Liebe Traderinnen und Trader,

die Schlagzeilen gehören Evonik und BASF, das Geld fließt woanders hin. Während der Chemie-Deal die Kurstafel dominiert, arbeiten sich abseits davon Titel aus der zweiten Reihe an Marken heran, die für Trader zählen: ein Kaufsignal für einen Wolfram-Förderer, ein Einstieg in Wärmebildtechnik für Drohnen, eine Bank, die kaum einen Euro unter ihrem Jahreshoch notiert.

Der Rahmen bleibt unbequem, mit US-Renditen bei 5,2 Prozent und Brent um die 100-Dollar-Marke. Aber genau dieser Rahmen sortiert die Gewinner von den Rest.

Almonty: Stifel legt vor, der Markt zögert

Stifel hat die Coverage für Almonty Industries mit „Kaufen“ gestartet, Kursziel 25 Dollar. Die Aktie des Wolfram-Produzenten reagierte vorbörslich an der Nasdaq mit plus 2,6 Prozent auf 12,73 Dollar, drehte im Handelsverlauf aber ins Minus. Das ist die typische Reaktion auf eine Initiierung, wenn ein Wert seit Jahresbeginn bereits gut 40 Prozent gewonnen hat – Stand Donnerstagabend.

Die These von Stifel ist strukturell, nicht spekulativ: Mit der Produktionssteigerung in Panasqueira in Portugal und der Mine Sangdong in Südkorea könnte Almonty bis Ende 2028 zum führenden westlichen Wolfram-Förderer werden. Zusätzliche Fantasie liefert eine geplante Anlage für Wolframoxid, also die Weiterverarbeitung im eigenen Haus.

Almonty ist damit kein Einzelfall, sondern Teil einer größeren Verschiebung: China hält laut EU-Kommission über 90 Prozent der Seltene-Erden-Magnete für Europa, und der Bundesrat in Berlin hat heute eine Initiative für schärfere EU-Ausgleichszölle gegen China-Importe beschlossen.

Neun von zehn Brokern raten bei Almonty zum Kauf, das mediane Kursziel liegt ebenfalls bei 25 Dollar. Für Trader ist die Frage nicht, ob die Story stimmt, sondern ob der Rücksetzer die Zone um 12 bis 13 Dollar hält – erst dann wird aus dem Kursziel eine handelbare Distanz statt einer Wunschzahl.

Drohnenabwehr: Das Wachstum sitzt in den Sensoren, nicht in den Panzern

Der Verteidigungssektor liefert heute gleich mehrere Nachrichten, die alle in dieselbe Richtung zeigen. Die Deutsche Beteiligungs AG steigt mit einer signifikanten Minderheitsbeteiligung bei der Vected GmbH ein, einem Spezialisten für Wärmebildtechnik und Optronik für Wehrtechnik und Drohnen.

Der Kaufpreis bleibt vertraulich, der Vollzug steht unter Vorbehalt behördlicher Freigaben. Entscheidend ist die Marktgröße, die die DBAG selbst nennt: Der europäische Markt für ungekühlte Infrarotsysteme liegt bei rund 1,1 Milliarden Euro und soll bis 2030 jährlich um 12 Prozent wachsen.

Parallel dazu verdichten sich die Signale aus der Sensorik-Ecke. Bis zu zwölf britische Firmen erhalten erstmals Zugang zur ukrainischen Datenbank „Avengers AI Labs“ mit Sensordaten aus über sechs Millionen Objekterkennungen, mit denen KI-Modelle für Drohnenschwärme trainiert werden sollen.

Die Niederlande entwickeln mit dem australischen Hersteller Electro Optic Systems einen Hochenergielaser gegen billige Drohnen. Und Kanada hat mit Saab ein Term Sheet für sechs GlobalEye-Aufklärungsflugzeuge unterzeichnet – noch kein Vertrag, aber ein klarer Schritt.

Die Gegenbewegung kommt aus Brüssel: Ungarn kürzt seinen Kreditantrag im EU-Rüstungsprogramm SAFE von 16,4 auf 5,4 Milliarden Euro, Italien auf 8 Milliarden statt der erwarteten 14,9 Milliarden.

Für Anleger heißt das: Die großen Plattform-Budgets wackeln, während Sensorik, Optronik und Abwehrsysteme gegen unbemannte Flugobjekte ihre Auftragslage direkt aus dem Gefechtsfeld beziehen. Rheinmetall ist die Schlagzeile, die Wertschöpfung darunter ist der eigentliche Trade.

Commerzbank: Relative Stärke vor dem Jahreshoch

Die Commerzbank notiert bei 42,19 Euro und liegt im Tagesverlauf 1,5 Prozent vorn. Das 52-Wochen-Hoch bei 43,34 Euro vom 16. September ist damit gut einen Euro entfernt. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 17 Prozent, auf zwölf Monate von 29 Prozent.

Der Vergleich mit der Konkurrenz macht die relative Stärke sichtbar. Die Deutsche Bank legt zwar ebenfalls 1,5 Prozent auf 31,80 Euro zu, liegt seit Jahresbeginn aber 4,4 Prozent im Minus und über einen Monat fast 8 Prozent tiefer.

UniCredit hat sein Hoch bei 86,41 Euro ebenfalls in Reichweite. Der Treiber dahinter ist das Zinsumfeld: Zehnjährige US-Staatsanleihen rentieren bei 5,20 Prozent, das Fed-Watch-Tool preist zu 67,5 Prozent eine Zinserhöhung im Oktober ein.

