Starke Ambitionen, schwache Kurse — bei Xiaomi klaffen Realität und Stimmung auseinander. Der Technologiekonzern treibt seine Expansion im Automarkt voran. Eine neue Submarke soll frische Käufer anlocken. Die Strategie birgt hohe Risiken. Das Segment für Autos mit Reichweitenverlängerer schwächelt massiv.

Neue Marke, neue Lieferanten

Xiaomi hat die behördliche Zulassung für sogenannte Range-Extender-Fahrzeuge erhalten. Die neue Submarke heißt Skynomad. Das erste Modell, der N90, startet im vierten Quartal 2026. Der riesige SUV richtet sich gezielt an die wachsende Glamping-Zielgruppe.

Für die Batterieproduktion ordnet der Konzern seine Lieferketten neu. Sunwoda und CALB lösen die bisherigen Hauptlieferanten CATL und BYD ab. Der N90 soll eine Gesamtreichweite von rund 1.500 Kilometern erzielen. Die Preisspanne liegt voraussichtlich zwischen 200.000 und 450.000 Yuan.

Das Timing überrascht. Der EREV-Markt steht massiv unter Druck. Die branchenweiten Großhandelsverkäufe brachen im Mai um fast ein Viertel ein. Das ist der stärkste Rückgang seit fünf Jahren.

Elektro-Sparte verbrennt Geld

Die Expansion kommt aus der Not heraus. Das Autogeschäft schreibt tiefrote Zahlen. Im ersten Quartal 2026 verbuchte die Sparte einen operativen Verlust von 3,1 Milliarden Yuan. Xiaomi verliert pro ausgeliefertem Fahrzeug rund 5.600 US-Dollar.

Auch das Jahresziel wackelt bedenklich. Der Konzern will dieses Jahr 550.000 Elektroautos ausliefern. Bis Ende Mai waren es aber erst gut 150.000 Einheiten. Das Unternehmen müsste den Absatz massiv steigern.

Die Folge: Erste Analysten ziehen die Reißleine. Die Investmentbank Jefferies senkte ihre Jahresprognose bereits auf 495.000 Fahrzeuge.

Kerngeschäft schwächelt

Parallel zur Auto-Krise leidet das Kerngeschäft. Globale Lieferengpässe bei Speicherchips treiben die Komponentenkosten in die Höhe. Das drückt stark auf die Margen. Im ersten Quartal brach der bereinigte Nettogewinn um 43 Prozent ein.

Die Smartphone-Auslieferungen fielen auf unter 34 Millionen Einheiten. Das entspricht einem Minus von fast 20 Prozent. Unter den fünf weltweit führenden Marken ist das der stärkste Rückgang.

Aktie extrem überverkauft

An der Börse spiegeln sich diese Probleme wider. Die Xiaomi-Aktie notiert aktuell bei 2,48 Euro. Damit bewegt sie sich nur knapp über ihrem kürzlich markierten 52-Wochen-Tief. Seit Jahresbeginn beläuft sich der Kursverlust auf fast 45 Prozent.

Der Abstand zur 200-Tage-Linie beträgt mittlerweile über 38 Prozent. Mit einem RSI-Wert von 22,6 gilt das Papier als stark überverkauft. Selbst ein gigantisches Aktienrückkaufprogramm konnte den Verkaufsdruck bisher nicht stoppen. Leerverkäufer wetten weiterhin auf fallende Kurse.

Der Konzern investiert dieses Jahr rund 40 Milliarden Renminbi in Forschung und Entwicklung. Am 26. August präsentiert Xiaomi die offiziellen Zahlen für das zweite Quartal. Dann muss das Management beweisen, dass die teure Expansion den Abwärtstrend umkehren kann.