Liebe Traderinnen und Trader,
die Rechnung für einen Frequenzkauf in Amerika landet heute in Bonn. SpaceX hat in den USA ein landesweites Niederfrequenz-Spektrum gekauft und will damit ein eigenes Mobilfunknetz aufbauen. Die Deutsche Telekom ist über ihre Tochter T-Mobile US der größte europäische Verlierer dieses Deals. Zum Wochenschluss liefert das zugleich das klarste Rebound-Setup des Tages, aber auch das riskanteste.
Deutsche Telekom: Alles hängt an 23,54 Euro
Die Telekom-Aktie hat ihren Puffer fast aufgebraucht. Die Deutsche Telekom liegt im Verlauf rund 8,5 Prozent tiefer bei 24,75 Euro, nach 27,04 Euro am Vortag. Damit fehlt nur noch gut ein Euro bis zum 52-Wochen-Tief von 23,54 Euro vom 30. Juni. Auslöser ist der Kauf des 800-MHz-Spektrums von Grain Management durch SpaceX, das damit Starlink Mobile zum vierten US-Netzbetreiber ausbauen kann.
T-Mobile US notiert zwölf Prozent tiefer bei 133,96 Euro und hat im Verlauf bei 133,00 Euro ein neues Jahrestief markiert. Verizon und AT&T stehen ebenfalls deutlich unter Druck. Auf der Gegenseite steigen die Funkturm-Betreiber: Crown Castle legt im Verlauf rund 14 Prozent zu, American Tower 7,6 Prozent, weil ein viertes Netz mehr Mietumsatz verspricht.
Die Analysten stehen geschlossen hinter SpaceX. Bernstein bestätigt „Outperform“ mit Kursziel 248 Dollar, RBC ebenfalls „Outperform“ mit 225 Dollar. Die SpaceX-Aktie notiert gut zwei Prozent fester bei 146,20 Euro, aber immer noch weit unter dem Juni-Hoch von 194,46 Euro.
Für Trader ist die Telekom jetzt eine Frage der Marke 23,54 Euro. Hält das Juni-Tief, ist der zweistellige Tagesverlust der Tochter ein Kandidat für eine Gegenbewegung nach einer Überreaktion. Bricht es, hat die Aktie seit Februar (34,35 Euro) ein Drittel verloren und wird zum fallenden Messer, das man nicht vor der T-Mobile-Berichtsreaktion anfasst.
Siemens Energy: Rückkauf läuft, RBC bleibt bei 200 Euro
Siemens Energy hat zwei Stützen, eine Bremse sitzt allerdings im Speichermarkt. Der Konzern hat bereits 1,2 Millionen eigene Aktien zurückgekauft, die Aktie steigt im Verlauf 3,1 Prozent auf 145,18 Euro. RBC-Analyst Mark Fielding bestätigt vor den Quartalszahlen „Outperform“ mit Kursziel 200 Euro und erwartet eine anhaltend positive Umsatzentwicklung. Das Hoch vom 24. April bei 195,38 Euro liegt damit praktisch auf dem Analystenziel.
Der Haken steckt in einer Analyse von Wood Mackenzie. Batteriespeicher mit vier Stunden Entladedauer liefern Strom in allen 43 untersuchten Märkten günstiger als neue Gasturbinen. In Deutschland sind 2026 Ausschreibungen über rund 9 Gigawatt geplant, am früheren Kernkraftwerk Grohnde ein Speicher mit 1,47 Gigawatt. Für Siemens Energy ist das keine Gefahr für den Auftragsbestand, aber eine Bremse für die Turbinen-Fantasie über 2030 hinaus.
Fielding zieht denselben Industrie-Optimismus durch die ganze Branche. Siemens bleibt bei RBC „Sector Perform“ mit Ziel 280 Euro, die Aktie steht bei 272,70 Euro. Schneider Electric steht auf „Outperform“ mit 320 Euro, Gea bekommt ein von 74 auf 76 Euro erhöhtes Ziel bei vollem Auftragsbuch.
Die These dahinter: Die Umsatzdynamik im Industriegütersektor dreht im dritten Quartal nach oben, und wer vor den Zahlen positioniert ist, kauft den Ausblick auf 2027 billiger als danach.
Banken: Sinkende Renditen, Berichtssaison ab Dienstag
Vor den US-Bankzahlen ist der Börsenbetreiber die sauberere Wette als die Bank. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen ist auf 3,47 Prozent gesunken, nach 3,65 Prozent in der Vorwoche, dem höchsten Stand seit 2008. Diese Entspannung ist der Grund, warum der DAX wieder über 25.000 Punkten steht.
