Während die Wienerberger-Aktie sich weiter im Abwärtstrend befindet, setzen Führungskräfte des Unternehmens ein Signal des Vertrauens. Gleich zwei Directors‘ Dealings innerhalb weniger Tage zeigen: Management und Aufsichtsrat greifen selbst zu, wenn der Kurs schwächelt.

Aufsichtsratsmitglied Peter Steiner kaufte am 20. August erneut Aktien des Baustoffkonzerns. Bereits eine Woche zuvor, am 13. August, hatte Interim-CEO Gerhard Hanke ebenfalls Papiere erworben. Beide Transaktionen fallen in eine Phase, in der die Aktie mit 19,84 Euro nur noch 4,4 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief notiert und satte 37 Prozent unter dem Januar-Hoch von 31,34 Euro liegt.

Ein Interim-Chef mit Eigenkapital-Bekenntnis

Hanke war erst vor rund zwei Wochen zum Interim-CEO ernannt worden, nachdem der bisherige Vorstandschef Heimo Scheuch aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten war.

Dass er kurz nach Amtsantritt eigenes Geld in Wienerberger-Aktien investiert, lässt sich als Bekenntnis zum eingeschlagenen Kurs lesen – auch wenn Insider-Käufe naturgemäß keine Garantie für eine Kurswende sind. Steiners erneuter Zukauf verstärkt dieses Bild zusätzlich, zumal er bereits zuvor am Markt aktiv gewesen war.

Der zeitliche Kontext ist dabei nicht unerheblich. Vor rund zwei Wochen hatte Wienerberger seine Halbjahreszahlen vorgelegt und die Jahresguidance gekürzt – der Kurs verlor seither weitere 4,6 Prozent.

Das Unternehmen rechnet für das Gesamtjahr nur noch mit einem operativen EBITDA von 700 Millionen Euro, nachdem ein schwacher Wohnungsneubau vor allem in den USA, Kanada und Großbritannien die Ergebnisse belastet hatte.

Im zweiten Quartal war das operative EBITDA von 253 auf 230 Millionen Euro gesunken, die Marge fiel von 20,3 auf 16,3 Prozent – trotz eines Umsatzplus von 13 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro.

Strategischer Umbau läuft parallel

Dass die Insider gerade jetzt kaufen, dürfte auch mit der strategischen Neuausrichtung des Konzerns zusammenhängen. Mit den Übernahmen von Italcer und der NEWS Group hat Wienerberger sein Geschäft im Renovierungs- und Infrastrukturbereich gestärkt.

Inzwischen entfallen mehr als 60 Prozent des Konzernumsatzes auf diese beiden Segmente statt auf den konjunkturanfälligen Wohnungsneubau – eine Verschiebung, die das Unternehmen widerstandsfähiger gegen zyklische Schwankungen machen soll.

Auf Sicht von 30 Tagen hat die Aktie 4,8 Prozent verloren, auf Wochensicht allerdings 2,6 Prozent zugelegt – ein Hinweis darauf, dass sich der Abwärtsdruck zuletzt etwas abgeschwächt hat. Der 50-Tage-Durchschnitt von 21,65 Euro liegt weiterhin deutlich über dem aktuellen Kurs, was auf einen intakten kurzfristigen Abwärtstrend hindeutet.

Abseits der Bilanzzahlen sorgte Wienerberger zuletzt auch mit einem Sponsoring-Engagement für Schlagzeilen: Die österreichische Tochter wird für drei Jahre offizieller Partner der österreichischen Skisprung-Nationalteams, mit Logopräsenz auf den Anzügen ab der Saison 2026/27. Für Anleger dürfte diese Nachricht jedoch nachrangig bleiben – im Fokus steht weiterhin, ob die Insider-Käufe tatsächlich den Wendepunkt in einem schwierigen Marktumfeld markieren.