Der Wahlsieg der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen verschiebt die Machtverhältnisse in Washington und löst an den Weltmärkten spürbare Reaktionen aus. Anleger setzen darauf, dass die neue Mehrheit in beiden Kammern des Kongresses den Handlungsspielraum von Präsident Donald Trump einengt und den Weg für eine Beilegung des Kriegs im Nahen Osten bereitet. Die unmittelbare Folge sind deutlich nachgebende Energiepreise und sinkende Anleiherenditen.

Energiepreise sacken ab, Anleihen ziehen an

Rohöl der Sorte Brent verbilligte sich über Nacht spürbar und rutschte unter die Marke von 100 Dollar je Barrel. Am Donnerstagmorgen notierte der Preis zeitweise bei 93,50 Dollar. Damit summiert sich der Verlust im bisherigen Wochenverlauf auf rund 20 Prozent.

Hinter der Bewegung steht die Erwartung, dass der politische Druck auf die Regierung nach den Stimmverlusten zunimmt. Sowohl Trump als auch Vizepräsident JD Vance räumten ein, dass der Konflikt mit dem Iran zu den Niederlagen der Republikaner beigetragen hat. Marktteilnehmer gehen davon aus, dass eine diplomatische Lösung das Angebot auf den Energiemärkten entspannen und den weltweiten Preisdruck verringern würde.

Niedrigere Ölpreise dämpfen die Inflationssorgen und lösten sogleich Käufe am Rentenmarkt aus. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen fiel auf 4,87 Prozent, während zweijährige Papiere bei 4,56 Prozent notierten. Parallel dazu geriet die US-Währung unter Druck, wodurch der Euro mit 1,1273 Dollar ein neues Monatshoch erklomm.

Geteilte Reaktionen an den Aktienmärkten

An den Börsen fiel die Reaktion uneinheitlich aus. Der US-Leitindex S&P 500 schloss 1,6 Prozent fester, angetrieben von Kursgewinnen bei Aktien aus der Solarbranche.

In Asien dominierten hingegen Verluste im Technologiesektor. Der südkoreanische Leitindex verlor mehr als vier Prozent an Wert. Auslöser waren Erfolge von Kritikern des massiven Ausbaus von Rechenzentren, die bei den Wahlen in Texas und Georgia Sitze gewannen und nun strengere Regulierungen fordern könnten.

Blockaderisiko bei der US-Schuldenobergrenze

Die veränderten Mehrheiten bergen mittelfristig erhebliche Hürden für die US-Finanzen. Die Gesamtverschuldung der Vereinigten Staaten liegt mittlerweile bei über 40 Billionen Dollar. Ein geteilter Kongress erschwert künftige Haushaltsgesetze, während bereits am 11. Dezember die Frist für die Finanzierung der Bundesbehörden abläuft.

Sollten sich Republikaner und Demokraten vor dem Amtsantritt des neuen Kongresses im Januar nicht auf eine Anhebung der Kreditgrenze verständigen, droht eine langwierige Hängepartie bis zum Jahr 2027. Marktstrategen warnen für diesen Fall vor Herabstufungen der US-Bonität sowie vor Preverzerrungen und erhöhter Volatilität an den Geld- und Repomärkten.