Liebe Traderinnen und Trader,

Evonik markiert ein neues 52-Wochen-Hoch, obwohl BASF derzeit gar nicht verhandelt.

Der Markt handelt den Chemiekonzern längst als Übernahmeziel und nicht mehr nach seinen eigenen Zahlen. An einem Tag, an dem der DAX unter die 25.000-Punkte-Marke rutscht und Brent über 100 Dollar notiert, ist das eine seltene Gegenbewegung. Dazu kommen klare Marken bei den Rüstungswerten, eine Gewinnwarnung bei den Autozulieferern und ein Chefwechsel bei Fresenius Medical Care.

Evonik und BASF: Der Kurs wettet auf ein zweites Gebot

Wer Evonik heute kauft, kauft keine Chemie, sondern eine Verhandlungsposition. Die Ausgangslage: BASF hat vor knapp zwei Wochen eine unverbindliche Ansprache für ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für sämtliche Evonik-Aktien bekanntgegeben.

Genannt wird ein Preis von 22,15 Euro je Aktie. Berichten zufolge wies Evonik eine Offerte im Volumen von rund 10,3 Milliarden Euro als zu niedrig zurück. BASF selbst nennt den Ausgang offen, Gespräche finden derzeit nicht statt.

Evonik stieg im Verlauf auf 21,26 Euro, ein neues 52-Wochen-Hoch, und notiert aktuell bei 20,92 Euro. Seit Jahresbeginn hat Evonik 57 Prozent zugelegt, allein in den vergangenen 30 Tagen 15 Prozent. Der Börsenwert liegt bei 9,6 Milliarden Euro, BASF bringt knapp 44 Milliarden Euro auf die Waage.

Jetzt wird es interessant. Die Kursziele der Analysten reichen von 14 bis 22 Euro, selbst das obere Ende liegt damit nur knapp über dem aktuellen Kurs. Evonik notiert also weit über dem, was die Fundamentaldaten tragen, und zugleich unter dem genannten Angebotspreis. Wer hier long ist, setzt nicht auf das operative Geschäft von Evonik, sondern darauf, dass BASF nachbessern muss, weil ein 43-Prozent-Aktionär im Weg steht.

Genau dieser Aktionär macht es jetzt politisch. Die RAG-Stiftung hält 43 Prozent und finanziert mit der Evonik-Dividende die Folgekosten des Steinkohlebergbaus. Für das Geschäftsjahr 2025 zahlte Evonik im Juni 1,00 Euro je Aktie. Die IGBCE-Spitze um Michael Vassiliadis warnt in einem Brief an die Betriebsräte vor Schnellschüssen und verlangt Standort- und Beschäftigungszusagen.

Vassiliadis sitzt zugleich im BASF-Aufsichtsrat und im RAG-Kuratorium. Wer an so vielen Tischen sitzt, hat es selten eilig. Die NRW-SPD brachte diese Woche sogar eine Landesbeteiligung ins Spiel. Das verlängert den Prozess, hält aber die Tür für eine höhere Offerte offen.

Das Setup ist sauber definiert. Oberhalb von 21,26 Euro ist der Weg bis zum genannten Angebotspreis von 22,15 Euro frei. Darüber trägt nur eine Nachbesserung. Fällt Evonik unter den gestrigen Schluss von 20,86 Euro, bröckelt die Prämie, dann wird das untere Ende der Analystenspanne zum echten Risiko.

Bemerkenswert ist die Reaktion beim Bieter. BASF legt 1,4 Prozent auf 51,68 Euro zu, der Markt fürchtet also keinen überteuerten Deal. BASF notiert über der 200-Tage-Linie bei 49,76 Euro, der nächste Widerstand liegt bei 52,70 Euro. Quartalszahlen kommen am 28. Oktober.

Ganz anders die Lage beim dritten Chemiewert. Lanxess fällt 2,9 Prozent auf 12,59 Euro. Nach einem weiteren Quartalsverlust fehlt dort jede Übernahmefantasie, das Jahrestief von 11,04 Euro rückt wieder näher.

