Xiaomi sorgt am Dienstag für eine der überraschendsten Nachrichten des Sommers: Der chinesische Technologiekonzern erhöht sein Smartphone-Absatzziel für das Gesamtjahr 2026 von 90 Millionen auf 110 Millionen Einheiten. Als Begründung nennt das Unternehmen eine Stabilisierung der Einkaufspreise für Speicherchips sowie eine spürbar verbesserte Versorgung mit Komponenten. Nach Monaten mit Lieferengpässen bei DRAM- und NAND-Speicher ist das ein deutliches Signal an den Markt.

Die Anleger reagierten prompt. Der Kurs schloss am Dienstag bei 3,34 Euro, ein Plus von 3,31 Prozent gegenüber dem Vortag. Über die vergangenen 30 Handelstage hat das Papier damit einen Sprung von 35,93 Prozent hingelegt – eine bemerkenswerte Erholung nach einem schwachen ersten Halbjahr.

CXMT-Börsengang liefert zusätzlichen Rückenwind

Neben der angehobenen Absatzprognose trieb auch ein weiterer Faktor die Aktie an: Der chinesische Speicherchiphersteller CXMT feierte am Montag ein erfolgreiches Börsendebüt. Xiaomi ist an dem Unternehmen als strategischer Investor beteiligt, wie Medienberichten zufolge berichtet wurde. Der geglückte Marktstart von CXMT gilt als Bestätigung dafür, dass sich die Lage auf dem Speicherchipmarkt tatsächlich entspannt – exakt jener Faktor, den Xiaomi selbst für die höhere Absatzprognose anführt. Für Anleger verknüpfen sich damit zwei positive Meldungen zu einer stimmigen Erzählung: bessere Beschaffungsbedingungen auf der einen, eine werthaltige Finanzbeteiligung auf der anderen Seite.

Parallel dazu treibt Xiaomi sein Produktportfolio voran. Die Submarke Redmi kündigte für die Fachmesse ChinaJoy 2026 in Shanghai, die von Donnerstag bis Sonntag läuft, die Präsentation eines nach eigenen Angaben „bedeutenden neuen Produkts“ an. Spekulationen deuten auf die Redmi-K100-Serie mit dem Snapdragon 8 Elite Gen 5 hin. Zudem läuft seit dieser Woche der Rollout neuer HyperOS-Builds für Flaggschiff-Modelle wie das Xiaomi 14 Ultra und die neue 17T-Serie in Europa und weiteren globalen Märkten. Ergänzend veröffentlichte das Unternehmen ein globales Sicherheitsupdate für 58 Smartphone-Modelle der Marken Xiaomi, Redmi und POCO, das 40 Software-Schwachstellen behebt – darunter fünf als kritisch eingestufte Lücken im Linux-Kernel.

Q1-Schwäche noch nicht vergessen

Die positive Kursentwicklung der vergangenen Wochen steht in deutlichem Kontrast zu den Zahlen, die Xiaomi im Mai für das erste Quartal 2026 vorgelegt hatte. Der Umsatz sank damals auf 99,14 Milliarden Renminbi, ein Rückgang von 10,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Noch schwerer wog der Gewinneinbruch: Der bereinigte Nettogewinn fiel um 43,1 Prozent auf 6,07 Milliarden Renminbi, belastet durch Anlaufkosten im Elektrofahrzeug-Geschäft und anhaltenden Margendruck. Diese Schwäche erklärt, warum die Aktie trotz der jüngsten Erholung noch immer deutlich unter ihrem Niveau vom Jahresanfang notiert.

Vor diesem Hintergrund gewinnt der nächste Zahlentermin besondere Bedeutung. Xiaomi wird am 18. August die ungeprüften Finanzergebnisse für das zweite Quartal und das erste Halbjahr 2026 veröffentlichen. Anleger dürften genau darauf achten, ob sich die operative Erholung, die sich in der angehobenen Absatzprognose andeutet, bereits in den Geschäftszahlen niederschlägt oder ob die Belastungen aus dem EV-Geschäft anhalten. Auch die Investition von 7,4 Milliarden Euro, die Xiaomi Ende Juni für KI-Forschung und -Entwicklung im Zeitraum 2026 bis 2028 angekündigt hatte, dürfte in diesem Zusammenhang stärker in den Fokus rücken – das Programm zielt auf das strategische „Human x Car x Home“-Ökosystem in Europa ab und markiert einen langfristigen Wachstumspfad jenseits des klassischen Smartphone-Geschäfts.