Xiaomi hat am 27. Juli gleich zwei Nachrichten gleichzeitig geliefert: Der Konzern präsentierte mit den Modellen N90 und N70 zwei neue Elektroautos aus der SkyNomad-Serie – und am selben Tag feierte der Speicherchip-Hersteller CXMT (ChangXin Memory Technologies) sein Börsendebüt in Shanghai. Xiaomi ist an CXMT als früher Investor mit einer Minderheitsbeteiligung engagiert, weshalb der spektakuläre Handelsstart des Chipherstellers auch für die Xiaomi-Aktie Aufmerksamkeit erzeugte.
CXMT-Debüt sorgt für Aufsehen
Der Ausgabepreis der CXMT-Aktie lag bei 8,66 Yuan, im frühen Handel schoss der Kurs auf bis zu 55,03 Yuan – je nach Quelle ein Plus von rund 466 bis 535 Prozent. CXMT avancierte damit zum wertvollsten Unternehmen Chinas nach Marktkapitalisierung. Für Xiaomi ist die Beteiligung an CXMT vor allem strategisch interessant, da der Konzern als Abnehmer von Speicherchips für seine Smartphones und Elektronikgeräte auftritt. Parallel dazu rückte die neue SkyNomad-Baureihe in den Fokus: Mit den Modellen N90 und N70 erweitert Xiaomi sein Elektroauto-Portfolio, nachdem das Unternehmen sich in den vergangenen Quartalen zunehmend als Autohersteller positioniert hat.
Quartalszahlen zeigen deutlichen Gewinnrückgang
Die zuletzt veröffentlichten Geschäftszahlen für das erste Quartal 2026, die Ende Mai vorgelegt wurden, offenbarten allerdings erheblichen Gegenwind. Der Umsatz sank auf 99.142 Millionen Yuan, ein Rückgang von 10,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Deutlich stärker traf es den Gewinn: Der Nettogewinn brach um 56,8 Prozent auf 4.723 Millionen Yuan ein, nachdem im Vorjahresquartal noch 10.924 Millionen Yuan zu Buche standen. Besonders das Smartphone-Geschäft, traditionell das Kerngeschäft von Xiaomi, litt mit einem Umsatzminus von 12,6 Prozent auf 44.273 Millionen Yuan.
Nicht alle Bereiche entwickelten sich negativ. Im AIoT-Segment, das vernetzte Geräte umfasst, zählte Xiaomi 1.119 Milliarden verbundene Endgeräte, ein Zuwachs von 18,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch die Zahl der monatlich aktiven Nutzer legte um 3,8 Prozent auf 746,2 Millionen zu. Diese Kennzahlen deuten darauf hin, dass Xiaomi seine Plattform- und Ökosystem-Strategie trotz schwächelndem Smartphone-Absatz weiter ausbauen kann. Anleger richten den Blick nun auf den 18. August, wenn Xiaomi die nächsten Quartalszahlen vorlegen will – dann dürfte sich zeigen, ob sich der Gewinnrückgang fortsetzt oder ob die neuen Automodelle und das AIoT-Wachstum erste Entlastung bringen.
Rückkaufprogramm und Gespräche mit Stellantis
Im Hintergrund läuft seit Ende Januar ein Aktienrückkaufprogramm, für das Xiaomi mit einem unabhängigen Broker eine Vereinbarung über bis zu 2,5 Milliarden Hongkong-Dollar, umgerechnet rund 295 Millionen Euro, geschlossen hatte. Das Programm sollte bis zur Hauptversammlung 2026 oder bis zum Erreichen der Zielsumme laufen; die Hongkonger Börse hatte dafür eine Ausnahmegenehmigung für Rückkäufe während sogenannter Restricted Periods erteilt.
Zusätzliche Fantasie liefern Berichte von Bloomberg, wonach der Autokonzern Stellantis im März mit Xiaomi und Xpeng über eine mögliche Kooperation im Elektroauto-Geschäft verhandelt habe. Im Gespräch sollen Technologietransfer, Produktionskapazitäten in Europa und sogar Beteiligungen an europäischen Marken wie Maserati gewesen sein. Eine Vereinbarung ist bislang nicht bestätigt, die Gespräche gelten als offen.
Aktie bleibt unter Druck
An der Börse spiegelt sich die gemischte Nachrichtenlage in einem volatilen Kursverlauf wider. Am Freitag schloss die Aktie bei 3,04 Euro, ein Plus von 2,13 Prozent gegenüber dem Vortag. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Verlust von 29,83 Prozent zu Buche – ein Hinweis darauf, dass die einzelnen positiven Meldungen der vergangenen Wochen die grundsätzliche Schwäche des Jahres bislang nicht ausgleichen konnten. Der Nettogewinneinbruch im ersten Quartal und der anhaltende Rückgang im Smartphone-Geschäft belasten das Anlegervertrauen weiterhin, während die Elektroauto-Sparte und die CXMT-Beteiligung als mögliche Wachstumstreiber für die Zukunft gelten. Ob sich dieser Spagat zwischen etabliertem, schrumpfendem Kerngeschäft und neuen Wachstumsfeldern in den kommenden Quartalszahlen zugunsten von Xiaomi auflöst, bleibt die entscheidende Frage für Investoren.
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