Der Baustoffkonzern Wienerberger hat am vergangenen Mittwoch seine Bilanz für das zweite Quartal und das erste Halbjahr 2026 vorgelegt. Während der Umsatz dank strategischer Zukäufe zulegte, spürte das Unternehmen operativen Gegenwind durch die Schwäche im Wohnungsbau. Inmitten dieser herausfordernden Marktphase und eines kurzfristigen Wechsels an der Konzernspitze bekräftigte das Management seine Ziele für das laufende Geschäftsjahr.
Akquisitionen stützen den Konzernumsatz
Im zweiten Quartal 2026 steigerte Wienerberger den Konzernumsatz um 13 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro. Dieser Zuwachs beruhte zu 7 Prozent auf organischem Wachstum, während weitere 6 Prozent auf Akquisitionen zurückzuführen waren.
Trotz der positiven Umsatzentwicklung sank das operative EBITDA im gleichen Zeitraum auf 230 Millionen Euro. Als wesentliche Belastungsfaktoren nannte das Unternehmen eine rückläufige Nachfrage im Wohnungsneubau, die insbesondere die Kernmärkte in Nordamerika und Großbritannien betraf.
Medienberichten zufolge verwies die Wiener Börse bereits im Vorfeld der Veröffentlichung auf die fortschreitende Transformation des Unternehmens. Wienerberger arbeitet daran, die Abhängigkeit von zyklischen Neubauprojekten zu verringern.
Der Fokus verschiebt sich dabei zunehmend auf weniger schwankungsanfällige Bereiche wie Infrastrukturlösungen und den Renovierungssektor. Trotz der konjunkturellen Eintrübung in wichtigen Teilmärkten bleibt der Ausblick für das Gesamtjahr stabil: Das Unternehmen erwartet weiterhin ein operatives EBITDA in der Größenordnung von 700 Millionen Euro.
Führungswechsel und Analysteneinschätzung
Die Berichterstattung zum Halbjahr wurde von einer personellen Veränderung an der Unternehmensspitze begleitet. Am Montag dieser Woche gab Wienerberger bekannt, dass der Vorstandsvorsitzende Heimo Scheuch sein Amt aus gesundheitlichen Gründen mit sofortiger Wirkung niedergelegt hat.
Der Aufsichtsrat ernannte Gerhard Hanke zum Interim-CEO und leitete zeitgleich den Prozess zur Suche nach einer permanenten Nachfolge ein. Dieser Schritt soll die Kontinuität in der operativen Führung während der laufenden Markttransformation sicherstellen.
Analysten bewerten die Lage des Baustoffherstellers vor dem Hintergrund der Immobilienkrise vorsichtig. Die Experten der UBS senkten am 29. Juli ihr Kursziel für die Aktie auf 18,00 Euro. Zur Begründung verwiesen sie primär auf die bestehenden Ergebnisrisiken im nordamerikanischen Wohnungsbausegment, das für den Konzern eine wichtige Ertragssäule darstellt.
An der Börse spiegelt sich die Skepsis der Investoren im bisherigen Jahresverlauf deutlich wider. Die Aktie beendete den Handel am Freitag bei 20,88 Euro. Damit verzeichnet das Papier seit Jahresbeginn ein Minus von 32 Prozent.
Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch, das im August des vergangenen Jahres bei 33,26 Euro markiert wurde, hat sich damit auf 37 Prozent ausgeweitet. Angesichts der bestätigten Jahresprognose setzt das Unternehmen nun darauf, dass die Diversifikationsstrategie die Marktschwäche im zweiten Halbjahr weiter abfedern kann.
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