Xiaomi kündigte auf der IFA 2026 in Berlin an, zwischen 2026 und 2030 mehr als 24 Milliarden Euro in Künstliche Intelligenz, Betriebssysteme, Halbleiter, intelligente Fahrzeuge, Robotik und Fertigung zu investieren.

Die Ankündigung soll den Konzern als Technologiekonzern jenseits des Smartphonegeschäfts positionieren. An der Börse zeigt sich davon bislang wenig – die Aktie notiert am Freitag bei 2,90 Euro und liegt seit Jahresbeginn 33 Prozent im Minus.

Schwaches Kerngeschäft, wachsendes Autogeschäft

Die im August veröffentlichten Zahlen zum zweiten Quartal 2026 offenbaren die Schwachstellen: Der Umsatz sank um 6,1 Prozent auf 108,922 Milliarden Yuan. Besonders das Smartphonegeschäft schwächelte, mit einem Rückgang der weltweiten Auslieferungen um 26,5 Prozent auf 31,2 Millionen Einheiten und einem Umsatzminus von 7,5 Prozent im Segment.

Anders das Elektroautogeschäft: Hier stieg der Umsatz um 17,1 Prozent auf 24,9 Milliarden Yuan, die Auslieferungen legten um 28,2 Prozent auf gut 104.000 Fahrzeuge zu. Allerdings verbuchte die Sparte weiterhin einen operativen Verlust von rund 385 Millionen US-Dollar – ein Zeichen dafür, dass der Markteintritt in das Autogeschäft Xiaomi noch teuer zu stehen kommt, bevor er profitabel wird.

Preiserhöhungen als Belastungsfaktor

Zusätzlichen Gegenwind erzeugen steigende Kosten für Speicherchips und Komponenten. Ende August erhöhte Xiaomi in Japan die Preise mehrerer Smartphones und Tablets ab September, betroffen sind unter anderem das Modell 17T Pro sowie mehrere Poco-Geräte.

Die Preisanhebung fällt spürbar aus – bei der 12-GB/256-GB-Variante des 17T Pro etwa von umgerechnet rund 754 auf etwa 879 US-Dollar. Solche Kostensteigerungen dürften die Margen im margenschwachen Smartphonesegment zusätzlich unter Druck setzen, gerade in einer Phase, in der die Auslieferungszahlen ohnehin rückläufig sind.

Europäischer Markteintritt als langfristige Wette

Vor diesem Hintergrund gewinnt die europäische Expansionsstrategie an Bedeutung. Ende August ging die internationale Website für Xiaomi Auto online, verbunden mit der offiziellen Ankündigung, ab 2027 auch nach Deutschland und in weitere europäische Märkte einzutreten.

Anfang September folgten Absichtserklärungen mit acht deutschen Autohändlergruppen zur Vorbereitung dieses Markteintritts, mit rund 15 geplanten Verkaufsstandorten und doppelt so vielen Servicestandorten in den wichtigsten Metropolregionen.

Bernstein Research setzte laut Medienberichten Anfang September trotz gesenkter Kursziele weiterhin auf chinesische E-Auto-Werte wie BYD und Xiaomi – ein Hinweis darauf, dass Analysten dem Elektroautogeschäft langfristig zutrauen, das schwächelnde Smartphonegeschäft zu kompensieren.

Charttechnisches Bild bleibt angeschlagen

Die Kursentwicklung spiegelt die gemischte Nachrichtenlage wider. Mit einem Abstand von 56 Prozent zum 52-Wochen-Hoch aus dem September vergangenen Jahres und einem Kurs unterhalb des 200-Tage-Durchschnitts bleibt das mittelfristige Bild angeschlagen.

Der RSI von 44,6 signalisiert dabei weder eine überkaufte noch eine überverkaufte Situation, sondern eher eine Konsolidierungsphase, in der Anleger auf klare Signale aus dem Autogeschäft und der KI-Strategie warten dürften.

Für Investoren bleibt Xiaomi damit ein Konzern im Umbruch: Das etablierte Smartphonegeschäft schrumpft, während milliardenschwere Investitionen in Zukunftsfelder erst mittelfristig Früchte tragen sollen. Der geplante Europa-Eintritt 2027 markiert dabei einen der zentralen Prüfsteine für die kommenden Quartale.