Starke Visionen, schwache Kurse — bei Xiaomi klaffen Realität und Stimmung weit auseinander. Der Konzern bereitet den Start seiner neuen Automobil-Submarke „Sky Nomad“ vor. Das erste Modell bietet ein integriertes Dachzelt und enorme Reichweiten. An der Börse herrscht derweil Panik. Die Aktie notiert gefährlich nah an ihrem 52-Wochen-Tief.

Angriff im Glamping-Segment

Mit Sky Nomad zielt Xiaomi auf Outdoor-Enthusiasten. Das erste Modell trägt den internen Namen N90. Der über 5,30 Meter lange Fullsize-SUV nutzt ein Reichweitenverlängerungs-System. Ein 1,5-Liter-Turbomotor lädt das große Akkupaket während der Fahrt auf. So steigt die rein elektrische Reichweite von rund 500 Kilometern auf über 1.500 Kilometer.

Der Offroader punktet mit Allradantrieb, Luftfederung und einem auffälligen Dach-Loft. Ein LiDAR-System steuert die Fahrassistenz. Die offizielle Präsentation planen die Chinesen für das vierte Quartal 2026. Branchenkenner erwarten Verkaufspreise von bis zu 450.000 Yuan. Damit greift Xiaomi die Platzhirsche Li Auto und Aito im Premium-Segment direkt an.

Gewinne brechen ein

Trotz der Produktoffensive verliert die Aktie massiv an Wert. Der Grund liegt im Kerngeschäft. Xiaomis bereinigter Nettogewinn brach im ersten Quartal um über 43 Prozent ein. Die Ursache: explodierende Preise für Speicherchips. Smartphone-DRAM kostet mittlerweile das Fünffache. Bei TV-Speichern haben sich die Raten sogar verzehnfacht.

Der Konzern investiert dennoch weiter aggressiv. Die Forschungsausgaben stiegen auf neun Milliarden Yuan. Über 26.000 Mitarbeiter arbeiten mittlerweile in der Entwicklungsgruppe.

Sie sollen das straffe Wachstumsprogramm stützen. Das Management peilt für dieses Jahr 550.000 ausgelieferte Fahrzeuge an. Dieses Ziel wackelt allerdings gewaltig. Bis Ende Mai übergab Xiaomi nur rund 150.000 Einheiten an Kunden. Das bisherige Tempo reicht kaum aus.

Bodenlose Talfahrt an der Börse

Anleger quittieren diese Gemengelage mit einem gnadenlosen Abverkauf. Die Xiaomi-Aktie schloss am Mittwoch bei 2,56 Euro. Damit trennen das Papier keine zwei Prozent mehr vom 52-Wochen-Tief. Seit Jahresbeginn halbierte sich der Börsenwert beinahe. Ein RSI-Indikator von 22 signalisiert einen stark überverkauften Zustand.

Selbst milliardenschwere Stützungskäufe verpuffen wirkungslos. Xiaomi startete Anfang Juni ein neues Rückkaufprogramm über 20 Milliarden Hongkong-Dollar. Schon das vorherige Mandat verschlang enorme Summen. Den Abwärtstrend stoppte das Kapital nicht. Im Gegenteil. Leerverkäufer setzen auf weitere Kursverluste und halten derzeit rund neun Prozent des Streubesitzes.

Die kommenden Monate verlangen dem Management viel ab. Um die Investoren zu beruhigen, muss Xiaomi die Auslieferungszahlen im zweiten Halbjahr drastisch steigern. Gelingt das nicht, droht der Aktie der finale Rutsch unter die charttechnische Unterstützung bei 2,51 Euro. Der Erfolg des N90 im Winter wird dann zur reinen Nebensache.