Rheinmetall: Der Boden am Jahrestief hält zum zweiten Mal

Rheinmetall hat im Tagesverlauf erneut die Zone um sein 52-Wochen-Tief getestet und gehalten. Das Tagestief lag bei 910,10 Euro, das Jahrestief vom 25. Juni bei 902,50 Euro. Aktuell notiert Rheinmetall bei 933,60 Euro und damit 0,8 Prozent fester, als einer der wenigen DAX-Gewinner.

Belastend bleibt die Sorge, dass das Portfolio zu stark auf konventionelle Kriegsführung und zu wenig auf Drohnenabwehr und Raketen setzt. Seit Jahresbeginn hat Rheinmetall 40 Prozent verloren, das Hoch vom 19. Januar lag bei 1.965 Euro.

Ein erneut erfolgreicher Test derselben Zone ist für Trader die beste Ausgangslage seit Monaten. Das Risiko ist mit einer Absicherung knapp unter 900 Euro eng begrenzt. Zugleich zeigt die Dividendenschätzung von 21,47 Euro für 2026 nach 11,50 Euro für 2025, wie viel Ertragswachstum der Markt derzeit nicht mehr bezahlt. Zahlen gibt es am 5. November.

Hensoldt hält sich bei 74,62 Euro deutlich über dem Juni-Tief von 63,12 Euro. Jefferies bestätigte am Dienstag das Kaufvotum, Goldman Sachs bleibt bei Neutral. Operativer Treiber bleibt die am 4. Oktober in Kyjiw unterzeichnete Absichtserklärung über Weitbereichsradare, die Zahlen folgen ebenfalls am 5. November.

Auch in der zweiten Reihe bewegt sich etwas. Die Bundeswehr vergibt neue Aufträge: Vier Fregatten von TKMS für 5,3 Milliarden Euro. SMAG aus Salzgitter stellte sich heute auf einer Investorenkonferenz mit mobilen Antennenmasten für den Militärmarkt vor.

Zulieferer: Bernsteins Upgrade gegen OPmobilitys Warnung

Im Zuliefersektor schlägt eine Gewinnwarnung jedes gute Argument. OPmobility hat den Jahresausblick gekürzt und streicht 770 Stellen in Deutschland und Frankreich.

OPmobility verliert im Verlauf 13 Prozent auf 9,87 Euro und markiert ein 52-Wochen-Tief. Aumovio zieht es im MDAX fast 9 Prozent auf 34,15 Euro nach unten, Kunde Stellantis gab mittags 3,5 Prozent nach.

Continental fällt im Verlauf 3,8 Prozent auf 67,76 Euro, obwohl Bernstein die Aktie von Market-Perform auf Outperform hebt. Das Kursziel steigt von 74 auf 82 Euro, die Analysten erwarten bis 2027 das branchenweit beste Ergebnis- und Cashflow-Profil. In einem Sektorausverkauf hilft ein Upgrade am ersten Tag nicht, aber genau dieser Abstand zum Ziel ist das Setup, wenn der Verkaufsdruck nachlässt.

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Bei den Lkw-Herstellern zeigt sich, dass gute Zahlen allein nicht reichen. Daimler Truck liefert ein Absatzplus von 26 Prozent auf 91.260 Fahrzeuge im dritten Quartal, in Nordamerika mehr als 50 Prozent.

