Starke Nachfrage, schwache Kurse — bei Xiaomi klaffen Realität und Börsenstimmung weit auseinander. Das Unternehmen baut sein Automobilgeschäft ambitioniert aus, während Goldman Sachs vor einem weiteren Gewinneinbruch warnt. Der Kurs notiert knapp über dem Jahrestief.
Goldman Sachs erwartet 50 Prozent weniger Gewinn
Im August legt Xiaomi seinen Quartalsbericht vor. Goldman Sachs rechnet damit, dass der bereinigte Nettogewinn im zweiten Quartal um bis zu 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr einbricht. Der Druck kommt von mehreren Seiten.
Die Forschungs- und Entwicklungsausgaben sprangen im ersten Quartal um 33 Prozent auf 9 Milliarden Yuan. Das signalisiert: Xiaomi investiert massiv in den Automobilbereich. Die Rendite bleibt ungewiss.
Zulassung für Reichweitenverlängerer — neues Segment, schwieriger Markt
Chinas Ministerium für Industrie und Informationstechnologie hat Xiaomis Automobileinheit die Genehmigung zur Produktion von Elektrofahrzeugen mit Reichweitenverlängerer erteilt. Die Kommentierungsfrist läuft bis zum 17. Juni, danach folgt die endgültige Bestätigung.
Bislang verkauft Xiaomi ausschließlich reine Batteriefahrzeuge wie den SU7 und YU7. Mit der neuen Zulassung will das Unternehmen das familienorientierte SUV-Segment erschließen. Dafür plant Xiaomi eine eigene Submarke namens Skynomad — um die sportliche Identität der bestehenden Modelle zu schützen.
Das erste Modell trägt den internen Codenamen Kunlun N3. Der SUV ist über 5,3 Meter lang, verfügt über eine Batterie mit mehr als 70 kWh und soll rein elektrisch 400 bis 500 Kilometer weit fahren. Der Marktstart ist für die zweite Jahreshälfte 2026 geplant.
Der Einstieg trifft allerdings auf einen schwachen Markt. Die Großhandelsverkäufe von Reichweitenverlängerern in China brachen im Mai um fast 25 Prozent ein — der stärkste monatliche Rückgang seit fünf Jahren. Marktführer Li Auto verzeichnete beim Flaggschiff L9 in den ersten vier Monaten 2026 einen Auslieferungsrückgang von 74 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Lieferziel 550.000 Fahrzeuge — der Zeitplan ist eng
Von Januar bis Mai lieferte Xiaomi rund 150.000 Fahrzeuge aus, ein Plus von 13,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Mai waren es 32.759 Einheiten — 17 Prozent mehr als im Vorjahresmonat, aber 10,7 Prozent weniger als im April.
Xiaomi will 2026 insgesamt 550.000 Fahrzeuge ausliefern. Zwei EREV-Modellstarts sollen noch vor Jahresende helfen, diese Marke zu erreichen. Das Tempo muss deutlich anziehen.
Die Aktie notiert bei 2,89 Euro — nur 2,5 Prozent über dem 52-Wochen-Tief vom 11. Juni. Auf Jahressicht hat der Kurs mehr als die Hälfte seines Werts verloren. Xiaomi kaufte zuletzt 7,8 Millionen eigene Aktien zurück, Teil eines Programms mit einem Volumen von bis zu 20 Milliarden Hongkong-Dollar. Den Kurs hat das bislang nicht stabilisiert.
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