Xiaomi hat sein Auslieferungsziel für Smartphones im laufenden Jahr deutlich angehoben – und das ausgerechnet in einer Phase, in der die eigenen Quartalszahlen einen kräftigen Gewinnrückgang zeigen. Der chinesische Elektronikkonzern rechnet nun mit 110 Millionen ausgelieferten Geräten für 2026, ein Sprung von 16 Prozent gegenüber dem zuvor kommunizierten Ziel von 90 Millionen. Begründet wird die Anhebung mit der Erwartung, dass sich die Preise für Speicherchips im Jahresverlauf beruhigen. Die Aktie gab am Mittwoch an der Börse um 2,16 Prozent nach und notiert bei 3,02 Euro, nachdem sie am Vortag noch bei 3,08 Euro geschlossen hatte.
Schwacher Jahresstart, kräftiger Rückkauf
Die Geschäftszahlen für das erste Quartal 2026 fielen deutlich schwächer aus als im Vorjahreszeitraum. Der Konzernumsatz sank um 10,9 Prozent auf 99,1 Milliarden Yuan, der bereinigte Nettogewinn brach um 43,1 Prozent auf rund 6,1 Milliarden Yuan ein. Das Smartphone-Geschäft, weiterhin das Kerngeschäft des Konzerns, verzeichnete einen Umsatzrückgang von 12,5 Prozent auf 44,3 Milliarden Yuan bei einer um 19,2 Prozent gesunkenen Stückzahl von 33,8 Millionen Geräten. Der durchschnittliche Verkaufspreis pro Smartphone kletterte dagegen auf ein Rekordniveau von 1.310 Yuan, ein Plus von 8,2 Prozent.
Deutlich robuster präsentierte sich das Auto-Geschäft: Die Sparte legte beim Umsatz um 6,9 Prozent auf 19,9 Milliarden Yuan zu, die Auslieferungen übertrafen 80.000 Fahrzeuge. Konzernpräsident Lu Weibing erklärte, das Unternehmen könne die im April sprunghaft gestiegenen Speicher- und Lagerkosten nicht einfach an die Kunden weiterreichen. Zugleich kündigte er an, im Jahresverlauf neue Fahrzeugmodelle auf den Markt zu bringen. Xiaomi investierte im Quartal 9 Milliarden Yuan in Forschung und Entwicklung, ein Plus von 33,4 Prozent, und hält für das laufende Jahr an Investitionen von mindestens 16 Milliarden Yuan in künstliche Intelligenz fest – über drei Jahre gerechnet sollen es mehr als 60 Milliarden Yuan werden. Die Barreserven des Konzerns liegen bei über 220 Milliarden Yuan.
Parallel zu den schwachen Zahlen läuft ein Aktienrückkaufprogramm über 200 Milliarden Hongkong-Dollar, das seit dem 2. Juni 2026 für die Dauer eines Jahres greift. Bis Ende Januar hatte Xiaomi bereits für 94,73 Millionen Hongkong-Dollar sieben Millionen eigene Aktien zurückgekauft, im Jahresverlauf summierte sich das Volumen auf mehr als 8,4 Milliarden Hongkong-Dollar.
Speicherkrise trifft die gesamte Branche
Die Zielanhebung fällt in eine Phase, in der Marktbeobachter für den gesamten Smartphone-Sektor mit erheblichem Gegenwind rechnen. Nach Einschätzung von Counterpoint dürften die weltweiten Auslieferungen 2026 um 13,9 Prozent auf rund 1,08 Milliarden Geräte fallen – der niedrigste Wert seit 2013. Als Ursache gelten explodierende Preise für LPDDR4/5-Speicherchips, die sich bis zum zweiten Quartal 2026 gegenüber dem vierten Quartal 2025 verdoppeln sollen, während das Angebot an LPDDR4-Chips um mehr als 40 Prozent einbricht. Für Xiaomi selbst rechnet Counterpoint mit einem Rückgang der Auslieferungen um 28 Prozent im Jahresverlauf; einzig Huawei soll unter den chinesischen Anbietern noch wachsen.
Auch die Analysten von Omdia bestätigen den Trend: Im zweiten Quartal 2026 sanken die globalen Smartphone-Auslieferungen um 4 Prozent, während Speicher- und Storage-Komponenten inzwischen mehr als 60 Prozent der Materialkosten bei Einsteigergeräten ausmachen. Xiaomi kam mit einem Marktanteil von 11 Prozent auf Platz drei hinter Samsung und Apple. In Indien, einem der wichtigsten Wachstumsmärkte des Konzerns, fielen die Smartphone-Auslieferungen im zweiten Quartal um 13 Prozent auf 33,9 Millionen Geräte; Xiaomi hielt dort einen Marktanteil von 13 Prozent, angetrieben von Modellen der Redmi-15A- und Redmi-A7-Reihe.
Analysten uneins über die Zielsetzung
Die Reaktionen der Analysten auf die Zielanhebung fallen gespalten aus. CLSA hält das neue Auslieferungsziel von 110 Millionen Einheiten angesichts der tatsächlichen Auslieferungen von 165 Millionen im Jahr 2025 und 33,5 Millionen im ersten Quartal 2026 für schwer nachvollziehbar. Das Analysehaus erwartet für 2026 einen Rückgang der Auslieferungen um 15 Prozent und des Umsatzes um 10 Prozent, da die Speicherpreise entgegen den Erwartungen des Konzerns nicht sinken dürften. CLSA bestätigte dennoch das Rating „Outperform“.
Goldman Sachs setzt dagegen einen anderen Akzent und bekräftigte am 22. Juli sein Buy-Rating für Xiaomi mit Blick auf das Robotik-Geschäft des Konzerns. Für die Aktie bedeutet das ein gemischtes Bild: Nach einem Kursverlust von 30,29 Prozent seit Jahresbeginn liegt das Papier aktuell 2,62 Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt von 2,94 Euro, bleibt aber weit von seinem 52-Wochen-Hoch von 6,51 Euro aus dem September 2025 entfernt.
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