Die Wirtschaft im Euroraum hat sich im dritten Quartal spürbar widerstandsfähiger gezeigt als erwartet. Statt der prognostizierten 0,2 Prozent stieg das Bruttoinlandsprodukt um 0,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Vor allem robuste Konsumausgaben der privaten Haushalte und eine unerwartete Zunahme der Wirtschaftsleistung in Deutschland hielten den Währungsraum auf Wachstumskurs.
Spanien führte die großen Volkswirtschaften der Zone mit einem Zuwachs von 0,6 Prozent an. Frankreich hingegen schrumpfte im Sommer leicht, gebremst von rückläufigen Investitionen. In Italien verharrte die Wirtschaftsleistung unterdessen auf dem Niveau des Vorquartals.
Einen beträchtlichen Anteil am Gesamtergebnis hatte ein statistischer Sondereffekt: Irlands Bruttoinlandsprodukt sprang um 5,5 Prozent nach oben. Solche Ausschläge entstehen dort regelmäßig durch die Abrechnungspraxis großer US-Technologie- und Pharmakonzerne. Im Vorjahresvergleich wuchs die gesamte Wirtschaftsleistung der Eurozone um 1,3 Prozent.
Privater Konsum stützt deutsche Konjunktur
Deutschland steuerte mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 0,2 Prozent zum europäischen Gesamtergebnis bei. Ökonomen hatten wegen niedriger Flusspegel und teurer Energie mit einer Stagnation gerechnet. Niedrigwasser im Sommer bremste die Binnenschifffahrt und behinderte die Produktion in der Chemie- und Stahlindustrie.
Dass die deutsche Wirtschaft dennoch das vierte Quartal in Folge expandierte, verdankt sie den Verbrauchern. Trotz teurer Energie zogen die Konsumausgaben leicht an. Dagegen gingen die Investitionen der Unternehmen zurück. Auch die Ausfuhren deutscher Waren entwickelten sich merklich schwächer als zu Jahresbeginn.
Parallel dazu verzeichnete der deutsche Arbeitsmarkt im Oktober eine leichte Entlastung. Die Arbeitslosenquote sank um 0,1 Punkte auf 6,3 Prozent. Die Zahl der Arbeitslosen ging saisonbedingt um 40.000 auf 2,955 Millionen zurück.
Hohe Energiekosten belasten den Ausblick
Ein beträchtlicher Teil der Erholung fußt bislang auf staatlichen Milliardenausgaben für Infrastruktur und Verteidigung. Obendrein planen viele Betriebe neue Preiserhöhungen, nachdem Rohöl und Erdgas in der zweiten Oktoberhälfte den höchsten Stand seit 2022 erreichten.
Für das Gesamtjahr 2026 rechnet die Bundesregierung mit einem Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts von 1,3 Prozent. Getragen wird dieser Optimismus von verbesserten Geschäftserwartungen in den Chefetagen und der Aussicht auf eine Belebung im Exportgeschäft zum Jahresende. Eine dauerhafte Erholung ist das allerdings noch nicht: Solange private Investitionen schrumpfen und ungelöste geopolitische Spannungen die Energiepreise hoch halten, bleibt der Aufschwung fragil.


