Starke Nachfrage, schwache Kurse — bei Xiaomi klaffen Anspruch und Realität auseinander. Das Elektroauto-Geschäft verbrennt weiter Geld, das Auslieferungsziel für 2026 rückt in weite Ferne. Und die Aktie notiert auf einem neuen 52-Wochen-Tief.

Liefertempo reicht nicht

Xiaomi hat für 2026 ein Auslieferungsziel von 550.000 Fahrzeugen ausgegeben. In den ersten fünf Monaten des Jahres kamen jedoch nur rund 147.600 Einheiten zusammen — knapp 27 Prozent des Jahreszielwerts.

Die Rechnung ist ernüchternd. Von Juni bis Dezember müsste Xiaomi monatlich etwa 57.500 Fahrzeuge ausliefern. Der bisherige Monatsrekord liegt bei 50.000 Einheiten — erzielt im Dezember 2025. Im Mai 2026 lieferte Xiaomi mehr als 30.000 Fahrzeuge aus. Exakte Zahlen nannte der Konzern nicht.

EV-Sparte zurück in der Verlustzone

Die Q1-Zahlen zeigen das Ausmaß der finanziellen Belastung. Die EV-Sparte erzielte einen Umsatz von 19,9 Milliarden Yuan, schrieb aber einen operativen Verlust von 3,1 Milliarden Yuan. Das entspricht einem Verlust von rund 5.600 US-Dollar je verkauftem Fahrzeug.

Die Bruttomarge sank auf 20,1 Prozent — nach 23,2 Prozent im Vorjahreszeitraum. Xiaomi nennt drei Gründe: staatliche Subventionen bei der Fahrzeugkaufsteuer, ein geringerer Anteil des margenstarken Modells SU7 Ultra und steigende Komponentenpreise. Damit kehrt die Sparte in die Verlustzone zurück, nachdem sie im Gesamtjahr 2025 erstmals ein operatives Plus erzielt hatte.

Neue Modelle, neue Hoffnung?

Am 21. Mai lancierte Xiaomi die YU7 Standard Edition und die YU7 GT. Das Standardmodell kostet 233.500 Yuan und bietet eine Reichweite von 643 Kilometern. Käufer, die vor dem 30. Juni bestellen, erhalten ein Fünfjahres-Niedrigzinsdarlehen und kostenlosen Zugang zum HAD-System.

Xiaomi EV spricht von einem außergewöhnlich hohen Liefertempo für die YU7-Serie. Lagerfahrzeuge sollen Käufer innerhalb weniger Stunden erreichen. Ob das reicht, um das Jahresziel noch zu retten, bleibt fraglich.

Kurs auf Talfahrt

Die Aktie notiert bei 2,81 Euro — nur knapp über dem 52-Wochen-Tief von 2,76 Euro. Seit dem Jahreshöchststand im Juni 2025 hat der Titel rund 58 Prozent verloren. Der RSI liegt bei 29,1 und zeigt eine technisch überverkaufte Lage.

Goldman Sachs erwartet für Q2 2026 lediglich ein Prozent Umsatzwachstum. Der bereinigte Nettogewinn soll demnach um 50 Prozent auf 5,4 Milliarden Renminbi einbrechen. Den nächsten konkreten Datenpunkt liefert Xiaomi voraussichtlich am 26. August 2026 mit den Q2-Zahlen — dann zeigt sich, ob die monatlichen Auslieferungen das nötige Tempo aufgenommen haben.