Xiaomi hat diese Woche eine neue Version seines selbst entwickelten Xring-Handychips vorgestellt und arbeitet dafür laut Reuters mit dem Auftragsfertiger TSMC zusammen. Der Schritt soll die Lieferkette stärken und die Abhängigkeit von externen Chipzulieferern verringern.
Für mich ist das die eigentlich bemerkenswerte Nachricht dieser Tage – bemerkenswerter als die Quartalszahlen, die vor gut einer Woche für Aufsehen sorgten und den Kurs seither um 11,1 % nach oben trieben.
Warum? Weil die Chip-Strategie zeigt, wohin Xiaomi mittelfristig will, während die Zahlen zum zweiten Quartal 2026 offenlegen, wie hart der Weg dorthin gerade ist. Das Unternehmen meldete einen Nettogewinnrückgang von 20,5 % auf 9,46 Milliarden Yuan, der Umsatz sank auf 108,92 Milliarden Yuan.
Reuters bezifferte den Rückgang des bereinigten Nettogewinns sogar auf 42,6 % auf 6,2 Milliarden Yuan bei einem Umsatzminus von 6,1 %. Bloomberg berichtete, die Gewinnschwäche hänge mit einem anhaltenden globalen Speicherengpass zusammen – der bereinigte Gewinn sei im Juni-Quartal stärker gefallen als erwartet.
Zwei Baustellen gleichzeitig
Unterm Strich kämpft Xiaomi an zwei Fronten. Erstens: Das Smartphone-Geschäft leidet unter höheren Speicherpreisen und schwächerem Absatz im Mittel- und Einstiegssegment, wie Bloomberg berichtete.
Interessant ist dabei ein Detail aus einem Bericht, der sich auf Angaben von Lei Jun stützt: Der durchschnittliche Verkaufspreis der Smartphones stieg im Quartal um 25,9 % auf 1.351 Yuan, das Telefon×AIoT-Geschäft erlöste 84 Milliarden Yuan.
Xiaomi verkauft also weniger Geräte, aber teurer – eine Strategie, die kurzfristig Margen retten kann, langfristig aber Marktanteile kosten dürfte, wenn günstigere Konkurrenten nachziehen.
Zweitens bleibt die EV-Sparte ein Verlustbringer. Das Segment „Smart EV, AI and Other New Initiatives“ erzielte im Quartal einen Umsatz von 24,9 Milliarden Yuan, verbuchte aber erneut einen operativen Verlust von 2,6 Milliarden Yuan. Das ist für mich der Knackpunkt der gesamten Investmentstory: Xiaomi finanziert den teuren Aufbau seines Elektroautogeschäfts aus einem Smartphone-Kerngeschäft, das selbst unter Druck steht.
Die Chip-Karte als Trumpf
Genau vor diesem Hintergrund gewinnt die Chip-Nachricht an Gewicht. TechNode berichtete, der nächste selbst entwickelte Chip stehe kurz vor der Veröffentlichung, ein konkretes Datum nannte Lei Jun nicht.
Bemerkenswert finde ich den Anstieg der Forschungs- und Entwicklungsausgaben um 18,9 % auf 9,2 Milliarden Yuan im Quartal – Xiaomi investiert also mitten in der Gewinnkrise kräftig in die eigene Halbleiterkompetenz. Das spricht dafür, dass das Management die Chip-Souveränität als strategische Priorität behandelt, nicht als Marketing-Gag. Wer eigene Prozessoren fertigt, wird unabhängiger von geopolitischen Lieferkettenrisiken und kann Margen im Highend-Segment besser verteidigen.
Auf der anderen Seite bleibt die Zeitachse vage, und ein Chip allein löst weder das Speicherpreis-Problem noch die EV-Verluste. Die Managementebene zeigte sich zuletzt ohnehin in Bewegung: Liu Hao trat als gemeinsamer Company Secretary zurück, Gao Yuan wurde mit Wirkung zum 18. August zur Joint Company Secretary ernannt – ein organisatorisches Detail, das ich nicht überbewerten würde, das aber zeigt, wie viel derzeit intern in Bewegung ist.
Mein Fazit
Der Kurs hat sich seit den Zahlen deutlich erholt und notiert aktuell bei 3,10 Euro, nahe dem 100-Tage-Durchschnitt von 3,09 Euro, aber weiterhin rund 53 % unter dem 52-Wochen-Hoch von 6,54 Euro. Das zeigt: Der Markt preist die Erholungsgeschichte längst nicht vollständig ein.
Für mich überwiegen die Chancen leicht gegenüber den Risiken, weil die Chip-Strategie ein echtes strukturelles Argument liefert, während die Ergebnisschwäche größtenteils auf externe Faktoren wie Speicherpreise zurückgeht.
Die EV-Verluste bleiben aber der wunde Punkt, den Anleger im Blick behalten sollten – hier entscheidet sich, ob Xiaomi seine Diversifizierung stemmen kann, ohne das Kerngeschäft zu überfordern.
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