Xiaomi baut in China Elektroautos. Sie sollen technisch mit Tesla, BMW und Porsche mithalten. Das gelingt erstaunlich gut. Trotzdem bleibt die Aktie an der Börse ein Trauerspiel. Wer verstehen will, warum operative Stärke und Kursverlauf hier meilenweit auseinanderklaffen, muss nach Brüssel schauen. Der offizielle Marktstart in Europa fehlt. Und genau das bremst die Fantasie der Anleger.

Ein Auto-Startup auf der Überholspur

Was der Technologiekonzern im Automobilgeschäft aufgebaut hat, beeindruckt. In weniger als zwei Jahren stieg Xiaomi zu einem führenden Autohersteller auf. Im Jahr 2025 lieferte das Unternehmen über 410.000 Fahrzeuge aus. Für 2026 peilt das Management 550.000 Einheiten an.

Der eigentliche Volumentreiber heißt YU7. Dieses Modell schlägt inzwischen sogar die Limousine SU7. Allein im Dezember verkaufte Xiaomi knapp 34.000 Einheiten des YU7. Vom Schwestermodell waren es im gleichen Monat nur rund 12.500 Stück.

Der YU7 knackte die Marke von 150.000 Auslieferungen in nur sechs Monaten. Das entspricht dem rasanten Tempo des Tesla Model Y in dessen Anfangstagen. Um diesen Erfolg auszubauen, legte Xiaomi Ende Mai nach. Der Konzern liefert nun eine günstigere Basisversion des YU7 in China aus.

CEO Lei Jun will damit das Tesla Model Y direkt angreifen. Interessant ist seine offene Fehlerkultur. Lei Jun gab zu, dass die Streichung dieser Standardvariante im Vorjahr ein Fehler war. Eigentlich sollte das Modell schon viel früher auf die Straßen rollen.

Die unsichtbare Mauer in Brüssel

Die Zahlen aus dem Heimatmarkt beeindrucken. Der wahre Lackmustest für die Aktie steht aber noch aus. Er findet in Europa statt. Seit Oktober 2024 erhebt die EU Ausgleichszölle auf chinesische Elektroautos. Xiaomi fällt in die Kategorie der kooperierenden Hersteller. Das bedeutet einen Zusatzzoll von 20,7 Prozent. Zusammen mit dem regulären Tarif zahlen Importeure einen Aufschlag von fast 31 Prozent.

Deshalb bleiben Xiaomi-Autos auf europäischen Straßen ein seltener Anblick. Bislang bedienen nur Parallelimporteure den Markt. Anbieter verlangen in Deutschland für einen SU7 zwischen 73.000 und 98.000 Euro. Ein teurer Spaß für Early Adopter. Obendrein laden die Wagen mit dem chinesischen GB/T-Standard. Ohne Umrüstung passen sie nicht an europäische CCS2-Ladesäulen.

Kurs einer Krisenfirma

An der Börse spiegelt sich dieses Dilemma schonungslos wider. Die Xiaomi-Aktie notiert aktuell bei 2,79 Euro. Seit Jahresanfang verlor der Titel knapp 38 Prozent an Wert. Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 6,51 Euro beträgt schmerzhafte 57 Prozent.

Auch der langfristige Trend zeigt klar nach unten. Der 200-Tage-Durchschnitt verläuft bei 3,90 Euro und damit weit über dem aktuellen Niveau. Der Markt bewertet den 66,8 Milliarden Euro schweren Konzern aktuell wie ein Unternehmen in der Krise. Nicht wie einen aufstrebenden Autobauer.

Zwischen Wachstumsstory und Zollrealität

Der Aktienkurs nimmt ein massives Risiko vorweg. Das Autowachstum von Xiaomi beschränkt sich fast völlig auf den hart umkämpften chinesischen Markt. Brüssel veröffentlichte im Januar dieses Jahres Leitlinien für ein Mindestpreissystem. Eine Einigung mit Peking könnte die Zölle abmildern.

Bis dahin fokussiert sich Xiaomi auf hochpreisige Nischenmodelle wie den geplanten YU7 GT. Bei diesen teuren Autos schmerzt der prozentuale Zollnachteil am wenigsten. Solange die europäische Zollmauer nicht fällt, bleibt die Aktie im Leerlauf gefangen.