Liebe Leserinnen und Leser,
eigentlich hätte es eine Woche der Erleichterung werden sollen. Doch die zweiwöchige Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran entpuppt sich schon nach 48 Stunden als äußerst wackeliges Konstrukt. Israels Luftangriffe im Libanon, eine faktisch geschlossene Straße von Hormus und gegensätzliche Interpretationen des Abkommens halten die Märkte in Atem. Der DAX gab heute 1,1 Prozent nach – und Brent-Öl kletterte zurück auf knapp 99 Dollar. Heute schauen wir uns an, wer in diesem Umfeld verliert, wer überraschend profitiert, und warum Amazon ausgerechnet jetzt seine stärkste Karte ausspielt.
Die Waffenruhe, die keine ist
Der Satz von Irans Außenminister Abbas Araghtschi bringt die Lage auf den Punkt: „Entweder Waffenruhe oder Fortsetzung des Krieges via Israel. Sie können nicht beides haben.“ Gemeint ist die US-Position, die Angriffe Israels auf den Libanon nicht als Verstoß gegen das Abkommen zu werten – was Teheran naturgemäß anders sieht.
Für Anleger ist das mehr als ein diplomatischer Streit. Die Straße von Hormus bleibt de facto gesperrt. Lediglich zwei Tanker passierten die Meerenge seit Beginn der Waffenruhe, bevor der Iran den Verkehr erneut stoppte. Die Revolutionsgarde veröffentlichte eine Seekarte mit Minengefahr-Zonen, Schiffe werden auf Ausweichrouten umgeleitet. Und der Iran fordert laut Berichten bis zu zwei Millionen Dollar Durchfahrtsgebühr pro Supertanker – zahlbar in Kryptowährungen, um westliche Sanktionen zu umgehen. Das Krypto-Analyseunternehmen TRM Labs warnt, dass digitale Transaktionen außerhalb des US-Bankensystems kaum in Echtzeit zu stoppen seien.
Brent-Öl notiert wieder bei knapp 99 Dollar, WTI sogar kurz über 100. Für die energieabhängige deutsche Industrie bleibt das eine schwere Last. Bundeskanzler Merz dämpfte heute Hoffnungen auf schnelle Entlastungen – kurzfristige Entscheidungen seien nicht zu erwarten, auch wenn die Regierung „die hohen Kosten im Blick“ habe. Die Koalition ist sich bei möglichen Gegenmaßnahmen ohnehin noch nicht einig: Finanzminister Klingbeil plädiert für einen flexiblen Preisdeckel und eine Übergewinnsteuer, Merz und Wirtschaftsministerin Reiche lehnen beides ab.
Für Anleger, die in diesem Umfeld nicht nur defensiv reagieren, sondern gezielt auf die richtigen Profiteure setzen wollen, lohnt ein Blick auf das Live-Webinar „Vom Blackout zum Profit – So trotzen Sie dem globalen Energieschock mit bis zu +2.053 % Gewinn!“ am 12. April 2026 um 11:00 Uhr. Darin wird konkret analysiert, welche drei Unternehmen außerhalb der Krisenzone – darunter ein westlicher Ölförderer mit drei Jahrzehnten ununterbrochener Dividendenhistorie, ein Weltmarktführer für Energieinfrastruktur mit über 110 Milliarden Euro Auftragsbestand sowie ein norwegischer Gaslieferant, der 30 Prozent des europäischen Bedarfs kontrolliert – von der strukturellen Verknappung am Golf profitieren könnten. Die Analyse zeigt, warum diese Blockade kein kurzfristiges Problem ist, sondern einen dauerhaften Kapazitätsverlust bedeutet – und welche Marktpositionen sich daraus für Anleger ergeben. Jetzt kostenlos zum Live-Webinar anmelden
SAP unter Druck, Chemie als überraschender Gewinner
Während der Gesamtmarkt nachgab, verlief der heutige Handelstag alles andere als einheitlich. SAP war das schwächste DAX-Mitglied und verlor 6,8 Prozent. Der Kurssprung vom Vortag erwies sich als Strohfeuer. Die Sorge dahinter ist struktureller Natur: Anleger fürchten, dass KI-Systeme klassische Unternehmenssoftware langfristig verdrängen – ein Thema, das auch Salesforce und ServiceNow in den USA unter Druck setzt.