Solange Renditen steigen und Ölpreise nicht kollabieren, bleibt die Zinsmarge der Banken das robusteste Ertragsmodell im DAX – und die Commerzbank zeigt mit dem geringsten Abstand zum Hoch, wo das Kapital diese Wette gerade platziert.

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UBS: „Extrem“ nennt die Bank, was der Markt gelassen nimmt

Der Schweizer Bundesrat will das Bankengesetz verschärfen und hatte vorgeschlagen, dass die UBS ihre Auslandstöchter vollständig mit hartem Eigenkapital unterlegen muss.

Der Ständerat ist dem am 23. September nicht gefolgt und hat stattdessen für 90 statt 100 Prozent votiert. Die Frist zur Umsetzung beträgt sieben Jahre, die geänderte Eigenmittelverordnung gilt ab 2027. Die UBS lehnt das Paket dennoch als „extrem“ ab und warnt vor einem erheblichen zusätzlichen Kapitalbedarf.

Die Aktie notiert an den deutschen Handelsplätzen bei 43,18 Euro und liegt 1,4 Prozent im Plus. Das Hoch bei 48,19 Euro vom Juli ist allerdings noch ein Stück entfernt, über 30 Tage steht ein Minus von knapp 8 Prozent.

Die Lesart des Marktes: Die Anforderung bleibt hoch, doch die siebenjährige Übergangsfrist nimmt ihr die Schärfe eines Sofort-Schocks. Wer auf Financials setzt, hat mit der UBS einen Wert, dessen Regulierungsrahmen sich nun in konkreten Prozentzahlen und einem Datum – 2027 – fassen lässt, statt in einem offenen Fragezeichen.

Konsum knickt ein: Hellofresh ist das Warnsignal

Die Kehrseite des Hochzins- und Ölpreisumfelds zeigt sich dort, wo Verbraucher zahlen. Hellofresh hat nach einem Umsatzrückgang im dritten Quartal die Jahresprognose gesenkt, die Aktie verlor im SDAX zeitweise 15 Prozent und lag zuletzt rund 10 Prozent im Minus. Das passt ins Bild: Die Sparneigung in Deutschland erreichte im September den höchsten Stand seit der Finanzkrise.

In den USA fiel das Verbrauchervertrauen der University of Michigan auf 48,1 Punkte, den zweitniedrigsten Stand seit Erfassungsbeginn 1952, während die Inflationserwartung für das kommende Jahr auf 4,6 Prozent stieg.

Bemerkenswert ist der Widerspruch dazu: Die Konjunkturprognosen laufen in die Gegenrichtung. Das Institut der deutschen Wirtschaft hat seine Wachstumsprognose 2026 in der Herbstprognose vom 20. September auf rund 1,2 Prozent verdreifacht und reiht sich damit bei den anderen Instituten und der OECD ein, die ebenfalls über 1 Prozent erwarten.

Dass die Prognosen steigen, während der Konsum knickt, zeigt vor allem eines: Wie sehr der Ausblick am Ölpreis hängt. Der iranische Vorschlag, die Straße von Hormus binnen sieben Tagen unter Bedingungen zu öffnen, drückte Brent zuletzt leicht, BP und Shell gaben nach.

Für das Depot heißt das: Konsumwerte bleiben Verkaufskandidaten bei jeder Enttäuschung, Öl-Titel reagieren inzwischen stärker auf Diplomatie als auf Lagerdaten.

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Was diese Ausgabe eigentlich zeigt: Wolfram, Optronik, Bankenzinsen, Konsumdaten und Ölpreis – fünf völlig unterschiedliche Treiber, die alle am selben Tag über Kursbewegungen entscheiden. Genau für dieses Nebeneinander unabhängiger Chancen hat Carsten Müller im Live-Webinar „Die Cash-Rallye | 20 Cash-Trades in 10 Wochen“ am 27.09.2026 um 18:00 Uhr sein Vorgehen entwickelt: Statt sich auf einen Sektor festzulegen, scannt sein Ansatz laufend Aktien, Rohstoffe, Währungen und Kryptos parallel und markiert, wo sich gerade eine Bewegung aufbaut – unabhängig davon, ob die Schlagzeile gerade Chemie, Banken oder Rüstung heißt. Wie diese Auswahl in der Praxis abläuft, zeigt er live. Jetzt kostenlosen Platz im Webinar sichern

Marschroute

Commerzbank: 43,34 Euro ist die Marke, ein Ausbruch darüber öffnet Neuland, ein Scheitern dreht die relative Stärke. Deutsche Bank: erst über 32 Euro wird aus der Erholung ein Trend. UBS: 48,19 Euro bleibt das Ziel der Bullen, unter 42 Euro kippt das Bild. Almonty: 12 bis 13 Dollar müssen halten, 25 Dollar ist der Broker-Konsens.

DBAG als Zugang zur Vected-Story beobachten, Saab nach dem Kanada-Term-Sheet. Makro: Brent um 100 Dollar und die US-Zehnjährige bei 5,2 Prozent sind die beiden Größen, die über Banken und Konsum entscheiden – die Fed-Sitzung im Oktober ist der nächste Termin. Bitcoin hält sich um 84.000 Dollar bei sechs Zuflusstagen in Folge bei den US-ETFs; das ist Beobachtung, kein Trade.

Die Ölpreis-Charts laufen übers Wochenende weiter, Ihr Bildschirm darf trotzdem schwarz bleiben – am Montag zählt wieder Hormus.

Gute Trades, Ihr Andreas Sommer