Xiaomi hat sein Absatzziel für Smartphones im laufenden Geschäftsjahr 2026 kräftig nach oben korrigiert. Statt der zuvor anvisierten rund 90 Millionen Einheiten peilt der Konzern nun 110 Millionen Geräte an. Grund ist eine unerwartet starke Nachfrage im Einstiegssegment, wie das Unternehmen mitteilte. Die Anhebung markiert einen deutlichen Kurswechsel in der Wachstumsstrategie und kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Xiaomi ohnehin im Fokus der Anleger steht.

Starkes Volumenziel trifft auf Kostendruck

Die neue Zielmarke von 110 Millionen Smartphones steht in einem Spannungsfeld zu den Zahlen, die Xiaomi zuletzt vorgelegt hat. Im ersten Quartal 2026 war der Konzernumsatz um 10,9 Prozent auf 99,1 Milliarden Yuan gesunken, der bereinigte Nettogewinn brach sogar um 43,1 Prozent auf 6,1 Milliarden Yuan ein. Hauptursache war eine Vervierfachung der Einkaufspreise für Speicherbausteine, also DRAM- und NAND-Chips. Ein höheres Absatzvolumen im margenschwächeren Einstiegssegment dürfte den Ergebnisdruck also nicht automatisch lindern, selbst wenn es das Marktanteilsziel stützt. Wie sich die Kombination aus mehr verkauften Geräten und weiterhin teurer Speicherbeschaffung auf die Profitabilität auswirkt, dürfte sich erst mit den Zahlen zum zweiten Quartal zeigen, die Xiaomi für den 26. August angekündigt hat.

Parallel zur operativen Diskussion hat sich Goldman Sachs am 20. Juli 2026 in einem Research-Bericht mit der Robotik-Sparte des Konzerns befasst. Die Analysten des Hauses betonen darin die strategische Bedeutung einer weltweiten Skalierung dieses Geschäftsbereichs für Xiaomi. Ein konkretes Kursziel oder eine Einstufung nennt der Bericht laut vorliegenden Angaben nicht, doch die Aufmerksamkeit für das Segment jenseits des klassischen Smartphone- und Elektronikgeschäfts unterstreicht, dass Xiaomi zunehmend als diversifizierter Technologiekonzern wahrgenommen wird.

Rückkäufe und neue Aktien parallel

Auf der Kapitalseite fährt Xiaomi zweigleisig. Zum einen setzt der Konzern sein milliardenschweres Aktienrückkaufprogramm fort, das den Kurs stützen soll. Zum anderen gibt Xiaomi im Rahmen von Mitarbeiterbeteiligungsprogrammen neue Aktien aus. Diese gegenläufige Bewegung – Rückkauf auf der einen, Verwässerung auf der anderen Seite – ist für Technologiekonzerne mit umfangreichen Belegschaftsprogrammen nicht ungewöhnlich, verdient aber Beachtung, wenn Anleger die Wirkung der Rückkäufe auf die ausstehende Aktienzahl einschätzen wollen.

Auf der Produktseite hat Xiaomi zudem den Rollout der stabilen Version von Android 17 gestartet. Die Flaggschiff-Modelle Xiaomi 17 und Xiaomi 17 Ultra erhalten das Update auf Basis der Benutzeroberfläche HyperOS 3.3 als Erste im Portfolio.

Kurs zeigt Erholungstendenzen, bleibt aber unter Druck

An der Börse hat die Aktie zuletzt Boden gutgemacht, notiert aber weiterhin deutlich unter ihrem langfristigen Trend. Der Titel gab am Berichtstag um 2,05 Prozent nach und liegt bei 3,09 Euro. Seit dem 52-Wochen-Tief von 2,34 Euro, das erst Ende Juni markiert wurde, hat sich der Kurs um 31,80 Prozent erholt. Zum 200-Tage-Durchschnitt beträgt der Abstand jedoch weiterhin 18,86 Prozent nach unten, was zeigt, dass die kurzfristige Erholung den langfristigen Abwärtstrend seit dem Rekordhoch von 6,51 Euro im September 2025 noch nicht durchbrochen hat. Auf Jahressicht steht für die Aktie ein Minus von 28,74 Prozent zu Buche.

Ob die angehobene Absatzprognose ausreicht, um das Vertrauen der Anleger nachhaltig zurückzugewinnen, dürfte sich an den Halbjahreszahlen Ende August entscheiden. Bis dahin bleibt die Kernfrage, wie stark die anhaltend hohen Speicherpreise die Marge des größeren Volumens auffressen.