Starke Nachfrage, schwache Kurse — bei Xiaomi klaffen Ambitionen und Börsenstimmung gerade weit auseinander. Der Konzern startet einen KI-Agenten, holt sich die Zulassung für einen neuen Fahrzeugtyp und legt das größte Aktienrückkaufprogramm seiner Geschichte auf. Der Markt reagiert mit Verkäufen.
Die Aktie notiert bei 2,71 Euro — knapp über dem 52-Wochen-Tief von 2,67 Euro. Seit Jahresbeginn beträgt der Verlust fast 40 Prozent. Das Hoch vom vergangenen Sommer bei 6,69 Euro liegt 59 Prozent entfernt.
Jefferies und Goldman ziehen die Reißleine
Jefferies stufte Xiaomi auf „Underperform“ herab und nannte drei Gründe: nachlassende EV-Verkäufe, schrumpfende Smartphone-Margen und steigende Komponentenkosten. Das EBIT brach im ersten Quartal um 70 Prozent ein. Das neue Kursziel liegt bei 25,49 HKD — umgerechnet rund 2,82 Euro.
Goldman Sachs warnt zusätzlich, dass der Q2-Bericht einen 50-prozentigen Einbruch beim bereinigten Nettogewinn zeigen könnte. Im Smartphone-Geschäft drücken teure Speicherchips die Bruttomarge auf 10,1 Prozent. Wenig Spielraum.
Das Management stemmt sich dagegen: Seit dem 2. Juni läuft ein Rückkaufprogramm mit einem Volumen von bis zu HK$20 Milliarden. Unter dem Vorgängerprogramm hatte Xiaomi bereits knapp 400 Millionen Aktien für rund HK$14,6 Milliarden zurückgekauft. Der Kurs zuckte trotzdem nicht nach oben.
EREV-Zulassung und der Skynomad-SUV
Im Automobilbereich vollzieht Xiaomi einen klaren Schwenk. Das chinesische Industrieministerium MIIT genehmigte, Extended-Range Electric Vehicles in das Portfolio aufzunehmen. Bislang produzierte Xiaomi Auto ausschließlich reine Batteriefahrzeuge — die SU7-Limousine und den YU7-SUV.
Das erste EREV-Modell heißt Kunlun N3: ein Fullsize-SUV mit über 5,3 Metern Länge, einem 1,5-Liter-Reichweitenverlängerer und einer Gesamtreichweite von rund 1.500 Kilometern. Xiaomi vermarktet ihn unter der neuen Submarke Skynomad — bewusst getrennt vom sportlichen Hauptmarken-Image.
Der Preis soll bei rund 200.000 Yuan liegen. Li Auto und Aito starten ihre vergleichbaren Modelle ab 250.000 Yuan. Das ist der Hebel, mit dem Xiaomi den Markt aufbrechen will.
Lieferziel gerät ins Wanken
Das Timing ist heikel. Das Jahresziel von 550.000 Fahrzeugen — 34 Prozent mehr als 2025 — wirkt zunehmend ambitioniert. In den ersten fünf Monaten 2026 lieferte Xiaomi Auto zwischen 140.000 und 150.000 Einheiten aus. Das entspricht einem Wachstum von nur 13,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Ausgerechnet jetzt schrumpft der chinesische EREV-Markt um nahezu 25 Prozent. Xiaomi steigt also in ein Segment ein, das gerade Gegenwind hat — und setzt dabei auf Preisführerschaft als einzigen Trumpf.
Der RSI liegt bei 25,7 und signalisiert technisch überverkauftes Terrain. Den nächsten konkreten Belastungstest liefern die Q2-Zahlen — Goldman Sachs erwartet dort einen Gewinneinbruch, der die Diskussion um das Lieferziel und die Margenschwäche neu entfachen dürfte.
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