Liebe Leserinnen und Leser,
gestern schrieb ich Ihnen, die Märkte sortierten sich entlang einer neuen Trennlinie – klassische Industrie auf der einen, digitale Assets auf der anderen Seite. Der Donnerstag hat eine dritte Dimension hinzugefügt: die Frage, ob die teuersten Aktien der Welt ihre Bewertung überhaupt noch rechtfertigen können.
40,44. So hoch steht das Shiller-KGV des S&P 500, berechnet auf Basis der inflationsbereinigten Gewinne der letzten zehn Jahre. Nur ein einziges Mal in 155 Jahren Börsengeschichte war dieser Wert höher. Eine solche Bewertung verlangt Perfektion: sinkende Zinsen, stabiles Wachstum, geopolitische Ruhe. Stattdessen kostet ein Barrel Brent wieder über 100 US-Dollar. Die Straße von Hormus, die gestern noch als „faktisch unpassierbar“ galt, hat sich weiter zugespitzt – der Iran hat drei Schiffe beschossen und zwei aufgebracht, während US-Präsident Trump Teheran nur noch wenige Tage für einen Friedensvorschlag einräumt. Die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen verharren bei 4,29 Prozent. Zinssenkungen der Fed verschieben sich um mindestens ein halbes Jahr.
Was wir erleben, ist eine Rotation mit Ansage: weg von hoch bewerteten Wachstumsversprechen, hin zu harten Zahlen.
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Der Riss im Software-Himmel
Wie schnell die Geduld der Investoren reißt, zeigt der Fall ServiceNow. Der Cloud-Spezialist verlor am Donnerstag rund 15 Prozent an Börsenwert – obwohl Umsatz und Gewinn im ersten Quartal über den Erwartungen lagen. Der Ausblick enttäuschte. Verzögerte Geschäftsabschlüsse im Nahen Osten kosteten wertvolle Basispunkte beim Wachstum.
Schwerer wiegt ein strukturelles Problem: Die Integration von KI-Übernahmen wie Armis drückt die operative Marge von 14,6 auf 13,3 Prozent. An der Wall Street wächst der Verdacht, dass Künstliche Intelligenz für traditionelle Software-Anbieter nicht nur ein teures Feature ist, sondern eine Bedrohung ihrer bisherigen Geschäftsmodelle.
Die Schockwellen erreichten umgehend Frankfurt. Ohne den Kursrutsch von 6,1 Prozent bei SAP – ausgelöst durch die ServiceNow-Zahlen – hätte der DAX am Donnerstag im Plus geschlossen. So rettete sich der deutsche Leitindex nach einem Test der 24.000-Punkte-Marke auf einen Schlussstand von 24.155 Punkten, ein Minus von 0,16 Prozent. Charttechniker blicken jetzt auf die Zone zwischen 23.000 und 23.250 Punkten. Und die Konjunkturdaten liefern keinen Trost: Der Einkaufsmanagerindex der Eurozone fiel auf 48,6 – erstmals seit über einem Jahr unter die Wachstumsschwelle von 50.
Teslas teure Roboter-Wette
Ein ähnliches Muster bei Tesla. Der Elektroautobauer übertraf mit 41 US-Cent Gewinn pro Aktie die Schätzungen, verfehlte aber die Umsatzprognosen. Die Aktie verlor knapp 7 Prozent.
Das eigentliche Problem steckt im Investitionsplan. Elon Musk schraubt die Kapitalausgaben für dieses Jahr auf 25 Milliarden US-Dollar hoch. Das Geld fließt in KI-Infrastruktur, Chip-Entwicklung und die Produktion des humanoiden Roboters Optimus. Im ersten Quartal erwirtschaftete Tesla noch 1,4 Milliarden Dollar freien Cashflow – doch der Finanzchef warnte bereits vor negativen Cashflows für den Rest des Jahres. Die Botschaft des Marktes ist eindeutig: Wer das automobile Kerngeschäft vernachlässigt und gleichzeitig Milliarden in Zukunftsprojekte steckt, muss liefern. Visionen allein reichen bei einem KGV dieser Größenordnung nicht mehr.
Kapitalströme unter Druck
Wo fließt das Geld hin, wenn Wachstumsaktien unter Beschuss geraten? Der starke US-Dollar, gestützt durch die geopolitische Lage, drückt selbst Gold leicht ins Minus – die Unze notiert bei 4.740 Dollar, wobei institutionelle Käufer das Niveau verteidigen.
Gestern hatte ich Sie gebeten, die 80.000-Dollar-Marke bei Bitcoin im Auge zu behalten. Der Kurs prallte knapp darunter ab und pendelt sich bei rund 78.000 Dollar ein. Die Zuflüsse in US-Spot-ETFs blieben am Mittwoch mit über 335 Millionen Dollar stark, doch der ganz große Ausbruch lässt auf sich warten. Die geopolitische Unsicherheit bremst – vorerst.
Blick nach Deutschland
Während die globalen Märkte um Bewertungsfragen ringen, kämpft Deutschland mit der Umsetzung. Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, hat Ermittlungsverfahren gegen 77 Netzbetreiber eingeleitet. Der Vorwurf: Kein einziger intelligenter Stromzähler verbaut, gesetzliche Fristen gerissen. Es drohen Zwangsgelder. In einem Land, das die Energiewende zum Staatsproject erklärt hat, ist das ein bezeichnendes Detail.
Parallel justiert die Politik an zwei Stellschrauben: Verteidigungsminister Boris Pistorius legte eine neue Militärstrategie vor, die eine Truppenstärke von 460.000 Männern und Frauen vorsieht, davon 200.000 Reservisten. Und Bundesfinanzminister Lars Klingbeil kündigte eine Steuerreform für 2027 an, die gezielt Einkommen bis 3.000 Euro brutto entlasten soll.
Was jetzt zählt
Die kommende Woche wird zur Bewährungsprobe. Apple, Microsoft und Meta öffnen ihre Bücher, und der Markt wird vor allem eine Frage stellen: Liefern die massiven KI-Investitionen messbare Renditen – oder verbrennen sie Cash? Bei einem Shiller-KGV von über 40, Ölpreisen jenseits der 100-Dollar-Marke und einer Eurozone, die in Richtung Stagnation driftet, gibt es für Enttäuschungen keinen Puffer mehr.
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Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag.
Herzlichst, Ihr Andreas Sommer


