Xiaomi hat sein Verkaufsziel für Smartphones im laufenden Geschäftsjahr kräftig nach oben korrigiert. Statt der bislang anvisierten 90 Millionen Einheiten strebt der chinesische Elektronikkonzern nun 110 Millionen Geräte an – ein Plus von 22 Prozent gegenüber der bisherigen Marke. Grund für die Anpassung ist eine spürbare Entspannung bei den Einkaufspreisen für DRAM- und NAND-Speicherchips, die Xiaomis Kalkulation für die zweite Jahreshälfte deutlich verbessert.

Preisdruck im Speicherchip-Markt lässt nach

Der Rückenwind kommt aus einem Bereich, der Xiaomi zuletzt belastet hatte: den Beschaffungskosten für Speicherbausteine. Medienberichten zufolge haben die Wettbewerber OPPO und Vivo Preiserhöhungen von Samsung Electronics für Speicherchips im dritten Quartal abgelehnt. Diese Weigerung dämpft den Preisdruck im gesamten Sektor und kommt damit auch Xiaomis Margenkalkulation zugute. Für einen Konzern, dessen Handysparte zuletzt unter fallenden Margen litt, ist die Entwicklung bei den Vorleistungskosten ein wichtiger Faktor für die optimistischere Jahresprognose.

Die Aktie reagierte am Freitag verhalten positiv und schloss bei 3,00 Euro, ein Plus von 0,17 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Sicht von 30 Tagen steht für das Papier ein Anstieg von 16,82 Prozent zu Buche – ein Zeichen dafür, dass der Markt die jüngsten Nachrichten aus dem Unternehmen zunehmend goutiert. Vom 52-Wochen-Hoch bei 6,51 Euro aus dem vergangenen September bleibt der Titel mit einem Abstand von 53,96 Prozent aber weit entfernt.

Aktienrückkauf läuft parallel weiter

Neben der operativen Zielanpassung treibt Xiaomi sein Aktienrückkaufprogramm voran. Am 22. Juli erwarb das Unternehmen 1,875 Millionen eigene Aktien zu Preisen zwischen 26,60 und 26,76 Hongkong-Dollar, was Gesamtkosten von rund 49,995 Millionen Hongkong-Dollar entspricht. Seit dem Start des Programms am 3. Juni summiert sich das Rückkaufvolumen mittlerweile auf 79,8 Millionen Aktien, was etwa 0,31 Prozent des Grundkapitals entspricht. Der fortlaufende Rückkauf signalisiert, dass das Management trotz der volatilen Kursentwicklung Vertrauen in die eigene Bewertung setzt.

Auch im Automobilgeschäft bewegt sich etwas: Testfahrzeuge einer neuen „Extreme“-Variante der Sportlimousine SU7 Ultra wurden bei Erprobungsfahrten auf der Nürburgring-Nordschleife gesichtet. Details zur Serienreife oder Markteinführung nannte das Unternehmen bislang nicht, die Sichtung unterstreicht aber, dass Xiaomi sein Elektroauto-Portfolio weiter ausbaut.

Blick auf Quartalszahlen und Europa-Expansion

Anleger richten den Blick nun auf den 18. August. An diesem Tag will Xiaomi seine Finanzergebnisse für das zweite Quartal sowie den Halbjahresbericht vorlegen. Die Zahlen dürften zeigen, wie sich die verbesserte Chip-Kostensituation bereits im laufenden Geschäft niederschlägt und ob die angehobene Absatzprognose auf einem soliden operativen Fundament steht.

Über den chinesischen Heimatmarkt hinaus plant Xiaomi im September ein Messedebüt auf der IFA in Berlin. Dort will der Konzern sein „Human x Car x Home“-Ökosystem präsentieren, das Smartphones, Fahrzeuge und Smart-Home-Geräte stärker miteinander verzahnen soll. Begleitet wird der Europa-Auftritt von angekündigten Investitionen in die KI-Forschung und -Entwicklung auf dem Kontinent in Höhe von 7,4 Milliarden Euro bis 2028 – ein Signal, dass Xiaomi seine internationale Präsenz jenseits des Smartphone-Geschäfts ausbauen will.

Trotz der jüngsten positiven Nachrichtenlage bleibt die Aktie seit Jahresbeginn mit einem Minus von 30,80 Prozent deutlich im roten Bereich. Die kommenden Wochen bis zur Vorlage der Quartalszahlen dürften zeigen, ob die operative Erholung ausreicht, um das Vertrauen der Anleger nachhaltig zurückzugewinnen.