Wenn der Ölpreis alles überschattet – die Lehren einer brutalen Börsenwoche

Der DAX fällt auf den tiefsten Stand seit einem Jahr, angetrieben durch den Iran-Krieg und explodierende Energiepreise. Nur wenige Werte wie Heidelberg Materials und Commerzbank trotzen dem Abwärtstrend.

Wenn der Ölpreis alles überschattet – die Lehren einer brutalen Börsenwoche
Kurz & knapp:
  • DAX verliert über elf Prozent seit Kriegsbeginn
  • Brent-Öl notiert bei über 100 Dollar je Barrel
  • Heidelberg Materials und Commerzbank als Gewinner
  • Tesla kämpft mit FSD-Zulassung und US-Untersuchung

Liebe Leserinnen und Leser,

vier Wochen Iran-Krieg, Brent-Öl auf über 100 Dollar, ein DAX mit mehr als elf Prozent Minus seit Kriegsbeginn – und heute Abend steht die Frage im Raum, ob das erst der Anfang war. Diese Woche hat an den Märkten Spuren hinterlassen, die sich so schnell nicht verwischen. Der Leitindex schloss heute bei 22.380 Punkten, dem tiefsten Stand seit April 2025. Was das bedeutet, warum ausgerechnet Heidelberg Materials und Commerzbank gegen den Strom schwammen, und was Bitcoin bei knapp 70.000 Dollar mit alldem zu tun hat – das nehmen wir heute auseinander.

Der Iran-Krieg als Marktarchitekt

Kein Unternehmensquartalsbericht, keine Notenbanksitzung, keine Konjunkturzahl – das alles spielt dieser Tage eine Nebenrolle. Das Einzige, was zählt, ist Öl. Und Öl ist teuer. Brent notiert um die 109 Dollar je Barrel, nachdem der Preis zwischenzeitlich auf über 119 Dollar gestiegen war – ausgelöst durch israelische Angriffe auf ein iranisches Gasfeld und Gegenschläge auf Energieinfrastruktur in der Region. Die Straße von Hormuz ist faktisch blockiert, und Qatar meldet, dass seine Exportkapazität für Flüssiggas um 17 Prozent gesunken ist – mit bis zu fünf Jahren Reparaturzeit.

Was das konkret bedeutet: Energiepreise bleiben hoch, die Inflation steigt, und Notenbanken weltweit sehen sich gezwungen, den Rotstift an Zinssenkungspläne zu setzen. Die EZB ließ den Einlagenzins heute bei 2 Prozent, signalisierte aber über Bundesbankpräsident Nagel, dass im April eine Zinserhöhung denkbar sei. Die Fed hält bei 3,75 Prozent – und Jerome Powell machte klar, dass Zinssenkungen vorerst vom Tisch sind. Das Ergebnis: Anleiherenditen steigen, Aktien verlieren, der Dollar legt zu.

Ein DAX in freiem Fall – mit zwei Ausnahmen

Fast kein einziger DAX-Wert blieb heute verschont. Vonovia verlor 10,6 Prozent, Scout24 9,4 Prozent, MTU Aero Engines 8,1 Prozent. SAP brach um fast acht Prozent ein – der Softwarekonzern leidet gleich doppelt: unter dem allgemeinen Marktdruck und unter anhaltenden Sorgen, dass KI-Systeme klassische Softwaremodelle verdrängen könnten. Auf Wochensicht steht der DAX mit minus 4,55 Prozent da.

Zwei Titel stachen heraus. Heidelberg Materials gewann 6,4 Prozent – der Baustoffkonzern gilt als möglicher Profiteur des Wiederaufbaus im Nahen Osten, sobald die Kampfhandlungen enden. Und Commerzbank legte 2,5 Prozent zu. Banken profitieren tendenziell von steigenden Zinsen, weil ihre Margen wachsen. In einem Umfeld, in dem alle anderen flüchten, ist das bemerkenswert.

Anzeige: Passend zu dieser Entwicklung möchte ich auf eine Trading-Strategie hinweisen, die Chefanalyst Carsten Müller speziell für volatile Marktphasen entwickelt hat. Sein Cash-Alarm-System identifiziert technische Ausbrüche mit Volumenbestätigung und fundamentalem Auslöser – und erzielte in der Vergangenheit bei Heidelberg Materials +72,1% sowie bei der Commerzbank +51,2% Gewinn. Zweimal pro Woche liefert Müller konkrete Kauf- und Verkaufssignale, unabhängig davon, ob die Märkte steigen oder fallen. Den ersten Trade erhalten Sie im Rahmen der laufenden Cash-Rallye kostenlos. Mehr zur Cash-Alarm-Strategie von Carsten Müller

Interessant war auch das Börsendebüt des Rüstungszulieferers Vincorion: Der erste Kurs lag bei 19,30 Euro, der Ausgabepreis war 17 Euro. Zum Handelsschluss notierte die Aktie bei 18,70 Euro – kein triumphaler Start, aber angesichts des Marktumfelds ein respektables Ergebnis.

