Weltmärkte jonglieren mit Zinsschocks

Australiens Notenbank wendet sich überraschend von der Zinssenkung ab, während Gold und Silber historische Kursverluste verzeichnen. Der US-Dollar profitiert von robusten Wirtschaftsdaten.

Weltmärkte jonglieren mit Zinsschocks
Kurz & knapp:
  • Australien kündigt Zinserhöhungen nach starken Inflationsdaten an
  • Gold und Silber erleben historische Tagesverluste
  • US-Dollar gewinnt durch positive Konjunkturindikatoren
  • Asiatische Aktienmärkte zeigen sich nach Turbulenzen erholt

Die globalen Finanzmärkte zeigen sich zunehmend nervös: Während Australiens Notenbank nach starken Inflationsdaten erstmals seit zwei Jahren die Zinswende einläutet, kämpfen Edelmetalle mit historischen Kurseinbrüchen – und der Dollar profitiert von überraschend robusten US-Wirtschaftsdaten. Ein Blick auf die Verwerfungen, die derzeit durch die internationalen Börsen gehen.

Australien dreht die Zinsschraube wieder an

Die Reserve Bank of Australia macht Ernst: Nach drei Zinssenkungen im vergangenen Jahr sieht sich die Notenbank nun gezwungen, den Kurs dramatisch zu ändern. Die aktualisierte Prognose rechnet mit einer Anhebung um 60 Basispunkte im laufenden Jahr 2026 – eine bemerkenswerte Kehrtwende. Für die heutige Sitzung erwarten Marktteilnehmer einen ersten Zinsschritt um 25 Basispunkte auf 3,85%.

Der Grund: Die australische Wirtschaft läuft heißer als erwartet. Das Wachstum bis Juni dürfte nun 2,1% erreichen, getrieben von stärkerem Konsum, Investitionen in Wohnimmobilien und Unternehmensausgaben. Die Kerninflation soll von aktuell 3,4% auf 3,7% bis Mitte 2026 steigen – und selbst bis Mitte 2028 nur auf 2,6% fallen, womit sie weiterhin über dem Zielpunkt der Notenbank von 2-3% liegt. „Einige Indikatoren deuten darauf hin, dass die Finanzierungsbedingungen inzwischen etwas akkommodierend sein könnten“, räumt die RBA ein – ein drastischer Wandel gegenüber November, als man noch von restriktiven Bedingungen ausging.

Der australische Dollar reagierte mit Stärke: Er legte auf 0,6965 US-Dollar zu und setzte damit seinen Aufwärtstrend fort, nachdem er im Januar den stärksten monatlichen Zuwachs seit drei Jahren verzeichnete. Die heimischen Aktien stiegen um 1,3%, während Investoren die Auswirkungen der Zinserhöhungen verdauten.

Gold und Silber: Wenn Bullen ins Straucheln geraten

Doch nicht alle Märkte zeigen sich derzeit von ihrer stabilen Seite. Gold und Silber erlebten Ende Januar eine beispiellose Achterbahnfahrt: Am 30. Januar stürzte der Goldpreis um fast 10% ab – der stärkste Tagesrückgang seit 1983. Das Edelmetall durchbrach dabei die erst vor wenigen Tagen erreichte historische Marke von 5.000 Dollar je Unze und löschte einen Großteil der Jahresgewinne aus. Silber traf es noch härter: Mit einem Minus von 27% an einem einzigen Tag und 34% über zwei Handelssitzungen verzeichnete es den größten Absturz seiner Geschichte.

Auslöser war Donald Trumps Nominierung von Kevin Warsh als designiertem Fed-Chef. Warsh gilt als Befürworter einer schrittweisen Bilanzreduzierung der Notenbank, was die Anleiherenditen nach oben treiben würde – Gift für Edelmetalle, die keine Zinsen abwerfen. Die CME Group verschärfte die Situation zusätzlich durch erhöhte Margin-Anforderungen für Edelmetall-Futures, was zu einer massiven Zwangsliquidierung gehebelte Positionen führte.

„Es war eine Bereinigung der Hebelwirkung im System, die sich aufgebaut hatte“, analysiert Christopher Forbes von CMC Markets die Turbulenzen. „Die größere Frage ist wirklich, welches Schmerzlevel die Gold- und Silber-Abwicklung tatsächlich erreicht… ich bin nicht sicher, ob alle es geschafft haben.“

Trotz der dramatischen Korrekturen bleiben Analysten erstaunlich optimistisch. „Obwohl der Fall groß und schnell war, sollte man sich daran erinnern, dass wir derzeit auf dem gleichen Niveau wie vor drei Wochen stehen“, ordnet Ross Norman, unabhängiger Analyst, die Bewegung ein. UBS erwartet für Gold später im Jahr ein neues Rekordhoch über 6.200 Dollar je Unze, JP Morgan setzt sogar auf 6.300 Dollar bis Jahresende. Die Deutsche Bank bekräftigte ihre Prognose von 6.000 Dollar.

