Wienerberger durchlebt ein schwieriges Geschäftsjahr. Eine anhaltende Schwäche der internationalen Baukonjunktur trifft auf tiefgreifende personelle Einschnitte in der Führungsebene. Seit Jahresbeginn summiert sich der Kursverlust auf 45 Prozent. Das Papier schloss am gestrigen Montag bei 16,80 Euro und notiert damit nur knapp über dem 52-Wochen-Tief von 16,52 Euro.

Die Ursachen für den anhaltenden Abwärtstrend liegen sowohl im Marktumfeld als auch in unternehmensinternen Faktoren begründet. Der Wohnungsbau leidet spürbar unter veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, was sich direkt auf die Auslastung und die Absatzmengen auswirkt.

Baukrise drückt auf Jahresziele

Vor über einem Monat sah sich Wienerberger gezwungen, die Prognose für das Gesamtjahr spürbar zurückzunehmen. Das Unternehmen peilt für 2026 noch ein operatives EBITDA von 700 Millionen Euro an.

Zuvor hatte der Zwischenbericht für das zweite Quartal 2026 die zunehmenden Belastungen im operativen Geschäft offenbart. In diesem Jahresviertel erzielte der Baustoffhersteller einen Umsatz von 1,4 Milliarden Euro sowie ein operatives EBITDA von 230 Millionen Euro.

Als wesentliche Bremsfaktoren führte der Konzern die rückläufige Aktivität im Wohnungsneubau an. Besonders in Nordamerika und Großbritannien bremste die Flaute das Geschäft, begleitet von einer spürbaren Kosteninflation.

Umbau an der Konzernspitze

Zu den operativen Belastungen kamen im Sommer tiefgreifende personelle Veränderungen in der Chefetage hinzu. Vor über einem Monat legte Heimo Scheuch sein Amt als CEO aus gesundheitlichen Gründen mit sofortiger Wirkung nieder.

Der Vorstand wurde daraufhin umgehend neu formiert: Gerhard Hanke übernahm interimistisch die Rolle des CEO, um die operative Steuerung des Konzerns sicherzustellen. Vor gut drei Wochen ordnete Wienerberger zudem die Kapitalmarktkommunikation neu. Dr. Claus Ehrenbeck übernahm die Leitung der Investor Relations als Senior Vice President.

Zurückhaltende Investoren und skeptische Analysten

Die Kombination aus reduzierten Ertragserwartungen und personellen Umbrüchen ging nicht spurlos an den Kapitalmarktakteuren vorüber. Vor gut einer Woche meldete der US-Vermögensverwalter BlackRock eine Reduzierung seines Engagements. Die meldepflichtige Gesamtposition sank von zuvor 4,96 Prozent auf 3,99 Prozent.

Auch auf Analystenseite dominiert vorsichtige Zurückhaltung bei der Bewertung der Aussichten. Am 11. September senkte Morgan Stanley das Kursziel für Wienerberger und bestätigte die Einstufung „Underweight“. Bereits am 10. Juni hatte das Analysehaus den Wert von „Equal-weight“ abgestuft und das Kursziel auf 23 Euro gekürzt, wobei die Experten auf Risiken im Neubausektor verwiesen hatten.

Solange eine nachhaltige Belebung im europäischen und nordamerikanischen Wohnungsneubau auf sich warten lässt, bleibt das Marktumfeld für den Baustoffhersteller herausfordernd. Eine rasche Erholung zeichnet sich vor diesem Hintergrund vorerst nicht ab.