Für Bankaktien hat der Zinsrückgang eine Kehrseite, denn die Deutsche Bank hat in 30 Tagen 14 Prozent verloren und notiert bei 30,02 Euro, nach einem Hoch von 35,84 Euro am 8. September. Der nächste Impuls kommt aus den USA.
Am Dienstag legen JPMorgan, Goldman Sachs und Citigroup Quartalszahlen vor, am Mittwoch folgen Morgan Stanley und Bank of America. Jefferies erwartet, dass die Nettozinserträge die Erwartungen treffen oder übertreffen. Bank of America liegt nach 11 Prozent Verlust in 30 Tagen bei 48,15 Euro.
Für den Tag der US-Inflationsdaten am Mittwoch rechnet die Commerzbank mit einem deutlichen Anstieg der Verbraucherpreise durch Benzin. Der Markt preist für die Fed-Sitzung am 28. Oktober nur rund 20 Prozent Zinserhöhungswahrscheinlichkeit, für Dezember aber über 80 Prozent.
Der klarste Profiteur dieser Gemengelage ist die Deutsche Börse. Die Deutsche Bank hebt das Kursziel für die Deutsche Börse von 305 auf 313 Euro und bleibt bei „Buy“, weil höhere Volatilität im Herbst direkt in die Handelsumsätze fließt. Wer Finanzwerte spielen will, kauft vor den US-Bankzahlen also eher den Betreiber als die Bank.
KI-Handel: Nach dem OpenAI-Schreck drehen Oracle und Lumentum
Der Ausverkauf im KI-Sektor war eine Bilanzierungsfrage, keine Nachfragefrage. OpenAI hat Investoren für September einen annualisierten Umsatz von 50 Milliarden Dollar genannt, statt der zuvor kursierenden 68 Milliarden brutto. Die Differenz entsteht, weil Umsätze der Cloud-Partner herausgerechnet werden. Das reichte am Donnerstag für den stärksten Nasdaq-Tagesverlust seit Mitte August.
Heute berichtet Bloomberg, OpenAI peile bis Jahresende mindestens 70 Milliarden Dollar annualisiert an. Parallel läuft eine Finanzierungsrunde über mindestens 30 Milliarden Dollar bei 1,4 Billionen Dollar Bewertung.
Oracle legt im Verlauf 4,9 Prozent auf 126,54 Euro zu, auch dank neuer KI-Produkte. Lumentum steigt 6 Prozent auf 991,40 Euro und markierte im Verlauf bei 1.014,80 Euro ein neues Jahreshoch, weil die optischen Komponenten bis Anfang 2029 ausverkauft sind.
Lumentum ist kein Einzelfall mehr, wenn es um plötzliche, zweistellige Kurssprünge in Tech-Werten geht – genau solche Bewegungen stehen im Zentrum des Live-Webinars „Tech-Aktien Trader: Scharfschützen-Trading“. Experte Bernd Wünsche zeigt dort am 11.10.2026 um 18:00 Uhr, wie sein Algorithmus Tech-Aktien vor außergewöhnlichen Kursbewegungen identifiziert – mit Lumentum als einem der bisherigen Beispiele für eine solche Vorab-Erkennung. Sie sehen live, nach welchen Kriterien der sogenannte Scharfschützen-Algorithmus arbeitet und welche Zahlen dahinterstehen. Im Anschluss erfahren Teilnehmer, wie sie bei der nächsten Eilmeldung mit konkreter Handlungsanweisung direkt dabei sein können. Wer sich für Tech-Werte wie Oracle oder Lumentum interessiert, bekommt hier einen Einblick in die Systematik hinter solchen Trades. Jetzt zum Webinar anmelden
Das Hardware-Fundament bleibt intakt. Samsung meldet einen Rekord-Betriebsgewinn von 107,4 Billionen Won für das dritte Quartal, umgerechnet rund 71 Milliarden Euro. TSMC steigerte den September-Umsatz um 54,6 Prozent zum Vorjahr.
Die Warnung kommt von Barclays. Microsoft, Alphabet, Amazon und Meta investierten im zweiten Quartal zusammen 165 Milliarden Dollar in Sachanlagen, danach blieben nur noch rund 6,7 Milliarden Dollar freier Cashflow. Apple kürzt laut Nikkei die Oktober-Aufträge für das iPhone 18 Pro und Pro Max um mindestens 15 Prozent wegen teurer Speicherchips.
