Liebe Leserinnen und Leser,
am Samstag schloss ich mit drei Fragen: Greift die Wall-Street-Rally auf weitere Sektoren über? Wie reagieren die Ölmärkte auf die nächste Eskalation am Golf? Und setzt sich die Altcoin-Rotation fort? Das Wochenende liefert erste Antworten — und sie bestätigen ein Muster, das sich seit Tagen verfestigt. Die Indexrekorde an der Wall Street sind real, aber sie erzählen nur die halbe Geschichte. Die besseren Gelegenheiten liegen dort, wo weniger Scheinwerfer stehen: bei deutschen Nebenwerten mit operativer Substanz und in einem Krypto-Ökosystem, das sich gerade neu sortiert.
Renk liefert, SAP stagniert
Die Rotation innerhalb des deutschen Marktes, die wir seit Wochenmitte beobachten, hat eine klare Richtung: weg von den überlaufenen Schwergewichten, hin zu Unternehmen mit messbarer operativer Dynamik.
Renk ist dafür das Paradebeispiel. Der Rüstungszulieferer startete mit Zahlen ins Jahr 2026, die Auftragseingang und operatives Ergebnis deutlich über den Erwartungen auswiesen. Das Segment „Vehicle Mobility Solutions“ treibt das Wachstum. Die DZ Bank bestätigte ihre Kaufempfehlung mit einem fairen Wert von 65 Euro — eine Einschätzung, die angesichts der vollen Auftragspipeline nachvollziehbar ist.
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Zur Wochenmitte wird es bei TUI spannend: Am 13. Mai legt der Reisekonzern seinen Q2-Bericht vor. Das Unternehmen erwartet ein bereinigtes EBIT über Vorjahresniveau, musste aber am 22. April die Jahresprognose wegen des Iran-Konflikts anpassen. Die Frage ist, wie stark die Buchungstrends im Sommer die geopolitische Belastung kompensieren können.
Ganz anders SAP. Die Aktie notiert 44,1 Prozent unter dem Vorjahresniveau, allein seit Jahresbeginn steht ein Minus von fast 30 Prozent. Für den größten europäischen Softwarekonzern ist das eine bemerkenswerte Schwäche — und ein Warnsignal für alle, die allein auf Indexgewicht setzen.
Solana baut aus, Bitcoin pausiert
Die Altcoin-Rotation, die am Freitag an Fahrt gewann, hat sich über das Wochenende fortgesetzt. Bitcoin konsolidiert oberhalb der 80.000-Dollar-Marke und notiert zuletzt zwischen 80.874 und 81.332 Dollar. Laut CryptoQuant liegt der aSOPR-Wert seit neun Tagen über 1 — ein Signal dafür, dass Halter zunehmend Gewinne realisieren.
Die Dynamik gehört Solana. SOL hat die 100-Tage-Linie zurückerobert und handelt zwischen 89 und 93 Dollar. Charttechnisch formt sich ein bullisches Umkehrmuster, der nächste Widerstand liegt im Bereich 96 bis 100 Dollar. Stützend wirkt die institutionelle Infrastruktur: Am Samstag prägte die USDC Treasury 250 Millionen USDC auf der Solana-Blockchain — frische Liquidität für das DeFi-Ökosystem. Die Jito Foundation und Solana Labs bauen parallel ihre Staking-Infrastruktur in Hongkong, Singapur, Japan und Südkorea aus. Unterstützungszonen liegen bei 79 und 70 Dollar.
Diplomatie am Golf, Inflation in Washington
Der Iran hat am Sonntag über Pakistan seine Antwort auf den 14-Punkte-Vorschlag der USA übermittelt. Im Zentrum steht die Forderung nach einem Waffenstillstand an allen Fronten. Zwei Frachter durften zuletzt die Straße von Hormus passieren — ein vorsichtiges Signal. Doch die IEA warnt weiterhin vor einer historischen Energiekrise bei dauerhafter Sperrung.
Die Folgen der Unsicherheit sind in den Rohstoffpreisen ablesbar. Öl notiert bei 93,38 Dollar, nachdem es zwischenzeitlich die 100-Dollar-Marke überschritten hatte. Agrarrohstoffe — Weizen, Soja, Düngemittel — ziehen ebenfalls an.
Diese Preissteigerungen treffen auf eine ohnehin angespannte Inflationslage. Der US-Arbeitsmarktbericht für April überraschte mit 115.000 neuen Stellen bei einer Prognose von 55.000, die Arbeitslosenquote blieb stabil bei 4,3 Prozent. Am Dienstag folgt der entscheidende Datenpunkt: die US-Verbraucherpreise für April. Prognostiziert wird ein Anstieg der jährlichen Inflationsrate auf 3,8 Prozent nach 3,3 Prozent im März. Am Mittwoch kommen die Erzeugerpreise hinzu. Beide Zahlen werden darüber entscheiden, ob die Rendite 10-jähriger US-Treasuries — zuletzt bei 4,33 Prozent — weiter Richtung 4,5 Prozent klettert.
Tech-Zahlen: Wachstum allein reicht nicht mehr
Wie hoch die Messlatte inzwischen liegt, zeigten die jüngsten Quartalsergebnisse. Palantir meldete für Q1 ein Umsatzwachstum von 85 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Aktie fiel nachbörslich um 5,66 Prozent auf 135,91 Dollar. Shopify präsentierte einen Q1-Umsatz von 3,17 Milliarden Dollar und stellte für Q2 zwischen 3,4 und 3,5 Milliarden in Aussicht. Cathie Wood kaufte direkt nach den Zahlen für 32 Millionen Dollar nach. Das Papier gab dennoch auf 110 Dollar nach.
Die Botschaft ist klar: In einem Markt, der Perfektion einpreist, genügt „sehr gut“ nicht mehr. Wer bei diesen Bewertungen investiert, braucht nicht nur starke Zahlen, sondern Zahlen, die jede Erwartung übertreffen.
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Einen Kontrapunkt setzt der Speicherchip-Sektor. ByteDance erhöhte sein KI-Budget um 25 Prozent — und Micron legte in der Folge um 38 Prozent zu. Dort, wo die Nachfrage nach Rechenkapazität auf knappes Angebot trifft, funktioniert die alte Gleichung noch.
Was die Woche entscheidet
Die kommenden fünf Handelstage stehen im Zeichen zweier Kräfte, die in entgegengesetzte Richtungen ziehen. Die Inflationsdaten am Dienstag und Mittwoch werden zeigen, ob der Ölpreisschock bereits in den Verbraucherpreisen angekommen ist. Jeder Zehntelpunkt über der Prognose von 3,8 Prozent macht eine Fed-Zinssenkung unwahrscheinlicher — und erhöht den Druck auf die hoch bewerteten Wachstumstitel.
Auf der anderen Seite stehen Unternehmen, die unabhängig vom Zinsumfeld liefern: Rüstungszulieferer mit vollen Auftragsbüchern, Krypto-Ökosysteme mit wachsender institutioneller Infrastruktur, Speicherchip-Hersteller im Sog der KI-Investitionen. Die Indexrekorde mögen die Schlagzeilen dominieren. Die Renditen entstehen derzeit woanders.
Herzlichst, Ihr Andreas Sommer


