Die indische Betrugsbehörde SFIO empfiehlt eine vertiefte Untersuchung von Xiaomis Indien-Geschäft. Das geht aus einem Memorandum vom Mai 2026 hervor, dessen Genehmigung durch das Ministry of Corporate Affairs noch aussteht.

Geprüft werden sollen Geldflüsse, die Einhaltung indischer Regeln für ausländische Direktinvestitionen sowie die tatsächlichen wirtschaftlich Berechtigten des Konzerns. Auch das E-Commerce-Modell über Amazon und Flipkart gerät ins Visier der Ermittler.

Xiaomi weist die Vorwürfe zurück. Man sei von keiner Behörde offiziell benachrichtigt worden und halte sich an alle geltenden Gesetze, teilte das Unternehmen mit. Der Fall reiht sich in eine längere Geschichte von Spannungen mit Indiens Aufsicht ein: Bereits 2022 fror die Regierung umgerechnet rund 584 Millionen US-Dollar an Bankguthaben von Xiaomi ein, ein Streit, der bis heute nicht endgültig gelöst ist.

Ein Markt, der sich Xiaomi entzieht

Die Untersuchung trifft Xiaomi ausgerechnet in einer Phase, in der das Unternehmen in Indien bereits deutlich an Boden verliert. Der Smartphone-Marktanteil ist von einst 19 Prozent auf 13 Prozent gesunken, Xiaomi liegt damit nur noch auf Platz vier.

Der Umsatz in Indien brach 2025 auf 2,52 Milliarden US-Dollar ein, ein Rückgang von 40 Prozent gegenüber dem Niveau vor drei Jahren. Digitimes brachte es auf den Punkt: Die Ermittlungen träfen Xiaomi genau an seiner schwächsten Stelle, in einem Markt, den das Unternehmen einst anführte und der nun um es herum schrumpft.

Die politische Großwetterlage bleibt ambivalent. Zwar lockerte Indien im März Beschränkungen für chinesische Investitionen in Bereichen wie Elektronik, Kapitalgütern und Solarzellen, und ein Joint Venture zwischen Dixon und Vivo erhielt grünes Licht.

Gleichzeitig liegen Investitionsvorhaben von BYD und Great Wall Motor weiter auf Eis, ein Antrag von Alipay für Indiens Instant-Payment-System wurde aus Gründen der nationalen Sicherheit abgelehnt. Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping reist am Wochenende zum BRICS-Gipfel nach Neu-Delhi, es wäre sein erster Indien-Besuch seit sieben Jahren.

Ob es dabei zu einem Treffen mit Premierminister Modi kommt, ist bislang unbestätigt. Trotz diplomatischer Annäherung bleiben die Geschäftsbeziehungen von Misstrauen geprägt, wie Peking weiterhin Ausrüstung und Visa zurückhält.

Kapitalmarkt reagiert nervös

Die Aktie zeigt sich von der Gemengelage belastet. Aktuell notiert das Papier bei 2,83 Euro und büßt am heutigen Donnerstag 1,1 Prozent ein. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 35 Prozent zu Buche, ein Ausmaß, das die Verunsicherung der Anleger über die Indien-Risiken und die allgemeine Wettbewerbslage widerspiegelt.

Für Anleger bleibt die Gemengelage komplex: Auf der einen Seite steht ein schrumpfender, aber einst zentraler Wachstumsmarkt, auf der anderen eine regulatorische Untersuchung, deren Ausgang offen ist. Solange das Ministerium keine Entscheidung über die Genehmigung der SFIO-Empfehlung trifft, dürfte die Unsicherheit über Xiaomis Indien-Geschäft anhalten.