Der Nasdaq 100 steht bei rund 30.840 Punkten, 500 Punkte unter dem Hoch vom 6. Oktober. Die Lücke schließt sich nur, wenn ASML am Mittwoch und TSMC am Donnerstag die Nachfragestory bestätigen.
Krypto: Starknet springt, ein Ether-Wal hängt am Hebel
Die interessanten Bewegungen laufen diesmal abseits von Bitcoin. Bitcoin liegt bei rund 82.800 Dollar leicht fester, die Trigger sitzen bei Ethereum und einem Nebenwert. Starknet (STRK) stieg binnen 24 Stunden über 30 Prozent auf über 0,07 Dollar, ein Neun-Monats-Hoch. Grund ist die Ankündigung, den Wechsel von einer Ethereum-Zweitschicht zu einer eigenen Basis-Blockchain mit vollständiger Quantenresistenz bis 2027 aktiv zu prüfen.
Bei Ether selbst herrscht Stress. Der Kurs fiel über Nacht auf 2.420 Dollar, das Verhältnis zu Bitcoin steht so tief wie seit August nicht mehr. Ein Großanleger auf Hyperliquid, der größten Handelsplattform für unbefristete Terminkontrakte, wurde mit 28.716 Ether im Wert von 69,69 Millionen Dollar zwangsliquidiert.
Dreißig Minuten später zahlte er zehn Millionen Dollar Sicherheit nach und kaufte 9.580 Ether zu 2.428 Dollar. Seine neuen Zwangsverkaufsmarken liegen bei 2.286 und 2.299 Dollar bei 13- bis 14-fachem Hebel.
Die Fondsflüsse bestätigen das Bild. US-Ether-ETFs verloren am Donnerstag 72,54 Millionen Dollar, der achte Abflusstag in Folge. Bitcoin-ETFs gaben 244 Millionen Dollar ab, über zwei Tage summieren sich die Abflüsse beider Kategorien auf rund 965 Millionen Dollar. Die Ether-Reserven von Binance fielen laut CryptoQuant auf ein Sechs-Monats-Tief bei rekordhohen Abhebungen.
Gegen den Strom stellt sich JPMorgan. 50 Milliarden Dollar sind 2026 bislang in Krypto geflossen, und die Bank sieht für das vierte Quartal Aufwärtsmomentum bei ETFs und Futures. XRP notiert nach zehn Prozent Wochenverlust bei 1,38 Dollar. Bitwise schließt seinen Dogecoin-ETF, letzter Handelstag ist der 14. Oktober.
Marschroute
Die Deutsche Telekom entscheidet sich an 23,54 Euro, dem Juni-Tief. T-Mobile US hat im Verlauf bei 133,00 Euro die neue Untergrenze gesetzt. Siemens Energy hat mit 145 Euro die Marke 150 im Blick, darüber ist bis zum April-Hoch bei 195 Euro Platz. Beim Nasdaq 100 ist 31.361 Punkte die Hürde, bei Ether sind 2.286 bis 2.299 Dollar die Zone, in der der nächste Zwangsverkauf fällig würde.
Volkswagen hat am Donnerstag bei 66,50 Euro ein Jahrestief markiert, UBS senkt das Ziel von 80 auf 70 Euro. Die Q3-Auslieferungen am Montag sind der erste Test. Termine: Dienstag JPMorgan, Goldman Sachs, Citigroup; Mittwoch US-Verbraucherpreise, ASML, Morgan Stanley, Bank of America; Donnerstag TSMC; Fed-Sitzung am 28. Oktober.
Bis zu den US-Zwischenwahlen am 3. November bleibt die Stimmung laut Helaba angespannt. Ölrücksetzer wie der aktuelle nach Trumps Verzicht auf Iran-Angriffe sind Handelsfenster, keine Trendwende.
Am Montag legt Volkswagen die Auslieferungen vor, bis dahin gehört das Wochenende Ihnen und nicht dem Orderbuch.
Gute Trades,
Ihr Andreas Sommer
Stand heute, 9. Oktober: Deutsche Telekom – Kaufen, halten oder verkaufen?
Wer in Deutsche Telekom investiert ist oder einen Einstieg prüft, sollte die Lage jetzt neu bewerten. Die Gratis-Analyse vom 9. Oktober gibt die klare Antwort – und zeigt, warum Abwarten gerade jetzt riskanter sein kann, als es wirkt.