Auf der Gewinnerseite stachen Chemiewerte heraus. BASF, LANXESS und Evonik legten bis zu 2,6 Prozent zu. Die Logik dahinter ist zunächst überraschend: Analysten argumentieren, dass asiatische Produzenten chemischer Vorprodukte stärker unter der Hormus-Blockade leiden als europäische Hersteller. Letztere könnten kurzfristig Preise erhöhen und Marktanteile gewinnen. Ein klassischer Krisengewinner-Effekt, der sich in ähnlicher Form auch bei den Schweizer Defensivwerten Nestle, Roche und Novartis zeigte – der SMI schloss als einer der wenigen europäischen Indizes im Plus.
Lufthansa: Doppelter Gegenwind
Kein anderes DAX-Unternehmen verkörpert die aktuelle Gemengelage so deutlich wie Lufthansa. Die Aktie verlor heute 3,2 Prozent – nach einem Kurssprung von über zehn Prozent am Vortag. Zwei Faktoren treffen gleichzeitig: Der wieder gestiegene Ölpreis verteuert Kerosin erheblich, und die Kabinengewerkschaft UFO rief ihre Mitglieder für morgen zum Streik auf. Es ist bereits der dritte Arbeitskampf in diesem Jahr, nach zwei Pilotenstreikwellen im Februar und März.
Dabei läuft das Geschäft eigentlich gut. Weil die Konkurrenten vom Persischen Golf wegen des Konflikts weitgehend ausgefallen sind, verzeichnet Lufthansa eine Sonderkonjunktur auf Asien-Routen. Gleichzeitig brennt intern der Kittel: Die Regionaltochter Cityline soll nächstes Jahr ihren Betrieb einstellen, rund 800 Beschäftigte bangen um ihre Jobs. Einen schlechteren Zeitpunkt für einen Streik – der Konzern feiert gerade seinen 100. Jahrestag – hätte die UFO kaum wählen können. Passagiere sollten vor Reiseantritt morgen unbedingt ihren Flugstatus prüfen.
Amazon enthüllt sein KI-Geheimnis
Während Europa mit Geopolitik ringt, lieferte Amazon-Chef Andy Jassy heute eine der bemerkenswertesten Zahlen der Quartalssaison: AWS erzielt inzwischen einen annualisierten KI-Umsatz von mehr als 15 Milliarden Dollar – erstmals hat Amazon eine konkrete Zahl genannt. Das entspricht rund zehn Prozent des gesamten AWS-Volumens. Und laut Jassy wächst dieser Anteil schnell weiter, gebremst derzeit nur durch Kapazitätsengpässe.
Noch interessanter ist der Hinweis auf das Chip-Geschäft. Amazons eigene Chips – Graviton, Trainium, Nitro – erzielen einen annualisierten Umsatz von über 20 Milliarden Dollar, doppelt so viel wie noch zum Jahresende. Jassy deutete an, diese Chips künftig auch an externe Kunden zu verkaufen. Citron Research setzte daraufhin ein Kursziel von 300 Dollar. Cantor Fitzgerald erhöhte sein Ziel auf 260 Dollar. Von 46 Analysten empfehlen 43 die Aktie zum Kauf, das durchschnittliche Kursziel liegt bei 284 Dollar. Für deutsche Anleger mit Amazon-Position oder -Interesse: Das ist kein Hype, sondern erstmals belegbares Geschäft.
