Chinas Elektroauto-Markt bricht ein. Xiaomi verdient trotzdem Geld damit. Diese Diskrepanz macht den Konzern gerade zu einer Ausnahme in einer Branche, die kollektiv Verluste schreibt.

Die Aktie notiert am Montag bei 2,66 Euro. Das ist ein kleines Plus von 0,36 Prozent gegenüber Freitag. Auf Wochensicht steht sogar ein Plus von 8,33 Prozent zu Buche. Der Blick auf ein Jahr zeigt trotzdem ein anderes Bild: Der Kurs liegt 57,62 Prozent unter dem Niveau von vor zwölf Monaten.

Einer von drei profitablen EV-Herstellern

Der chinesische Markt für Elektro- und Hybridfahrzeuge schrumpft seit sechs Monaten in Folge. Im Juni 2026 sanken die Auslieferungen um 7 Prozent auf rund 1,04 Millionen Einheiten. Für das gesamte erste Halbjahr steht ein Rückgang von 13 Prozent auf 4,73 Millionen Fahrzeuge.

In diesem Umfeld bleiben nach Analystenmeinung nur drei chinesische Hersteller profitabel: BYD, Leapmotor und Xiaomi. Xiaomi EV lieferte im Juni über 30.000 Fahrzeuge aus. Damit knackt das Unternehmen den dritten Monat in Folge diese Marke.

Für das erste Halbjahr kommt Xiaomi auf schätzungsweise 180.000 ausgelieferte Einheiten. Im Mai verteilten sich die Verkäufe auf 24.023 Exemplare des Modells SU7 und 8.736 Einheiten des neuen YU7. Das Jahresziel von 550.000 Fahrzeugen bleibt trotzdem ambitioniert. Im zweiten Halbjahr muss Xiaomi Auto durchschnittlich 60.000 Fahrzeuge pro Monat ausliefern, um es zu erreichen.

Speicherchips verteuern Smartphones

Während das Auto-Geschäft läuft, drückt eine andere Kostenlawine aufs Smartphone-Segment. Die Vertragspreise für 12-GB-Arbeitsspeicher vom Typ LPDDR5X haben sich im zweiten Quartal fast verdoppelt. Von rund 77 US-Dollar stiegen sie auf etwa 146 US-Dollar pro Einheit.

Für das dritte Quartal erwarten Marktbeobachter weitere Preissprünge von bis zu 20 Prozent. Der Grund: KI-Infrastruktur frisst weltweit Speicherkapazitäten weg.

Xiaomi-CEO Lei Jun hatte bereits im Mai vor den Folgen gewarnt. Smartphones würden in den kommenden Jahren teurer, sagte er. Verbrauchern mit regelmäßigem Aufrüstungsbedarf riet er, den nächsten Kauf eher früher als später zu planen. Xiaomi versucht zwar, die Mehrkosten über effizientere Lieferketten abzufedern. Lei Jun selbst deutete aber an, dass Preiserhöhungen bei künftigen Modellen kaum zu vermeiden seien.

Milliarden für Forschung, neue Läden weltweit

Trotz des Kostendrucks hält Xiaomi an seinen langfristigen Plänen fest. Bis 2030 will der Konzern über 24 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung investieren. Das Geld soll die „Human x Car x Home“-Strategie vorantreiben, mit der Xiaomi Smartphones, Autos und Smart-Home-Geräte verzahnt.

Allein im Automobilbereich fließen über 6,2 Milliarden Yuan in Entwicklungsprojekte. Ein Beispiel für den technischen Ehrgeiz: Der Xiaomi YU7 GT stellte auf der Nürburgring-Nordschleife eine Rekordfahrt auf und begründete damit eine neue offizielle Kategorie für autonomes Fahren bei Elektroautos.

Parallel expandiert Xiaomi sein Filialnetz. Im Juni eröffnete der Konzern 19 neue Standorte in China. Das Netzwerk wächst damit auf 70 Filialen in 30 Städten. International kommen 2026 neue Läden in Rumänien und Singapur hinzu.

Charttechnik bleibt angeschlagen

Die Kurserholung der vergangenen Woche ändert wenig am mittelfristigen Bild. Die Aktie notiert 59,14 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 6,51 Euro vom 25. September 2025. Vom 52-Wochen-Tief bei 2,34 Euro, erreicht am 26. Juni 2026, hat sich der Kurs immerhin um 13,61 Prozent erholt.

Der RSI von 41,3 signalisiert weder Überkauft- noch Überverkauft-Zustand. Zum 200-Tage-Durchschnitt fehlen aber noch 32,71 Prozent. Die annualisierte Volatilität der letzten 30 Tage liegt bei 33,19 Prozent — ein Hinweis auf weiterhin nervöse Kursausschläge.

Die Profitabilität im EV-Geschäft verschafft Xiaomi einen Vorteil, den viele Wettbewerber in China derzeit nicht haben. Ob dieser Vorsprung reicht, um steigende Speicherchip-Preise im Smartphone-Segment auszugleichen, entscheidet sich in den kommenden Quartalsergebnissen.