Xiaomi hat ein Problem: Das Elektroauto-Geschäft läuft dem Jahresziel deutlich hinterher. Statt die Preise zu senken, setzt der Konzern jetzt auf Finanzierungsanreize. Die Aktie reagiert am Donnerstag positiv, das strukturelle Problem bleibt trotzdem bestehen.
Der Titel notiert aktuell bei 2,57 Euro und legt um 3,26 Prozent zu. Am Mittwoch hatte die Aktie noch bei 2,49 Euro geschlossen. Auf Wochensicht steht ein Plus von 3,63 Prozent zu Buche – ein kleiner Lichtblick in einem ansonsten schwachen Jahr.
Neue Finanzierungsangebote statt Rabatte
Xiaomi rollte am Mittwoch eine neue Runde von Kaufsubventionen aus. Der Konzern setzt bewusst auf Finanzierungsanreize statt auf direkte Preissenkungen. Der Grund: Die Auslieferungen bleiben deutlich hinter dem Tempo zurück, das für das Jahresziel von 550.000 Fahrzeugen nötig wäre.
Für die zweite Jahreshälfte müsste sich das Auslieferungstempo gegenüber dem zuletzt erreichten Niveau nahezu verdoppeln. Käufer des SUV YU7 können bei Fahrzeugen aus dem Bestand zwischen einer Versicherungssubvention von 6.000 Yuan und einem Finanzierungspaket mit Raten ab 2.560 Yuan im Monat wählen. Dazu kommt ein Lackierungs-Gutschein über 3.000 Yuan.
Für die neue SU7-Generation hat Xiaomi einen separaten „Easy Repayment“-Plan aufgelegt. Käufer zahlen eine Anzahlung von 49.900 Yuan, die erste Jahresrate liegt bei monatlich nur 538 Yuan. Das Angebot gilt für Bestellungen bis zum 31. Juli.
Der Plan tilgt jährlich einen Teil der Hauptsumme über fünf Jahre. Die monatliche Rate sinkt dabei von Jahr zu Jahr – von 538 Yuan im ersten bis auf 108 Yuan im fünften Jahr. Eine größere Abschlusszahlung gleicht das jeweils aus.
Bemerkenswert: Xiaomi vermeidet offensive Preissenkungen. Das Unternehmen verteidigt damit seine Premium-Positionierung gegenüber Tesla und heimischen Rivalen. Bereits im März hatte der Konzern ähnliche Programme aufgelegt, damals mit einer siebenjährigen zinsgünstigen Finanzierung für den YU7 und einem Vorteilspaket für den SU7 Ultra im Wert von bis zu 49.000 Yuan.
Margen unter Druck, Chipmangel verschärft die Lage
Die Rabattoffensive hat auch strukturelle Gründe. Das Management hat bereits signalisiert, dass die Automobilmargen 2026 möglicherweise nicht über dem Vorjahresniveau liegen werden. Der Wegfall der Kfz-Kaufsteuererleichterung und ein geringerer Anteil margenstarker SU7-Ultra-Auslieferungen belasten das Geschäft.
Der durchschnittliche Verkaufspreis über beide Baureihen lag im ersten Quartal 2026 bei rund 235.000 Yuan. Hinzu kommt ein globaler Speicherchip-Engpass, der vor allem das Smartphone-Geschäft trifft, aber auch die Elektroauto-Sparte belastet.
Gartner projiziert, dass dieser Engpass die weltweiten Smartphone-Lieferungen 2026 um 8,4 Prozent reduziert. Die durchschnittlichen Smartphone-Preise dürften gegenüber 2025 um 13 Prozent steigen. Ein Gartner-Analyst rechnet erst Ende 2027 mit einer regionalen Preisberuhigung.
Charttechnik zeigt überverkaufte Lage
Die Xiaomi-Aktie bewegt sich weiterhin nahe ihrem 52-Wochen-Tief von 2,34 Euro, erreicht am 26. Juni. Der aktuelle Kurs liegt knapp zehn Prozent darüber. Seit Jahresbeginn beträgt der Rückgang 42,78 Prozent, auf Zwölf-Monats-Sicht sogar 60,63 Prozent.
Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt von 3,99 Euro liegt bei 35,55 Prozent. Der RSI von 32,9 signalisiert eine überverkaufte Marktlage – ein Faktor, der kurzfristige Erholungsbewegungen wie die vom Donnerstag begünstigen kann.
Die kommenden monatlichen Auslieferungszahlen werden zeigen, ob die neuen Finanzierungsanreize tatsächlich Wirkung zeigen. Bis zum Jahresende muss Xiaomi das Auslieferungstempo drastisch steigern, um die Lücke zum Ziel von 550.000 Fahrzeugen zu schließen.
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