Die Aktie des Logistiksoftware-Spezialisten WiseTech Global erholt sich am Mittwoch kräftig. Nach einem Absturz um mehr als 23 Prozent am Dienstag steigt der Kurs um 13,11 Prozent auf 20,07 Euro.

Auslöser der Talfahrt: Medienberichte über Ermittlungen der australischen Bundespolizei gegen Firmengründer Richard White. Der Vorwurf: Falschangaben in einem Visumsantrag und Ausnutzung des Aufenthaltsstatus einer Frau. Die Polizei soll ermitteln, ob Whites Verhalten unter den Tatbestand Menschenhandels fällt.

Dementi und Marktreaktion

WiseTech stellte am Mittwoch klar: Die Vorwürfe betreffen eine private Angelegenheit, nicht das Unternehmen. Von einer offiziellen Untersuchung wisse man nichts. White selbst weise jede Beteiligung an Menschenhandel „nachdrücklich und eindeutig“ zurück. Die Aussage beruhigt die Anleger – zumindest vorläufig.

Der Fall reiht sich ein in eine Serie von Führungskrisen. Bereits im Oktober 2024 war White als Vorstandschef zurückgetreten – damals wegen separater Vorwürfe unangemessenen Verhaltens. Im Februar 2025 holte ihn der Aufsichtsrat zurück, diesmal als Executive Chairman. Ein weiterer Ermittlungskomplex um Aktiengeschäfte von White und drei Mitarbeitern läuft seit Oktober 2025. Die Behörden prüfen, ob Insiderregeln verletzt wurden.

Kurs in der Abwärtsspirale

Trotz der Erholung bleibt die Lage angespannt. Auf Wochensicht verliert die Aktie 12,30 Prozent, auf Monatssicht 13,45 Prozent. Seit Jahresbeginn beträgt das Minus 48,64 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 48,40 Euro aus dem Oktober 2025 ist der Kurs um 58,53 Prozent gefallen – das 52-Wochen-Tief von 17,58 Euro erreichte WiseTech erst am Dienstag.

Das Kerngeschäft läuft nach Unternehmensangaben stabil. Die CargoWise-Plattform verzeichnet hohe Kundenbindung. Doch die wiederkehrenden Governance-Probleme haben einen Risikoaufschlag in den Kurs eingepreist. Wie schnell sich das Vertrauen der Anleger zurückgewinnt, hängt davon ab, ob die Vorwürfe gegen White substanzlos bleiben oder nicht.