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Auch bei Continental wartet der Markt gerade darauf, dass sich der Abstand zum Kursziel auszahlt, sobald der Verkaufsdruck nachlässt. Genau solche klar definierten Zielmarken stehen im Zentrum des Live-Webinars „Tech-Aktien Trader: Scharfschützen-Trading“ am 11.10.2026 um 18:00 Uhr. Bernd Wünsche öffnet darin erstmals die Funktionsweise seines Scharfschützen-Algorithmus, der Tech-Aktien vor größeren Kurssprüngen identifiziert. Sie sehen die komplette Kalibrierung hinter früheren Treffern wie Lam Research oder Lumentum, auf welcher Datenbasis die Einstiegsmarken berechnet werden und welche Kriterien ein Wertpapier erfüllen muss, bevor der Algorithmus ein Ziel ausgibt. Jetzt kostenlos zum Webinar anmelden

RBC bestätigt Outperform mit Ziel 63 Euro, Daimler Truck tritt bei 40,56 Euro trotzdem auf der Stelle. Traton verliert 1,6 Prozent auf 32,70 Euro und berichtet am 28. Oktober.

Fresenius Medical Care: Neuer Chef, alte Prognose

Der Chefwechsel bei FMC trifft die falsche Aktie. Fresenius Medical Care ersetzt Chefin Giza zum 12. Oktober durch Shervin Korangy. Bernstein belässt FMC auf Market-Perform mit Kursziel 44,65 Euro und sieht die Prognose für 2026 unverändert.

FMC gibt 1,3 Prozent auf 36,83 Euro nach, Großaktionär Fresenius verliert mit 3,3 Prozent auf 41,70 Euro deutlich mehr. Der Markt bestraft also die Unsicherheit beim Mutterkonzern härter als die Tochter selbst, obwohl die Zahlenbasis unverändert bleibt. Für FMC bleibt das Mai-Tief von 34,58 Euro die Marke, die halten muss.

Krypto: Bitcoin rutscht unter 81.300 Dollar

Der Druck auf Bitcoin kommt aus den ETFs, nicht aus Washington. Bitcoin fällt um 2,9 Prozent auf knapp 81.000 Dollar, rund 72.300 Euro. Die Unterstützung bei 81.300 Dollar, die Bitfinex als kritisch bezeichnete, ist damit unterschritten. Auslöser sind Abflüsse aus US-Spot-ETFs von 485 Millionen Dollar am Mittwoch, der stärkste Abzug seit Juni, davon 208 Millionen Dollar bei BlackRocks IBIT.

Die US-Regierung verschob zudem 9.261 Bitcoin im Wert von 770 Millionen Dollar an Coinbase Prime. Ein Verkauf ist das nicht: Die Verfügung vom März 2025 verbietet den Verkauf der Reserve, erlaubt aber gerichtlich angeordnete Rückgaben an Opfer.

Die Altcoins trifft es härter. Ether verliert 5,5 Prozent auf 2.433 Dollar, XRP 4,9 Prozent auf 1,35 Dollar. Die nächsten Marken bei Bitcoin liegen bei 80.000 Dollar und am 100-Wochen-Durchschnitt bei 78.800 Dollar. FxPro warnt bei erzwungenen Verkäufen vor 76.000 oder 72.000 Dollar.

Der Widerstand sitzt bei 86.500 Dollar, Citi hält dennoch an 113.000 Dollar auf zwölf Monate fest. Dass die SEC gerade dreifach gehebelte Bitcoin- und Ether-Produkte an der Cboe zugelassen hat, erhöht in dieser Lage eher das Liquidationsrisiko als die Nachfrage.

Marschroute

Evonik: 21,26 Euro ist der Ausbruchspunkt, 22,15 Euro der genannte Angebotspreis, unter 20,86 Euro wird es ungemütlich. BASF: 49,76 Euro stützt, 52,70 Euro bremst. Rheinmetall: Absicherung unter 902,50 Euro, das Tagestief bei 910 Euro ist die erste Marke. Hensoldt: 63,12 Euro bleibt die Linie im Sand.

Continental: 82 Euro ist das neue Bernstein-Ziel, 77,28 Euro das Jahreshoch. Bitcoin: 80.000 und 78.800 Dollar nach unten, 86.500 Dollar nach oben. Termine: Chefwechsel bei FMC am 12. Oktober, BASF und Traton berichten am 28. Oktober, Rheinmetall und Hensoldt am 5. November.

Gute Trades,

Ihr Andreas Sommer