Starke Nachfrage, schwache Kurse — bei Xiaomi klaffen Anspruch und Realität gerade weit auseinander. Die Aktie markierte am Dienstag ein neues 52-Wochen-Tief bei 2,51 Euro. Seit Jahresbeginn hat das Papier mehr als 42 Prozent verloren. Hinter dem Kursverfall stecken zwei handfeste operative Probleme: ein wachsendes Auslieferungsdefizit im Elektroauto-Geschäft und ein Margendruck im Smartphone-Kerngeschäft, der noch Jahre anhalten könnte.
Elektroautos: Das Tempo reicht nicht
Xiaomis Ziel für 2026 lautet 550.000 ausgelieferte Elektrofahrzeuge. Bis Ende Mai waren es kumuliert 150.317 Einheiten — ein Plus von 13,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, aber weit zu wenig.
Die Rechnung ist ernüchternd. Von Juni bis Dezember müsste Xiaomi monatlich rund 57.500 Fahrzeuge ausliefern. Das wäre fast 15 Prozent mehr als der bisherige Monatsrekord von 50.000 Einheiten aus Dezember 2025. Im Mai lieferte Xiaomi lediglich 32.759 Fahrzeuge aus — ein Rückgang von 10,7 Prozent gegenüber April.
Jefferies hat die Jahresprognose bereits auf 495.000 Einheiten gesenkt. Den Bewertungsmultiplikator für die EV-Sparte kürzte die Investmentbank von 2,2x auf 1,5x der prognostizierten 2026er-Umsätze.
Verlust je Fahrzeug, steigende Chipkosten
Das finanzielle Bild der EV-Sparte ist alarmierend. Im ersten Quartal 2026 erwirtschaftete die Einheit 19,9 Milliarden Yuan Umsatz, wies aber einen operativen Verlust von 3,1 Milliarden Yuan aus. Das entspricht rund 5.600 US-Dollar Verlust je ausgeliefertem Fahrzeug. Nach zwei profitablen Quartalen in 2025 fiel Xiaomis EV-Geschäft damit wieder zurück.
Als Ursachen nennt Xiaomi geringere Verkäufe des hochpreisigen Modells SU7 Ultra, staatliche Kaufsteuersubventionen sowie steigende Komponentenpreise.
Letzteres trifft auch das Smartphone-Geschäft hart. Konzernchef Lei Jun beziffert den Preisanstieg bei Handy-Speicher auf das Fünffache, bei TV-Speicher sogar auf das Zehnfache. Jefferies erwartet einen Rückgang der Smartphone-Margen um fünf Prozentpunkte in 2026 — besonders schmerzhaft, weil 62 Prozent der Xiaomi-Smartphone-Verkäufe unter der 200-Dollar-Marke liegen. Lei Jun rechnet mit zwei weiteren Jahren Druck.
Neue Baustellen, offene Fragen
Chinas Industrieministerium hat Xiaomis Antrag zur Produktion eines Range-Extender-Elektrofahrzeugs genehmigt. Der Kunlun N3 — ein über 5,3 Meter langer SUV unter der Submarke Skynomad — soll eine rein elektrische Reichweite von bis zu 500 Kilometern bieten. Einen Markteinführungstermin hat Xiaomi bislang nicht bestätigt.
Der Zeitpunkt ist heikel. Die branchenweiten EREV-Großhandelsverkäufe brachen im Mai um fast 25 Prozent ein — der stärkste Monatsrückgang seit fünf Jahren. Selbst Marktführer Li Auto verzeichnete beim Flaggschiff L9 in den ersten vier Monaten 2026 einen Auslieferungseinbruch von 74 Prozent.
Xiaomis milliardenschweres Aktienrückkaufprogramm — bis zu 20 Milliarden Hongkong-Dollar — läuft seit Anfang Juni. Den Abwärtsdruck hat es bislang nicht nennenswert gebremst. Leerverkäufer halten rund neun Prozent des Streubesitzes.
Auf der Produktseite gibt es immerhin Lichtblicke. In der zweiten Jahreshälfte plant Xiaomi den eigenen Xuanjie-Prozessor, gefertigt von TSMC. HyperOS 4 soll im Juli oder August in China vorgestellt werden. Die Xiaomi-18-Pro-Modelle plant der Konzern bereits Ende September nach Europa zu bringen — ohne die sonst übliche sechsmonatige Verzögerung.
Ob das reicht, um die Stimmung zu drehen, zeigt sich am 26. August: Dann legt Xiaomi den Quartalsbericht für das zweite Quartal vor. Die Juni-Auslieferungszahlen, die in den kommenden Wochen erscheinen, werden ein erster Hinweis sein, ob die Produktion endlich anzieht.
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