E-Autos: Tesla erholt sich, Mercedes schwächelt
Ein kurzer Blick auf die heimische Automobilbranche, die heute gemischt abschnitt. Tesla meldete für das erste Quartal 12.829 Neuzulassungen in Deutschland – Platz drei hinter VW und Skoda, aber deutlich erholt gegenüber dem Vorjahr, als der US-Konzern im Gesamtjahr nur auf Rang neun landete. Allein im März wurden 9.250 Fahrzeuge zugelassen, das Model Y war der meistverkaufte SUV des Monats. Der Gesamtmarkt für Elektroautos legte im März um 66 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu – befeuert durch die neue Bundesförderung von bis zu 6.000 Euro.
Mercedes-Benz dagegen kämpft mit dem China-Problem. Im ersten Quartal verkaufte der Konzern insgesamt sechs Prozent weniger Fahrzeuge als im Vorjahr, allein wegen schwacher Nachfrage aus der Volksrepublik. Außerhalb Chinas läuft es besser: plus fünf Prozent, getragen von den USA und Europa. Die Aktie verlor heute 2,1 Prozent. Barclays sieht derweil BYD auf dem Weg, seine globale Führungsposition gegenüber Tesla weiter auszubauen – in Europa überholte der chinesische Hersteller Tesla bereits im Januar und Februar dieses Jahres.
Krypto: Zwischen Euphorie-Kater und Stabilisierung
Der Krypto-Markt verdaute heute die geopolitische Unsicherheit spürbar. Die Gesamtmarktkapitalisierung sank um 1,4 Prozent auf 2,41 Billionen Dollar, das Handelsvolumen brach um 33 Prozent ein. Bitcoin hielt sich mit einem leichten Plus von 1,1 Prozent auf rund 71.600 Dollar noch am besten – Ethereum verlor 2,8 Prozent auf 2.165 Dollar, XRP und Dogecoin gaben jeweils rund drei Prozent nach.
Bemerkenswert ist ein Detail am Rande: Laut dem Krypto-Analyseunternehmen TRM Labs nutzt der Iran Kryptowährungen, um Durchfahrtsgebühren für die Straße von Hormus außerhalb des westlichen Bankensystems einzutreiben. Das ist ein ungewöhnlicher Einsatz digitaler Assets auf staatlicher Ebene – und ein Hinweis darauf, wie sich Krypto in geopolitische Konflikte einschreibt, weit jenseits der üblichen Retail-Spekulation. Der Fear-and-Greed-Index notiert bei 43 – neutral, nach einem Stand von 28 vor einer Woche. Die Stimmung hat sich stabilisiert, aber von Risikofreude ist man noch entfernt.
Ausblick: Morgen wird es konkret
Drei Dinge solltet ihr im Blick behalten. Erstens: Morgen früh werden die US-Verbraucherpreise für März veröffentlicht – die erste Inflationsmessung, die den vollen Ölpreisanstieg seit Kriegsbeginn abbildet. Fed-Protokolle zeigen bereits, dass mehrere Mitglieder steigende Inflationserwartungen sehen. Ein heißer Wert könnte Zinssenkungshoffnungen weiter begraben. Zweitens: Am Wochenende sollen in Islamabad erste Friedensverhandlungen zwischen den USA und dem Iran beginnen – Pakistan vermittelt. Wie belastbar diese Gespräche sind, wird die Börsenstimmung zu Wochenbeginn maßgeblich prägen. Drittens: Lufthansa-Passagiere sollten morgen früh ihren Flugstatus prüfen, bevor sie zum Flughafen fahren.
Das Sentiment-Bild bleibt gespalten: Privatanleger werden laut Deutscher Börse zunehmend bärischer, institutionelle Investoren halten ihre Positionen. Analyst Joachim Goldberg fasst es treffend zusammen: „Ein Freudensprung, aber keine Befreiung.“ Genau das beschreibt die aktuelle Lage – und erklärt, warum jeder Newsticker gerade so viel Gewicht hat.
Bis morgen,
Andreas Sommer