Dollar auf dem Vormarsch

Während Edelmetalle korrigieren, profitiert der Dollar von positiven Konjunkturdaten. US-Fabrikaktivität wuchs im Januar erstmals seit einem Jahr, wie die ISM-Daten zeigten. Der Dollar-Index hielt sich bei 97,50, nachdem er zuvor zwei Tage in Folge zugelegt hatte. Die Zinserwartungen haben sich verschoben: Märkte preisen für 2026 noch zwei Fed-Zinssenkungen ein – weniger als zuvor angenommen.

Zusätzlichen Auftrieb erhielt die US-Währung durch geopolitische Entspannung: Trump verkündete ein Handelsabkommen mit Indien, das Zölle auf indische Waren drastisch senkt im Austausch gegen einen Stopp indischer Ölkäufe aus Russland. Zudem sollen am Freitag in der Türkei Atomgespräche zwischen den USA und Iran wieder aufgenommen werden – ein Zeichen sinkender Spannungen. Der Ölpreis reagierte prompt und fiel um 6% auf 66,30 Dollar je Barrel.

Asiatische Märkte: Erholung nach Turbulenzen

Die asiatischen Börsen zeigten sich am Dienstag erholt. Japans Nikkei sprang um 2,5% nach oben und machte die Verluste vom Montag wett, während Südkoreas KOSPI sogar 4% zulegte. Die Futures für den S&P 500 deuteten auf eine Fortsetzung der Erholung hin, getragen von Chipherstellern und KI-Unternehmen – obwohl Disney-Aktien nachbörslich um 7,4% einbrachen, nachdem der Unterhaltungskonzern vor rückläufigen internationalen Besucherzahlen in US-Themenparks warnte.

Der japanische Yen gab hingegen nach und handelte bei 155,54 je Dollar. Finanzministerin Satsuki Katayama versuchte, Kommentare von Premierministerin Sanae Takaichi zu relativieren, die Vorteile eines schwächeren Yen hervorgehoben hatte. Vor den Wahlen am 8. Februar verkaufen Investoren japanische Staatsanleihen und den Yen in Erwartung einer expansiveren Fiskalpolitik, sollte Takaichi ein starkes Mandat erhalten.

Was Investoren jetzt wissen müssen

Die kommenden Tage dürften weitere Richtungsentscheidungen bringen: Neben der australischen Notenbank stehen am Donnerstag die Europäische Zentralbank und die Bank of England mit Zinsentscheiden an, von denen allerdings keine Änderungen erwartet werden. Der wahre Test für die Märkte wird sein, ob sich die Gold- und Silberpreise nachhaltig stabilisieren können oder ob weitere Zwangsliquidationen bevorstehen.

„Es ist viel zu früh zu sagen, dass Gold einen Boden gefunden hat“, warnt Fawad Razaqzada, Marktanalyst bei City Index. Die Volatilität dürfte in den kommenden Wochen erhöht bleiben – besonders wenn sich die Zinserwartungen für die großen Notenbanken weiter verschieben. Für Anleger bedeutet das: Schnallen Sie sich an. Die Fahrt geht weiter.

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Mit über fünfzehn Jahren Erfahrung als Wirtschaftsjournalist hat sich Felix Baarz als Experte für internationale Finanzmärkte etabliert. Seine Leidenschaft gilt den Mechanismen globaler Finanzmärkte und komplexen wirtschaftspolitischen Zusammenhängen, die er für seine Leserschaft verständlich aufbereitet.In Köln geboren und aufgewachsen, entdeckte er früh sein Interesse für Wirtschaftsthemen und internationale Entwicklungen. Nach seinem Studium startete er als Wirtschaftsredakteur bei einer renommierten deutschen Fachpublikation, bevor ihn sein Weg ins Ausland führte.Ein prägendes Kapitel seiner Karriere waren die sechs Jahre in New York, wo er direkten Einblick in die globale Finanzwelt erhielt. Die Berichterstattung von der Wall Street und über weltweite wirtschaftspolitische Entscheidungen schärfte seinen Blick für globale Zusammenhänge.Heute ist Felix Baarz als freier Journalist für führende Wirtschafts- und Finanzmedien im deutschsprachigen Raum tätig. Seine Arbeit zeichnet sich durch fundierte Recherchen und präzise Analysen aus. Er möchte nicht nur Fakten präsentieren, sondern auch deren Bedeutung erklären und seinen Lesern Orientierung bieten – sei es zu wirtschaftlichen Trends, politischen Entscheidungen oder langfristigen Veränderungen in der Finanzwelt.Zusätzlich moderiert er Diskussionen und nimmt an Expertenrunden teil, um sein Wissen einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Dabei liegt sein Fokus darauf, komplexe Themen informativ und inspirierend zu vermitteln. Felix Baarz versteht seine journalistische Aufgabe darin, in einer sich schnell wandelnden Welt einen klaren Blick auf wirtschaftliche Zusammenhänge zu ermöglichen und seine Leser bei fundierten Entscheidungen zu unterstützen – beruflich wie privat.