Wienerberger hat sich am heutigen Montag positiv zu den jüngsten Vorschlägen der EU-Kommission zur Weiterentwicklung des europäischen Emissionshandelssystems ETS geäußert. Der Baustoffkonzern sieht darin einen wichtigen Schritt zur Stärkung der industriellen Wettbewerbsfähigkeit und zur Beschleunigung der Dekarbonisierung. CEO Heimo Scheuch wertete das Paket als Signal, das Europas Industrie helfen könne, Klimaziele und Wettbewerbsfähigkeit gleichzeitig zu erreichen.

Im Zentrum des Kommissionsvorschlags steht eine Revision der Benchmark-Methodik für den Zeitraum 2026 bis 2030. Für Tonziegel, Tonrohre und Keramikfliesen soll künftig mehr kostenlose Zuteilung an Emissionszertifikaten möglich sein, was die CO2-Kosten der Branche senken würde. Ergänzt wird das Konzept durch einen ETS Investment Booster für die Jahre 2027 bis 2030 sowie eine Industrial Decarbonization Bank, die von 2031 bis 2040 laufen soll. Ab 2036 sollen zudem internationale CO2-Zertifikate genutzt werden können, flankiert von einem Elektrifizierungsaktionsplan für energieintensive Industriezweige.

Klärungsbedarf bei Dekarbonisierungsauflagen

Trotz der grundsätzlichen Zustimmung verweist Wienerberger auf offene Fragen. Bestimmte Aspekte des Pakets bedürften noch weiterer Klärung, insbesondere die konkreten Bedingungen, unter denen kostenlose Zertifikate an Investitionen in Dekarbonisierungsprojekte geknüpft werden sollen. Für einen Konzern, der Ziegel, Rohre und Fliesen in energieintensiven Brennprozessen fertigt, ist die Ausgestaltung dieser Kopplung finanziell nicht unerheblich – sie entscheidet mit darüber, wie stark sich Investitionen in emissionsärmere Produktionstechnik künftig auf die Zertifikatekosten auswirken.

Der Vorstoß der Kommission reiht sich in eine breitere Überarbeitung des ETS-Rahmens ein. Parallel plant Brüssel, ab 2031 auch Siedlungsabfallverbrennungsanlagen schrittweise in den Emissionshandel einzubeziehen, mit jährlichen Steigerungsraten von 25 Prozent bis 2034 – ein Bereich, der Wienerberger nicht unmittelbar betrifft, aber die grundsätzliche Reformrichtung der EU-Klimapolitik unterstreicht.

Wienerberger selbst beschäftigt rund 20.000 Mitarbeiter an rund 200 Produktionsstandorten. Für das Geschäftsjahr 2025 wies der Konzern einen Umsatz von 4,6 Milliarden Euro und ein EBITDA von 754 Millionen Euro aus. Vor diesem Hintergrund dürfte die konkrete Ausgestaltung der ETS-Regeln für die kommenden Jahre unmittelbaren Einfluss auf die Kostenstruktur der energieintensiven Ziegel- und Keramikproduktion haben.

Aktie nahe Jahrestief, Kurs erholt sich leicht

An der Börse zeigte sich die Wienerberger-Aktie am heutigen Montag mit einem Plus von 1,98 Prozent auf 20,62 Euro etwas erholt, nachdem sie am Freitag noch bei 20,22 Euro geschlossen hatte. Der Titel notiert damit nur wenige Prozentpunkte über seinem 52-Wochen-Tief von 19,92 Euro, das erst am 24. Juli markiert wurde. Der Vergleich mit dem 52-Wochen-Hoch von 33,04 Euro aus dem August vergangenen Jahres zeigt das Ausmaß des Kursrückgangs der vergangenen zwölf Monate deutlich – aktuell liegt die Aktie rund 38 Prozent darunter.

Auf Sicht von zwölf Monaten steht bei Wienerberger ein Kursminus von knapp 32 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn beläuft sich der Rückgang auf gut 32 Prozent. Die Marktkapitalisierung des Konzerns liegt derzeit bei rund 2,19 Milliarden Euro. Der technische Blick auf die gleitenden Durchschnitte zeigt: Die Aktie notiert sowohl unter ihrem 50-Tage- als auch unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt, was auf einen anhaltenden Abwärtstrend hindeutet. Für Anleger bleibt die regulatorische Entwicklung rund um den Emissionshandel damit ein Faktor, der über die Kostenbasis des Konzerns in den kommenden Jahren mitentscheiden dürfte.