Ein Baustoffkonzern kämpft mit schwachem Wohnungsbau in den USA, Kanada und Großbritannien. Gleichzeitig bringt ein Vorschlag aus Brüssel neue Hoffnung für die Kostenseite. Die Wienerberger-Aktie steckt zwischen beiden Kräften fest.

Der Titel notiert bei 20,84 Euro. Das liegt nur 4,62 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 19,92 Euro, das Ende Juli erreicht wurde. Der RSI-Wert von 35,3 zeigt eine überverkaufte Situation an — ein erstes technisches Signal für eine mögliche Gegenbewegung.

Schwacher Wohnungsbau drückt auf den Gewinn

Auslöser der Kursschwäche waren die Halbjahreszahlen Ende Juli. Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um 13 Prozent auf 1,41 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis schrumpfte trotzdem von 253 auf 230 Millionen Euro.

Der Grund: Der Wohnungsneubau lahmt vor allem in den USA, Kanada und Großbritannien. Wienerberger hat deshalb den Gewinnausblick für das Gesamtjahr gesenkt. Das Management rechnet auch in den kommenden Quartalen mit einem verhaltenen Wohnbau.

Zwei Übernahmen stützten das Ergebnis trotzdem. Die italienische Italcer-Gruppe und die schwedische NEWS Group lieferten einen signifikanten Beitrag zum Konzernergebnis. Der Konzern baut zudem seine weniger zyklischen Sparten aus: Mehr als 60 Prozent der Erlöse stammen inzwischen aus Infrastruktur und Renovierung.

Brüssel will Ziegelhersteller entlasten

Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgt ein Legislativvorschlag der EU-Kommission zum Emissionshandel. Er schafft die rechtliche Grundlage für mehr kostenlose CO2-Zertifikate bei Tonziegeln, Tonrohren und Keramikfliesen. Das würde die ETS-Kosten für Wienerbergers Ton- und Keramiksparte senken.

Details bleiben allerdings offen. Unklar ist etwa, an welche Dekarbonisierungsinvestitionen künftige Zuteilungen geknüpft werden. Auch die Benchmark-Methodik soll noch nachgeschärft werden.

CEO Heimo Scheuch begrüßt den Vorstoß dennoch. Er bezeichnet die Vorschläge als „wichtigen Schritt zur Stärkung der industriellen Wettbewerbsfähigkeit Europas und zur Förderung seiner Klimaziele“.

Ausblick

Kurzfristig hängt der Kurs vor allem am Wohnungsbau in Europa und Nordamerika. Der bleibt laut Unternehmensangaben auch in den nächsten Quartalen schwach. Die möglichen CO2-Erleichterungen aus Brüssel wirken dagegen erst mittelfristig auf die Kostenbasis.

Der 50-Tage-Durchschnitt von 22,92 Euro markiert die nächste Hürde für die Aktie. Erst ein nachhaltiger Ausbruch über diese Marke würde die aktuelle technische Erholung bestätigen.