Infineon und Elmos: Zwei Halbleiter-Geschichten

Während der breite Markt abrutschte, gab es im Chip-Sektor zwei gegenläufige Impulse. JPMorgan stufte Infineon heute auf „Overweight“ hoch und hob das Kursziel von 40 auf 48 Euro an. Analyst Sandeep Deshpande sieht den Münchner Konzern als einen der größten Nutznießer des enormen Energiebedarfs durch KI-Rechenzentren. Infineon liefert Lösungen für Energieeffizienz in eben diesen Anlagen – ein Markt, der strukturell wächst, unabhängig vom Ölpreis. Die Aktie legte rund 4,5 Prozent zu, obwohl sie seit Kriegsbeginn noch immer rund 20 Prozent im Minus liegt.

Elmos Semiconductor schoss um mehr als acht Prozent nach oben. Reuters berichtete, dass die Gründer einen Ausstieg prüfen und Morgan Stanley als Berater für einen möglichen Verkauf engagiert haben. Als potenzielle Käufer werden Infineon und Qualcomm gehandelt. Der Chipzulieferer für die Automobilindustrie ist an der Börse rund 2,5 Milliarden Euro wert – kein Kleinbetrag, aber für einen großen Halbleiterkonzern durchaus verdaulich.

Bayer: Wenn Analysten plötzlich alle dieselbe Richtung sehen

Vier Häuser, eine Botschaft. Oddo BHF stufte Bayer heute auf „Buy“ hoch und hob das Kursziel von 39,80 auf 55 Euro an. UBS folgte mit einer Anhebung von 48 auf 52 Euro und ebenfalls einem „Buy“. Goldman Sachs behielt sein „Buy“ mit Kursziel 54 Euro. Barclays blieb bei „Overweight“ mit 48 Euro. Der Tenor: Die US-Rechtsstreitigkeiten rund um Glyphosat könnten sich dem Ende nähern, die Pharma-Sparte gewinnt Kontur, und positive Studiendaten zum Medikament Kerendia sorgen für Rückenwind.

Trotzdem verlor die Aktie heute leicht. Das ist kein Widerspruch – in einem Markt, der von geopolitischer Angst getrieben wird, haben selbst gute Fundamentaldaten einen schweren Stand. Wer Bayer schon länger auf dem Radar hat, könnte das als Hinweis werten, dass die Substanz da ist – der Zeitpunkt aber noch nicht stimmt.

Tesla: Zwei Fronten gleichzeitig

Tesla kämpft gerade an zwei Schauplätzen. In Europa meldete das Unternehmen, dass die niederländische Zulassungsbehörde RDW bis zum 10. April über die Genehmigung für das Full Self-Driving System (FSD) entscheiden soll – drei Wochen später als ursprünglich geplant. Eine Genehmigung in den Niederlanden würde den Weg für eine EU-weite Einführung im Sommer 2026 ebnen. Barclays-Analyst Dan Levy wertet das als positives Signal, weil andere EU-Länder die niederländische Zulassung anerkennen können.

Gleichzeitig eskalierte die US-Behörde NHTSA ihre Untersuchung von 3,2 Millionen Tesla-Fahrzeugen mit FSD wegen möglicher Probleme bei schlechten Sichtverhältnissen. Die Kritik ist nicht neu: Konkurrenten wie Waymo setzen zusätzlich auf Laser-Radar-Systeme, Tesla beharrt auf dem reinen Kamera-Ansatz. Die Aktie verlor heute knapp ein Prozent auf 376,52 Dollar. Und dann war da noch die Meldung, dass Tesla Solarausrüstung im Wert von 2,9 Milliarden Dollar von chinesischen Herstellern kaufen will – für 100 Gigawatt Solarkapazität in den USA bis 2028. Elon Musk will Solarenergie groß machen, während sein ehemaliger Arbeitgeber Trump auf Öl und Gas setzt. Das bleibt ein merkwürdiger Widerspruch.

Bitcoin: Ruhig, aber nicht immun

Bitcoin notierte heute um die 70.000 Dollar – leicht im Minus, aber vergleichsweise stabil. Gold hingegen brach um fast zwei Prozent ein und steuert auf den größten Wochenverlust seit sechs Jahren zu. Der Grund: Steigende Anleiherenditen und ein stärkerer Dollar machen das zinslose Edelmetall unattraktiv. Bitcoin verhält sich in diesem Umfeld anders – es ist kein klassischer Safe-Haven, aber auch kein reines Risikopapier mehr. Für Anleger, die beide Assets im Blick behalten, ist die Divergenz dieser Woche ein Datenpunkt, der sich merken lässt.

