Wienerberger hat am 21. Juli die Latte für das laufende Geschäftsjahr tiefer gelegt. Der Baustoffkonzern kappte seine EBITDA-Prognose für 2026 von 810 Millionen auf rund 700 Millionen Euro. Grund ist die anhaltende Flaute im Wohnungsneubau in den Kernmärkten USA, Kanada und Großbritannien, wie das Unternehmen mitteilte.

Umsatz wächst, operativer Gewinn schrumpft

Parallel zur Prognosesenkung veröffentlichte Wienerberger am 21. Juli sein Trading Update zum zweiten Quartal. Der Konzernumsatz kletterte um 13 Prozent auf 1,41 Milliarden Euro, davon steuerten organische Effekte 7 Prozentpunkte bei. Das operative EBITDA sank dagegen auf 230 Millionen Euro, nach 253 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Die Schere zwischen Umsatzwachstum und Ergebnisrückgang zeigt, wie stark der Preis- und Margendruck im Neubaugeschäft auf das Konzernresultat durchschlägt.

Ein Lichtblick aus Anlegersicht: Die Segmente Infrastruktur und Renovierung machen inzwischen mehr als 60 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Wienerberger stützt sich damit zunehmend auf Geschäftsfelder, die konjunkturell weniger stark am Neubauzyklus hängen als das klassische Ziegelgeschäft für Einfamilienhäuser.

Analysten reagieren mit Kurszielsenkungen

Die Guidance-Kürzung löste am Kapitalmarkt umgehend Reaktionen aus. Die UBS bestätigte am 23. Juli ihr „Sell“-Rating und senkte das Kursziel von 21,00 auf 18,00 Euro. Erste Group stufte die Aktie am Freitag von „Buy“ auf „Accumulate“ herab und kappte das Kursziel deutlich von 34,70 auf 24,20 Euro – zur Begründung verwies das Analystenhaus auf die notwendige Revision der Gewinnschätzungen nach der Prognosesenkung. Bereits am 22. Juli hatte Citi das Papier von „Buy“ auf „Neutral“ zurückgestuft und das Kursziel von 30,00 auf 22,00 Euro reduziert. Die Bandbreite der Kursziele zwischen 18 und 24,20 Euro spiegelt wider, wie unterschiedlich die Häuser die Erholungschancen im Neubausegment einschätzen.

An der Börse ist der Kursverfall längst eingepreist. Wienerberger schloss am Dienstag bei 20,78 Euro und damit nur noch 4,32 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 19,92 Euro, das die Aktie erst am 24. Juli markiert hatte. Zum 200-Tage-Durchschnitt von 26,07 Euro liegt der Kurs 20,31 Prozent im Minus, seit Jahresbeginn steht ein Verlust von 31,87 Prozent zu Buche. Der Titel notiert damit auch weit unter dem 52-Wochen-Hoch von 33,04 Euro vom 13. August.

EU-Klimapläne als seltener Lichtblick

Einen kleinen positiven Kontrapunkt setzte Wienerberger am Montag: Der Konzern begrüßte die Vorschläge der Europäischen Kommission zur Überarbeitung des Emissionshandelssystems. Insbesondere die geplante Erhöhung der kostenlosen Zuteilungen für Baukeramikprodukte im Zeitraum 2026 bis 2030 dürfte die Kostenbelastung der Branche mittelfristig dämpfen – eine Entlastung, die das aktuelle Ergebnisproblem im Neubaugeschäft aber nicht kompensiert.

Auf strategischer Ebene hält der Konzern trotz der schwierigen Marktlage an seinem Zukaufkurs fest. Im Mai erwarb Wienerberger die serbische Univerzum Group, um die Marktposition bei Hintermauerziegeln in Südosteuropa zu stärken. Bereits im April hatte der Konzern eine Mehrheitsbeteiligung am italienischen Keramikfliesen-Spezialisten Italcer übernommen und damit sein Renovierungsportfolio erweitert. Im Vorstand gab es zudem eine personelle Anpassung: Gerhard Hanke fungiert seit 1. Juni als stellvertretender Vorstandsvorsitzender. Die Goldman Sachs Group meldete Anfang Juni eine Veränderung ihrer Stimmrechtsanteile am Konzern.

Anleger richten den Blick nun auf den 12. August. Dann veröffentlicht Wienerberger den vollständigen Halbjahresbericht 2026, der zeigen dürfte, ob sich die Schwäche im nordamerikanischen und britischen Neubaugeschäft im dritten Quartal fortsetzt oder ob die Diversifikation in Infrastruktur und Renovierung erste stabilisierende Effekte zeigt.