Bei den Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern am Sonntag steht die politische Handlungsfähigkeit der Bundesregierung auf dem Spiel. Neue Umfragen sagen in beiden Bundesländern knappe Rennen voraus, während die CDU herbe Einbußen fürchten muss. Für Bundeskanzler Friedrich Merz verschärft sich die Lage dadurch merklich. Über seinen Verbleib im Kanzleramt wird bereits debattiert.
In Mecklenburg-Vorpommern hat die SPD nach einer Aufholjagd die Führung übernommen. Sie kommt in den jüngsten Befragungen auf 37 Prozent, während die AfD bei 36 Prozent liegt. Die CDU rutscht parallel dazu auf sechs Prozent ab und nähert sich bedrohlich der parlamentarischen Einzugshürde.
Ministerpräsidentin Manuela Schwesig profitiert im Nordosten von ihrer persönlichen Beliebtheit. Im Wahlkampf ging sie bewusst auf Distanz zur Bundespolitik und verzichtete auf prominente Unterstützung der Bundespartei. Da keine Partei mit der AfD zusammenarbeiten will, bleibt die Regierungsbildung in Schwerin dennoch rechnerisch herausfordernd.
Offenes Rennen um das Rote Rathaus
In Berlin verzeichnet die Linke den stärksten Zuspruch. Sie führt das Feld mit 22 Prozent an und liegt knapp vor der CDU, die 20 Prozent erreicht. Die AfD folgt mit 18 Prozent auf Rang drei.
Das regierende Bündnis aus CDU und SPD besitzt nach den aktuellen Zahlen keine eigene Mehrheit mehr. Für eine tragfähige Regierung führt der Weg daher an einer Dreier-Koalition kaum vorbei. Neben einem Linksbündnis unter Beteiligung von Grünen und SPD bleibt auch eine Dreierkonstellation mit der CDU im Gespräch.
Belastungsprobe für die Bundesregierung
Der doppelte Urnengang schließt ein dichtes Wahljahr ab. Bundeskanzler Merz geriet bereits nach dem schwachen Abschneiden seiner Partei in Sachsen-Anhalt am 6. September unter Druck. Sollte die CDU in beiden Ländern weiter an Rückhalt verlieren, dürfte die Debatte um seine Führung unmittelbar vor den fünf anstehenden Landtagswahlen im Jahr 2027 an Schärfe gewinnen.


