Xiaomi zeigt der Welt sein Comeback im Automarkt. Der Kurs quittiert es mit einem Rücksetzer. Am Freitag schloss die Aktie bei 3,23 Euro, ein Minus von 5,00 Prozent an einem Tag, an dem eigentlich Feierlaune herrschen sollte.

Der Grund für die Enttäuschung: Zwei Tage zuvor hatte Xiaomi die neuen Modelle SkyNomad N70 Max und N90 Max vorgestellt. Sie markieren den Einstieg in den Markt für Hybrid-SUVs mit Reichweitenverlängerung. Statt Kursfeuerwerk gab es Gewinnmitnahmen.

Starke Auslieferungen, schwacher Kurs

Die operativen Daten sprechen eigentlich für Xiaomi. Die Elektroauto-Sparte lieferte im Juli zum vierten Mal in Folge mehr als 30.000 Fahrzeuge aus. Das zeigt: Die Fertigungskette läuft stabil, ein Wert, den viele chinesische EV-Newcomer erst noch beweisen müssen.

Trotzdem blieb die erhoffte Rallye aus. Die Aktie hat in den vergangenen 30 Tagen zwar 30,69 Prozent zugelegt. Diese Dynamik scheint sich nun zu erschöpfen. Anleger werden vor den anstehenden Finanzberichten vorsichtiger.

Die 200-Tage-Linie als Nadelöhr

Für die technische Einordnung zählt vor allem eine Marke: der 200-Tage-Durchschnitt bei 3,73 Euro. Der aktuelle Kurs liegt noch 13,27 Prozent darunter. Diese Distanz entscheidet, ob der jüngste Schwung mehr ist als eine kurze Erholung.

Die Frage dahinter: Reicht die neue Modelloffensive im Autogeschäft, um diese Lücke zu schließen? Oder deckelt die Schwäche im Smartphone-Kerngeschäft den Kurs weiterhin unterhalb dieser Marke? Gestiegene Chipkosten und sinkende Absatzzahlen sprechen bislang eher für Letzteres.

Bullisches Szenario: Das Plateau als Fundament

Für eine Fortsetzung der Aufwärtsbewegung spricht die Konstanz der Auslieferungen. Vier Monate über 30.000 Einheiten sind im Sektor der neuen chinesischen Autobauer keine Selbstverständlichkeit. Übertreffen die Vorbestellungen für die SkyNomad-Serie die Erwartungen, könnte das die Prognosen für das zweite Halbjahr deutlich stützen.

Auch charttechnisch gibt es Rückenwind. Der 50-Tage-Durchschnitt bei 2,92 Euro bietet einen Puffer von gut zehn Prozent nach unten. Der RSI von 57,7 zeigt zudem: Trotz der jüngsten Gewinne ist die Aktie noch nicht überkauft.

Bärisches Szenario: Der Schatten der Smartphone-Krise

Das größte Risiko bleibt das Kerngeschäft. Im zweiten Quartal 2026 verzeichnete Xiaomi laut Branchendaten einen zweistelligen Rückgang bei den weltweiten Smartphone-Auslieferungen. Ursache ist die sogenannte Memory-Krise: drastisch gestiegene Preise für Speicherchips.

Xiaomi musste die Endpreise anheben. Das dämpfte die Nachfrage im preissensiblen Massenmarkt zusätzlich. Hinzu kommt die hohe Schwankungsbreite der Aktie von 57,44 Prozent auf 30-Tage-Sicht, ein Wert, der plötzliche Abverkäufe begünstigt, sollte die EV-Sparte im August höhere Verluste zeigen als erwartet.

Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 6,51 Euro liegt bei über 50 Prozent. Der langfristige Abwärtstrend bleibt also intakt, solange die 200-Tage-Linie nicht nachhaltig überwunden wird.

Ausblick: Der 18. August als nächster Test

In der kommenden Woche dürfte sich die Aktie zwischen dem 50-Tage-Durchschnitt bei 2,92 Euro und dem 100-Tage-Durchschnitt bei 3,21 Euro einpendeln. Hält die Marke von 2,92 Euro, bleibt ein erneuter Test der 200-Tage-Linie bei 3,73 Euro realistisch.

Der nächste konkrete Termin ist der 18. August 2026. Dann prüft der Verwaltungsrat die konsolidierten Zwischenergebnisse für das erste Halbjahr. Entscheidend wird, wie stark die Anlaufkosten der EV-Sparte die Bilanz belasten und ob Xiaomi, wie in Marktkreisen spekuliert, eine Zwischendividende erwägt.

Erst ein nachhaltiges Überwinden der 3,73-Euro-Marke würde das technische Bild von neutral auf bullisch drehen. Bis dahin bleibt die Aktie ein Fall für Anleger, die den Ausgang der Bilanzprüfung abwarten wollen.