Wienerberger durchlebt einen turbulenten Sommer. Zum gesundheitsbedingten Rücktritt von CEO Heimo Scheuch gesellt sich ein Aktienkurs, der seit Jahresbeginn deutlich unter Druck steht – ein Umfeld, das den Baustoffkonzern derzeit in mehrfacher Hinsicht fordert.

Führungswechsel an der Spitze

Am 10. August teilte Wienerberger per Ad-hoc-Mitteilung mit, dass Heimo Scheuch aus gesundheitlichen Gründen als Vorstandsvorsitzender zurücktritt. Als interimistischer CEO übernimmt Gerhard Hanke, bislang Vorstandsmitglied des Unternehmens.

Der Wechsel kam für den Kapitalmarkt überraschend und fiel zeitlich mit der Vorlage der Halbjahreszahlen zusammen: Nur zwei Tage später, am 12. August, legte der Baustoffkonzern seine Ergebnisse für das erste Halbjahr 2026 vor, in denen das Unternehmen den strategischen Fokus auf Infrastruktur- und Renovierungsgeschäft betonte.

Bemerkenswert: Kurz nach dem Führungswechsel meldeten sowohl der neue interimistische CEO Gerhard Hanke als auch Aufsichtsratsmitglied Peter Steiner Eigengeschäfte – Hanke am 13. August, Steiner am 20. August. Solche Insider-Käufe im direkten Umfeld eines CEO-Wechsels werden von Marktbeobachtern häufig als Vertrauenssignal gewertet, auch wenn Wienerberger selbst keine Einordnung dazu lieferte.

Kurs unter Druck, Bewertung am Boden

Der Aktienkurs spiegelt die angespannte Lage wider: Zum Wochenschluss am Freitag notierte das Papier bei 19,25 Euro, nachdem es seit Jahresbeginn rund 37 Prozent an Wert verloren hat. Damit bewegt sich die Aktie nur noch wenige Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief von 18,47 Euro, das erst am 3. September markiert wurde – ein Zeichen dafür, wie sehr der Titel zuletzt unter Verkaufsdruck stand.

Diese Kursschwäche blieb auch bei Analysten nicht ohne Reaktion. Raiffeisen Research senkte am 31. August das Kursziel für Wienerberger deutlich von 28,0 auf 21,0 Euro, hielt aber an der Kaufempfehlung fest.

Begründet wurde der Schritt mit dem seit Jahresbeginn stark gefallenen Kurs, der die Bewertungskennzahlen des Unternehmens historisch günstig erscheinen lasse. Automatisierte Bewertungsmodelle zogen ebenfalls nach unten nach und siedelten den fairen Wert der Aktie zuletzt niedriger an als zuvor.

Index-Ausschluss verschärft das Bild

Zur fundamentalen Schwäche gesellt sich technischer Gegenwind: STOXX kündigte an, Wienerberger aus dem STOXX Europe 600 zu streichen, mit Wirksamkeit zum 21. September. Ein solcher Ausschluss zieht in der Regel automatische Verkäufe durch Index-Fonds nach sich, die ihre Portfolios an die neue Zusammensetzung anpassen müssen – zusätzlicher Druck auf einen ohnehin angeschlagenen Kurs.

Parallel dazu laufen im niederländischen Opheusden und Zennewijnen Genehmigungsverfahren der Behörden zu Einleitungsaktivitäten der Tochtergesellschaft Wienerberger B.V. Diese Verfahren betreffen zunächst die niederländische Landesgesellschaft und lassen sich nicht ohne Weiteres auf die Konzernmutter übertragen, dürften aber als weiterer Unsicherheitsfaktor im Hintergrund mitschwingen.

Für Anleger bleibt die Gemengelage komplex: Ein CEO-Wechsel unter gesundheitlichen Vorzeichen, ein historisch niedriger Aktienkurs, ein bevorstehender Index-Ausschluss und laufende behördliche Verfahren bei einer Tochtergesellschaft – all das trifft in einem ohnehin schwierigen Marktumfeld für Baustoffhersteller zusammen. Die kommenden Wochen dürften zeigen, ob der neue interimistische CEO Gerhard Hanke das Vertrauen der Investoren zurückgewinnen kann.