Xiaomi verzichtet auf sein geplantes Smartphone-Flaggschiff „Xiaomi 18 Ultra“. Medienberichten zufolge sind massiv gestiegene Kosten für Speicherbausteine wie DRAM und NAND der Grund für die Streichung.

Stattdessen soll das Modell „18 Pro Max“ künftig als Top-Variante der Reihe positioniert werden. Die Entscheidung fällt exakt einen Tag vor der Veröffentlichung der Quartalszahlen zum zweiten Quartal 2026, die Xiaomi für den morgigen Dienstag angekündigt hat.

Der Rückzug von einem echten Ultra-Flaggschiff wirft ein Schlaglicht auf die Kostenstruktur im Smartphone-Geschäft, das für Xiaomi trotz des Wachstums der Elektroauto-Sparte weiterhin ein tragendes Segment bleibt. Speicherpreise sind in den vergangenen Monaten branchenweit gestiegen, was insbesondere High-End-Modelle mit üppig ausgestatteten Speicherkonfigurationen unter Margendruck setzt.

Elektroauto-Sparte liefert Kontrastprogramm

Während im Smartphone-Bereich gespart wird, meldet die Elektrofahrzeugsparte parallel weiter wachsende Stückzahlen. Die Limousinenserie SU7 hatte bereits im vergangenen November die Marke von 500.000 kumulierten Auslieferungen überschritten. Zusammen mit dem SUV-Modell YU7 kommt Xiaomi inzwischen auf über 760.000 ausgelieferte Fahrzeuge insgesamt.

Für das neue E-SUV-Modell „Sky Nomad“, den Nachfolger des YU7, meldete Xiaomi bereits über 100.000 Vorbestellungen. Der SkyNomad-Serienstart liegt gut drei Wochen zurück, seither hat die Aktie rund 15,9 Prozent verloren – ein Hinweis darauf, dass der Markt hohe Erwartungen bereits eingepreist hatte und nun stärker auf die Kostenseite schaut.

Auf der Hochleistungsvariante SU7 Ultra arbeiten zudem die britischen Ingenieursdienstleister Lotus Engineering und Prodrive mit, die an Fahrwerksentwicklung, Aerodynamik und Testfahrten auf dem Nürburgring beteiligt sind. Das unterstreicht den Anspruch, im Automobilsegment auch technisch an etablierte Anbieter anzuschließen.

Kapitalmarkt bleibt vorsichtig

Die Aktie notiert aktuell bei 2,87 Euro und damit rund 56 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 6,54 Euro aus dem vergangenen September. Der jüngste Kursrückgang seit dem SkyNomad-Start zeigt, dass Anleger die Kostenseite des EV-Geschäfts zunehmend kritisch beobachten – ein Aspekt, der auch die morgigen Quartalszahlen belasten könnte.

Parallel zur Produktentscheidung setzt Xiaomi sein Aktienrückkaufprogramm über 20 Milliarden Hongkong-Dollar fort. Anfang August erwarb das Unternehmen 1,862 Millionen eigene Class-B-Aktien für umgerechnet rund 50 Millionen Hongkong-Dollar.

Solche Rückkäufe signalisieren Vertrauen des Managements in die eigene Bewertung, ändern aber wenig an der grundsätzlichen Frage, wie stark die hohen Investitionen im Automobilsegment auf die Konzernmarge drücken.

Die für morgen angesetzte Vorlage der Halbjahreszahlen dürfte zeigen, ob die Streichung des 18 Ultra ein Einzelfall bleibt oder Teil einer breiteren Strategie ist, Kosten im Smartphone-Geschäft zugunsten der kapitalintensiven Elektroauto-Sparte zu senken.