Wienerberger steckt mitten im Umbruch. Nach dem überraschenden Rücktritt von CEO Heimo Scheuch am 10. August übernahm Gerhard Hanke interimistisch die Konzernführung. Der Baustoffkonzern sucht nun nach einem dauerhaften Nachfolger, während das Unternehmen gleichzeitig eine gesenkte Ergebnisprognose verdauen muss.

Umsatzplus bei sinkender Profitabilität

Für das zweite Quartal 2026 meldete Wienerberger einen Konzernumsatz von 1,4 Milliarden Euro, ein Plus von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das operative EBITDA sank im gleichen Zeitraum jedoch auf 230 Millionen Euro.

Für das Gesamtjahr 2026 stellte das Unternehmen ein operatives EBITDA von rund 700 Millionen Euro in Aussicht. Nach eigenen Angaben sieht sich Wienerberger vor allem in den Bereichen Infrastruktur und Renovierung robust positioniert – Segmente, die das Unternehmen als weniger konjunkturabhängig einstuft.

Der Kurs reagierte auf die Nachrichtenlage der vergangenen Wochen deutlich: Am Freitag schloss die Aktie bei 19,29 Euro, ein Minus von 1,5 Prozent auf Tagessicht. Seit Jahresbeginn steht damit ein Rückgang von 37 Prozent zu Buche – ein Ausmaß, das den Führungswechsel und die gedämpften Ergebniszahlen widerspiegelt.

Insider kaufen auf niedrigem Niveau

Bemerkenswert ist das Verhalten der eigenen Führungsriege inmitten der Turbulenzen. Interims-CEO Gerhard Hanke meldete am 13. August eine Pflichtmitteilung über eine Board-Transaktion – einen Aktienkauf. Wenige Tage später, am 20. August, erwarb auch Peter Steiner 2.000 Aktien zu je 19,24 Euro. Beide Transaktionen wurden von Wienerberger als Pflichtmitteilungen veröffentlicht.

Solche Käufe von Führungskräften und Aufsichtsräten gelten häufig als Signal, dass das Management den aktuellen Kurs für unangemessen niedrig hält. Angesichts des Abstands zum 52-Wochen-Hoch von 32,48 Euro, das erst Ende August vergangenen Jahres erreicht wurde, liegt die Aktie derzeit rund 41 Prozent darunter – ein Niveau, das die Insider offenbar als Einstiegschance werten.

Analysten bleiben zurückhaltend

Oddo BHF senkte am 17. August das Kursziel für Wienerberger und beließ das Rating bei Neutral. Die Einschätzung fiel damit in eine Phase intensiver Unternehmensnachrichten rund um den CEO-Wechsel und die Quartalszahlen.

Ruhe nach dem Sturm

Seit den Ereignissen um Führungswechsel, Quartalszahlen und Insider-Käufe ist es um Wienerberger zuletzt ruhiger geworden. In den vergangenen zwei Wochen gab es keine neuen regulatorischen Maßnahmen, keine Auftrags- oder Deal-Meldungen und keine weiteren relevanten Unternehmensmitteilungen.

Für Anleger bedeutet das: Die Aufmerksamkeit richtet sich nun auf die Suche nach einem dauerhaften CEO-Nachfolger sowie darauf, ob das Unternehmen die für das Gesamtjahr in Aussicht gestellte EBITDA-Marke von 700 Millionen Euro tatsächlich erreicht.

Die Insider-Käufe knapp über der 19-Euro-Marke setzen zumindest ein Signal, dass Teile des Managements dem aktuellen Kursniveau Vertrauen entgegenbringen – während der Markt insgesamt noch abwartet, wie sich die Führungskrise und die operative Entwicklung weiter auswirken.