Morgen Abend schraubt Xiaomis CEO persönlich an einem Elektroauto herum — live, vor der Kamera, fünf Stunden lang. Lei Jun kündigt für den 2. April ab 19 Uhr einen Livestream an, in dem er den überarbeiteten SU7 Stück für Stück demontiert. Das Format ist ungewöhnlich. Und es ist kein Zufall.

Bereits im Januar hatte Lei Jun den SUV-Prototyp YU7 auf dieselbe Weise zerlegt — als Reaktion auf virale Kritik an der Verarbeitungsqualität von Xiaomi-Fahrzeugen. Damals wie jetzt geht es um Glaubwürdigkeit: Wer sein eigenes Produkt öffentlich auseinandernimmt, hat offenbar kein Interesse daran, Schwachstellen zu verstecken.

Frische Absatzzahlen, gemischtes Bild

Der Livestream fällt mit der Veröffentlichung der März-Lieferdaten zusammen. Xiaomi Auto meldet mehr als 20.000 ausgelieferte Fahrzeuge — ein stabiler Wert, der jedoch unter dem Niveau liegt, das das Unternehmen für das laufende Jahr anpeilt. Das Jahresziel steht bei 550.000 Einheiten, nach 411.837 im Jahr 2025.

Der Kontext erklärt die verhaltenen Zahlen: Der neue SU7 wurde erst am 19. März eingeführt, erste Auslieferungen starteten am 23. März. In der Übergangsphase zwischen alter und neuer Generation drücken Modellwechsel traditionell auf die Monatswerte. Bereits in der ersten Woche übergab Xiaomi 5.000 Fahrzeuge an Kunden — und mehr als 30.000 feste Bestellungen liegen vor.

Technologie als Argument

Das Facelift des SU7 ist substanziell. Basis- und Pro-Modell arbeiten nun mit einem 752-Volt-System, die Max-Variante sogar mit 897 Volt. In 15 Minuten sollen sich damit bis zu 670 Kilometer Reichweite nachladen lassen. LiDAR-Sensoren für autonomes Fahren und das KI-Sprachmodell XLA gehören ab sofort serienmäßig dazu. Der Einstiegspreis liegt bei 219.900 Yuan — günstiger als Teslas Model 3 in China.

Für 2026 plant Xiaomi vier neue Fahrzeugmodelle, darunter zwei range-extended SUVs. Ab 2027 soll die internationale Expansion folgen; ein Forschungszentrum in München ist bereits aktiv. Die Aktie notiert aktuell rund 35 Prozent unter ihrem Niveau vor einem Jahr — ob die Produktoffensive das ändert, wird sich spätestens in den Quartalszahlen zeigen, die die Auslieferungsdynamik des neuen SU7 erstmals vollständig abbilden werden.