Wienerberger kommt nicht aus der Defensive. Die Aktie des Baustoffkonzerns notiert vorbörslich bei 20,24 Euro und bleibt damit deutlich unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 21,74 Euro. Zwischen enttäuschenden Halbjahreszahlen, einem überraschenden Chefwechsel und auffälligen Insiderkäufen sortiert sich das Bild für Anleger derzeit neu.

Schwächere Profitabilität trotz Umsatzplus

Der Konzernumsatz kletterte im zweiten Quartal um 13 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro, nach 1,2 Milliarden Euro im Vorjahresquartal. Das organische Wachstum lag bei 7 Prozent, Akquisitionen trugen weitere 6 Prozentpunkte bei.

Unter dem Strich blieb davon jedoch weniger übrig: Das operative EBITDA sank auf 230 Millionen Euro, verglichen mit 253 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Die operative EBITDA-Marge rutschte von 20,3 Prozent auf 16,3 Prozent.

Als Hauptgründe nannte das Unternehmen eine schwächer als erwartete Wohnungsneubautätigkeit, insbesondere in Nordamerika und Großbritannien, sowie eine erhöhte Kosteninflation infolge geopolitischer Konflikte. Das Ergebnis je Aktie fiel von 0,93 Euro auf 0,28 Euro, der freie Cashflow ging von 124 Millionen Euro auf 83 Millionen Euro zurück.

Die Nettoverschuldung stieg zum 30. Juni auf 2,4 Milliarden Euro, nach 2,0 Milliarden Euro ein Jahr zuvor. Für das Gesamtjahr 2026 hält Wienerberger an einer Guidance von 700 Millionen Euro operativem EBITDA fest.

Führungswechsel an der Konzernspitze

Vor rund zwei Wochen hatte Heimo Scheuch nach mehr als 17 Jahren als CEO aus gesundheitlichen Gründen mit sofortiger Wirkung seinen Rücktritt erklärt. Seither hat die Aktie rund 5,7 Prozent verloren.

Interimistisch übernahm Gerhard Hanke, der seit über 25 Jahren im Unternehmen ist, von 2021 bis 2025 als CFO fungierte und seit März 2025 als COO für die Region Zentral- und Osteuropa verantwortlich zeichnet. Seit Juni 2026 war er bereits stellvertretender CEO.

Diese personelle Kontinuität scheint der neue Interims-Chef selbst zu unterstreichen: Laut einer Pflichtmitteilung kaufte Hanke am 13. August Wienerberger-Aktien. Wenige Tage später, am 20. August, folgte Aufsichtsratsvorsitzender Peter Steiner mit einem eigenen Aktienkauf.

Solche Insiderkäufe im Umfeld eines Führungswechsels gelten am Markt üblicherweise als Signal für Vertrauen in die mittelfristige Entwicklung des Unternehmens, auch wenn sie den kurzfristigen Kursdruck bislang nicht umkehren konnten.

Kurs nahe am Jahrestief

Der Aktienkurs war Mitte August auf ein neues Dreijahrestief gefallen, wie Medienberichten zufolge berichtet wurde. Aktuell liegt das 52-Wochen-Tief bei 19,00 Euro, vom aktuellen Niveau trennen die Aktie damit noch 6,5 Prozent nach oben. Zum 52-Wochen-Hoch von 31,34 Euro, erreicht Anfang Januar, beträgt der Abstand 35 Prozent – ein Ausmaß, das die schwierige Lage der Baubranche in Nordamerika und Großbritannien widerspiegelt.

Strukturell bleibt Wienerberger auf Infrastruktur- und Renovierungsmärkte fokussiert, die zusammen über 60 Prozent des Konzernumsatzes ausmachen. Zukäufe wie die Übernahme des Dachspezialisten Terreal 2024 und die Akquisition von Italcer sollten das Portfolio verbreitern, konnten die operative Schwäche im Neubaugeschäft aber bislang nicht kompensieren.

Für Anleger bleibt entscheidend, ob die neue Führung unter Hanke die Profitabilität stabilisieren kann, während die Guidance von 700 Millionen Euro operativem EBITDA für das Gesamtjahr weiterhin als Messlatte gilt.