Die Krypto-Börse Gemini legte derweil ihre Q4-Zahlen vor. Das Fazit: Umsatz von 60,3 Millionen Dollar übertraf die Erwartungen, der Verlust je Aktie von 1,22 Dollar verfehlte die Prognosen deutlich. Die Winklevoss-Brüder haben Gemini radikal umgebaut – Rückzug aus UK, EU und Australien, 30 Prozent Personalabbau, Fokus auf den US-Markt. Die Story dahinter: weg vom reinen Krypto-Trading, hin zu einer Finanz-Superapp mit Kreditkarte, Prediction Markets und bald US-Aktien. Ob das aufgeht, bleibt offen.

Ausblick: Die nächste Woche entscheidet nichts – aber alles

Nächste Woche stehen die Einkaufsmanager-Indizes für Europa auf dem Programm, am Mittwoch folgt der Ifo-Geschäftsklimaindex. Angesichts des Kriegs und der explodierenden Energiepreise wäre ein deutlicher Rückgang der Erwartungskomponente keine Überraschung. Spannender ist die Frage, wie Unternehmen die aktuelle Lage beurteilen – ein unerwartet stabiles Urteil wäre tatsächlich ein kleines Hoffnungszeichen.

Solange der Ölpreis auf diesem Niveau bleibt und die Straße von Hormuz blockiert ist, bleibt das Marktumfeld schwierig. Die gute Nachricht: Institutionelle Anleger sitzen auf hohen Cash-Beständen. Sobald sich geopolitische Entspannung abzeichnet – ein Waffenstillstand, ein Rückgang der Ölpreise – dürfte dieses Kapital schnell zurück in die Märkte fließen. Der Aufschwung, wenn er kommt, könnte überraschend scharf sein.

Bis dahin gilt: Ruhe bewahren, selektiv bleiben, und die Qualitätsunternehmen im Blick behalten, die in diesem Sturm ihre Substanz beweisen.

Auf eine ruhigere Woche,

Andreas Sommer

Über Andreas Sommer 2329 Artikel

Über mich: Erfahrung für Ihren Anlageerfolg

Als Finanzanalyst und Börsenjournalist beschäftige ich mich seit über vier Jahrzehnten intensiv mit den Finanzmärkten. Meine Spezialisierung liegt auf der Analyse wachstumsstarker Aktien und der Entwicklung von Anlagestrategien, die fundamentale Bewertung mit technischer Analyse kombinieren.

Ein zentraler Aspekt ist das Timing („Timing is Money“), denn Risikobegrenzung ist essenziell („Vermeiden ist besser als Verlieren!“). Mein Ziel ist es, Ihnen klare Orientierung in dynamischen Märkten zu bieten.

Mein Weg an die Börse: Vom Bankberater zum Analysten

Meine Faszination für die Finanzmärkte entwickelte sich schon früh. Wichtige Stationen meines Weges sind:

  • Bankwesen: Über zehn Jahre Erfahrung als Wertpapierberater bei der Deutschen Bank legten den Grundstein im Kundengeschäft.
  • Wendepunkt 1987: Der Börsencrash weckte mein tiefes Interesse an der technischen Analyse als wichtiges Instrument zur Risikosteuerung.
  • Finanzjournalismus: Als Finanzredakteur und Chefredakteur für Börsenpublikationen vertiefte ich meine Marktkenntnisse.
  • Strategieentwicklung: Über die Jahre entwickelte ich meinen heutigen ganzheitlichen Ansatz, der Fundamentaldaten und Charttechnik systematisch verbindet.

Meine Arbeit: Analysen, Strategien und Einblicke

Meine Expertise und meine Anlagestrategien teile ich auf verschiedenen Wegen:

  • Buch "Die Wachstumsaktien-Strategie": In diesem Buch (VNR Verlag) stelle ich praxisnah meine Methode zur Auswahl von Wachstumsaktien und zur Kombination von Fundamentalanalyse und Timing vor.
  • Markt-Barometer: Ein selbst entwickeltes Tool, das wöchentlich das Börsenklima anhand globaler Indikatoren einschätzt und bei der Risikosteuerung hilft.
  • Einblicke teilen: Meine Marktmeinung zu Aktien, Gold, Krypto und Rohstoffen teile ich regelmäßig bei Auftritten auf Finanzmessen (z.B. Invest Stuttgart), in Fachmedien (z.B. Börsen Radio Network) und auf meinem YouTube-Kanal „Chartanalyse-Trends“.

Unabhängigkeit und Transparenz sind die Grundlage meiner Arbeit.

Mein Ziel: Ihr Navigator im Finanzmarkt

Ich möchte Anlegern – ob Einsteiger oder Profi – klare, fundierte und umsetzbare Strategien an die Hand geben. Mit meinen Analysen und Werkzeugen helfe ich Ihnen, sich im oft komplexen Finanzmarkt zurechtzufinden und erfolgreich zu investieren.