Hohe Treibstoffpreise vor den anstehenden US-Kongresswahlen und ein spürbarer Schwenk im Weißen Haus belasten das Verhältnis zwischen Washington und Kiew schwer. Während US-Präsident Donald Trump Sanktionen gegen Moskau lockert, um die heimischen Benzinmärkte zu entlasten, stockt die militärische Unterstützung für die Ukraine. Ein Treffen in Oslo sollte die festgefahrene Diplomatie wieder in Bewegung bringen.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj traf in der norwegischen Hauptstadt mit dem US-Sondergesandten Steve Witkoff zusammen. An den Gesprächen nahmen auch Norwegens Regierungschef Jonas Gahr Støre und der finnische Präsident Alexander Stubb teil, während Trumps Schwiegersohn Jared Kushner zugeschaltet war. Witkoff soll mögliche Ergebnisse im Anschluss nach Moskau tragen, wo die russische Führung bereits Verhandlungsbereitschaft signalisierte.
Treibstoffpreise prägen Washingtons Kurs
Hinter den diplomatischen Spannungen steht vor allem die Energiepolitik der US-Regierung. Vor den Kongresswahlen am 3. November leidet die US-Wirtschaft unter hohen Treibstoffkosten, die nach US-Militärschlägen gegen den Iran angezogen hatten. Trump vereinbarte daher Vereinbarungen mit Moskau über Dieselimporte und setzte geplante Verschärfungen von Sanktionen außer Kraft.
Parallel dazu verschärfte Washington den Druck auf Kiew. Kiew beklagt, dass Lieferungen von Flugabwehrraketen ausbleiben, Warnungen vor russischen Raketenstarts fehlen und das Satellitennetzwerk Starshield bei Drohneneinsätzen eingeschränkt wurde. US-Außenminister Marco Rubio räumte ein, dass von europäischen Staaten finanzierte Flugabwehrraketen Kiew womöglich noch nicht erreicht hätten, wies den Vorwurf einer gezielten Schwächung jedoch zurück. Auch US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hat die jüngste Tranche gekaufter US-Waffen noch nicht freigegeben.
Differenzen über Verhandlungen
Der Ton zwischen den bisherigen Partnern hat sich deutlich abgekühlt. Trump bezeichnete Selenskyj öffentlich als wenig hilfreich für Friedensgespräche und forderte personelle Konsequenzen in Kiews Verhandlungsteam. Kiew wiederum warf Washington vor, mit dem Entgegenkommen gegenüber Moskau den Widerstand gegen die russischen Angriffe zu untergraben.
Gegenwärtig richtet das Weiße Haus den Blick bereits über den Regionalkonflikt hinaus. Trump brachte ein Dreiertreffen mit Wladimir Putin und Chinas Staatschef Xi Jinping ins Spiel, bei dem es um nukleare Abrüstung und die Ukraine gehen soll. Als möglicher Rahmen gilt der Gipfel der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft im November im chinesischen Shenzhen, für den Moskau bereits Zustimmung signalisiert hat.


