Xiaomi hat den Startschuss für seinen Automarkt in Europa offiziell gegeben. Ein neues globales Web-Portal sowie eigene Social-Media-Kanäle für die Fahrzeugsparte markieren den Auftakt zum geplanten Markteintritt in der zweiten Jahreshälfte 2027. Die Aktie reagierte am Freitag mit einem Plus von 2,4 Prozent auf 3,07 Euro.

SUV-Offensive und eigener Chip als Fundament

Parallel zur Europa-Ankündigung verdichten sich die Pläne für das erste SUV-Modell des Konzerns. Unter dem Namen YU7 mit dem internen Projektnamen MX11 soll das Fahrzeug auf der 800-Volt-Modena-Plattform basieren. Optisch orientiert sich das Modell am Ferrari Purosangue, positioniert wird es jedoch klar gegen das Tesla Model Y. Damit greift Xiaomi einen der umkämpftesten Bereiche im globalen Elektroauto-Markt an.

Ergänzt wird die Produktoffensive durch den Xring D100, den ersten selbst entwickelten Chip für autonomes Fahren. Mit dem Baustein will Xiaomi die vertikale Integration in der EV-Sparte erhöhen und die Abhängigkeit von externen Zulieferern reduzieren.

Auf der Chengdu Motor Show präsentierte die Automobilsparte zudem die neue Submarke SkyNomad für SUVs mit Range-Extender-Technologie, angeführt von den Modellen N70 Max und dem Flaggschiff N90 Max. Kurzzeitig belastet wurde die Stimmung durch Medienberichte über eine Rückrufaktion wegen technischer Probleme bei bündig abschließenden Türgriffen.

Zahlen zeigen Fortschritt, aber noch Verluste

Die jüngsten Quartalszahlen liefern ein gemischtes Bild. Der Konzernumsatz stieg im zweiten Quartal 2026 auf 108,9 Milliarden Renminbi, umgerechnet 16,2 Milliarden Dollar. Die Automobilsparte konnte ihren operativen Verlust von 3,1 auf 2,6 Milliarden Renminbi verringern.

Gleichzeitig sank die Bruttomarge im Fahrzeuggeschäft deutlich von 26,4 auf 19,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr – ein Hinweis darauf, dass Wachstum und Skalierung derzeit auf Kosten der Profitabilität gehen.

Ein Meilenstein gelang bei den Auslieferungen: Die Elektro-Limousine SU7 überschritt innerhalb von 28,5 Monaten seit Verkaufsstart die Marke von 500.000 ausgelieferten Einheiten. Das unterstreicht, dass die Nachfrage trotz Margendruck robust bleibt.

Auf Führungsebene gab es zudem einen Wechsel: Liu Hao trat als Joint Company Secretary zurück, Gao Yuan, zuvor Director Investor Relations, übernahm die Position mit sofortiger Wirkung.

Kursbild bleibt angeschlagen

Trotz der operativen Fortschritte im Automobilgeschäft bleibt der Kursverlauf schwach. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 29 Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht sogar von 48 Prozent. Zum 52-Wochen-Hoch von 6,54 Euro, erreicht im September 2025, beträgt der Abstand 53 Prozent.

Immerhin liegt der Kurs gut 31 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 2,34 Euro, das erst im Juni markiert wurde. Die Volatilität von 58 Prozent auf 30-Tage-Sicht signalisiert, dass die Aktie weiterhin stark schwankt – Anleger sollten die Nachrichtenlage rund um die Europa-Expansion und die Margenentwicklung im Automobilgeschäft daher genau verfolgen.