und einer Hürde bei 77 Dollar. Bemerkenswert dabei: Die NYSE Arca hat einen Solana-Spot-ETF von Morgan Stanley genehmigt (Ticker MSOL, Gebühr 0,14 Prozent) – ein struktureller Nachfragefaktor, der bei einer Rückeroberung der 77-Dollar-Marke schnell für Auftrieb sorgen könnte.
Der Hintergrund für die gesamte Krypto-Bewegung bleibt restriktiv: Der Fed-Leitzins liegt bei 3,5 bis 3,75 Prozent, die zehnjährige US-Rendite bei 4,71 Prozent, und der Markt preist bis Oktober sogar eine weitere Zinserhöhung um 25 Basispunkte ein. Warsh hat sich zuletzt hawkish positioniert, ohne jedes Signal für Zinssenkungen – das ist Gift für risikoreiche Assets und erklärt, warum Trader gerade jetzt selektiver werden. Wer auf die Ethereum-Rotation setzt, wettet also gegen den geldpolitischen Grundton, nicht mit ihm.
Die Rotation von Bitcoin in Richtung Ethereum und Solana zeigt: Anleger suchen bereits jetzt nach den nächsten Gewinnern der Krypto-Welt, noch bevor die Fed-Sitzung am Mittwoch die Richtung vorgibt. Ein kostenloser Report nennt drei Kryptowährungen mit einem Wachstumspotenzial, das laut Anbieter sogar das von Gold übertreffen soll. Krypto-X Report jetzt gratis herunterladen
Deutsche Telekom: Die Erholung reicht nicht, um den Abwärtstrend zu brechen
Nach einer insgesamt schwachen Woche legte die Deutsche Telekom am Freitag um 1,54 Prozent auf 26,45 Euro zu. Anleger bleiben trotzdem vorsichtig, und das zu Recht: Der Titel notiert weiterhin 4,82 Prozent im Minus seit Jahresanfang und liegt deutlich unter seinem 52-Wochen-Hoch von 34,35 Euro, das Ende Februar erreicht wurde. Für ein DAX-Schwergewicht mit 126,42 Milliarden Euro Marktkapitalisierung ist das ein Warnsignal: Der defensive Charakter der Aktie schützt aktuell nicht vor spürbaren Verlusten – auf Zwölf-Monats-Sicht steht ein Minus von 17,14 Prozent zu Buche. Wer die Telekom als Depot-Anker nutzt, sollte den Freitags-Rebound nicht überbewerten, solange kein klarer Ausbruch über die vergangenen Hochs gelingt.
Waymo stellt Uber als Vertriebspartner infrage
Ein Bruchpunkt zeichnet sich im Robotaxi-Markt ab: Waymo prüft offenbar das Ende seiner Partnerschaft mit Uber in Austin und Atlanta. Der bestehende Vertrag läuft zwar noch bis Mai 2028, doch Waymo plant bereits ab Januar 2028, Fahrten über eine eigene App anzubieten. Streitpunkte sind Routenführung, Sauberkeit und Fahrzeugverfügbarkeit. Mit 3.800 Fahrzeugen in zehn Städten und einer frischen Kapitalaufnahme von 16 Milliarden Dollar bei einer Bewertung von 126 Milliarden Dollar zeigt der Konzern, dass er sich zutraut, ohne Uber als Vermittler auszukommen. Für Uber-Aktionäre ist das kein akutes, aber ein reales strategisches Risiko – eines, das sich erst über die kommenden Monate materialisieren dürfte, sobald sich die Fronten weiter verhärten.
Spekulative Ecke: Wenn Deal-News den Kursverfall nicht stoppen
Zwei Nebenwerte zeigen gerade, wie weit Nachrichtenlage und Kursreaktion auseinanderfallen können. ZenaTech vermeldete mit der Übernahme von Velocity Geomatics seinen 25. Zukauf und stärkt damit sein Öl- und Gas-Drohnengeschäft in einem Markt, der jährlich um 28,5 Prozent auf 2,3 Milliarden Dollar wächst. Trotzdem fiel die Aktie am Freitag um 5,4 Prozent auf 1,24 Euro und liegt damit 58,01 Prozent im Minus seit Jahresanfang.
NurExone Biologic hat über seine Tochter Exo-Top einen Mexiko-Deal mit ExoLyra im Wellness-Segment eingefädelt – Exklusivitätsgebühr 180.000 Dollar, Mindestinvestition 800.000 Dollar, Zielvolumen 20.000 Einheiten in 18 Monaten. Der Kurs fiel dennoch um 4,76 Prozent auf 0,30 Euro, nur einen Cent über dem 52-Wochen-Tief von 0,29 Euro, das erst vor eineinhalb Wochen markiert wurde. Beide Fälle sind ein Lehrstück: In diesem Marktumfeld reichen Deal-Meldungen allein nicht, um Verkaufsdruck zu stoppen.
Marschroute
- SAP: Der Freitags-Sprung auf 140,80 Euro ist ein Kontrapunkt zur Chip-Schwäche, aber kein Freibrief – das Korrekturrisiko im Tech-Sektor bleibt mit 25 bis 40 Prozent hoch angesetzt. Breite über Einzelwette, Blick auf Porsche und SDAX für risikofreudige Positionen.
- Ethereum/Solana: Ethereum bei rund 1.913 Dollar mit intaktem Momentum (+22,26 Prozent in 30 Tagen). Solana muss die 77-Dollar-Marke zurückerobern, um vom neuen Morgan-Stanley-ETF (MSOL) zu profitieren – der Boden liegt bei 63 bis 65 Dollar.
- Deutsche Telekom: Erholung auf 26,45 Euro nicht überbewerten, solange kein Ausbruch über die vergangenen Hochs gelingt. Der Abwärtstrend (-17,14 Prozent auf Jahressicht) ist intakt.
- ZenaTech/NurExone: Kein Kaufsignal trotz Deal-News. Wer hier spekuliert, braucht enge Stopps – der Verkaufsdruck hat sich durch die Nachrichten bislang nicht gedreht.
- Fed-Sitzung, Mittwoch: Der Ausgang entscheidet, ob die Ethereum-Rotation trägt, ob SAPs Rebound Substanz hat oder verpufft, und ob die Nebenwerte endlich einen Boden finden.
Das Wochenende neigt sich dem Ende zu, und die eigentliche Volatilität kommt erst noch: Mit der Fed-Entscheidung am Mittwoch steht der Termin an, der über alle fünf Themen dieser Ausgabe richten wird. Enge Stopps, klare Level im Kopf – und die Sitzung am Mittwochabend nicht verpassen.
Gute Trades, Ihr Andreas Sommer
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